Zum Hauptinhalt springen

Nachfolge von Vitus HuonderEndlich wird der neue Churer Bischof gewählt

Überraschend versammeln sich morgen Montag die 22 Domherren in Chur: Sie sollen den neuen Oberhirten aus einer römischen Dreierliste wählen. Möglicherweise einen moderaten.

Der Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, bei seiner Rede zur Eröffnung der Inselkirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau  2018.
Der Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, bei seiner Rede zur Eröffnung der Inselkirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau 2018.
Foto: David Baer

Nun ist es so weit: Die 22 Domherren des Bistums Chur kommen am Montagmorgen in Chur zusammen, um den Nachfolger von Bischof Vitus Huonder zu wählen. Das erfuhr diese Zeitung aus zuverlässiger Quelle. Der Informationsbeauftragte des Bistums, Giuseppe Grazia, will sich auf Anfrage nicht dazu äussern.

Jahrelang wurde die Wahl hinausgezögert, der jetzige Zeitpunkt kommt dennoch überraschend. Man war davon ausgegangen, die Wahl werde erst unter dem neuen apostolischen Nuntius moderiert, der im Januar sein Amt in Bern antreten soll.

Der Ende 2020 zurücktretende traditionalistische Nuntius Thomas Gullickson hatte wiederholt versucht, einen konservativen Kandidaten zu portieren, und schickte Listen mit Namen von Huonder-treuen Priestern nach Rom. Offenbar unter Einfluss liberalerer Kreise war zuletzt eine Liste mit moderaten Kandidaten beim Klerus im Umlauf. Darauf etwa der Richterswiler Pfarrer Mario Pinggera (51), der Horgner Pfarrer Adrian Lüchinger (55), der Luzerner Pfarrer Ruedi Beck (56) und Bischofsvikar Joseph Maria Bonnemain (72), der der mächtigen und umstrittenen Eliteorganisation Opus Dei angehört.

Er wäre ebenfalls ein Favorit des moderaten Flügels: Der Luzerner Pfarrer Ruedi Beck.
Er wäre ebenfalls ein Favorit des moderaten Flügels: Der Luzerner Pfarrer Ruedi Beck.
Foto: Ueli Abt

Auch der Favorit des basisnahen Flügels stand auf der Liste: Urban Federer (51), Abt des Klosters Einsiedeln. Eher schöngeistig und spirituell als kirchenpolitisch interessiert, geniesst der Zürcher den Ruf eines moderaten und integren Kirchenmanns. Das Portal Kath.ch nannte vor kurzem zwei weitere Äbte als Bischofskandidaten: Vigeli Monn (55), Abt des Benediktinerklosters Disentis, und den Tessiner Mauro Giuseppe Lepori (61), den früheren Abt von Hauterive und aktuell Generalabt der Zisterzienser in Rom.

Skepsis unter den Gläubigen

Dennoch blicken viele Gläubige der Wahl mit Skepsis entgegen: Die 22 Domherren sind mehrheitlich konservativ und teilen den Kurs von Vitus Huonder und seinem früheren Generalvikar Martin Grichting. 15 Wahlmänner sind zwischen 65 und 90 Jahre alt. Immerhin scheint Papst Franziskus die seit Jahrzehnten ungewöhnlich schwierige Situation im Bistum erkannt zu haben. Als der unbeliebte Vitus Huonder 2017 mit Erreichen des 75. Geburtstags seinen Amtsverzicht anbot, beliess ihn Franziskus zunächst für zwei weitere Jahre im Amt. 2019 dann setzte er als ausserordentliche Massnahme den Walliser Pierre Bürcher, den früheren Bischof von Reykjavik, übergangsweise zum Apostolischen Administrator ein.

Katholiken an der Basis hoffen, dass Papst Franziskus die Churer Bischofswahl ganz zur Chefsache erklärt und die Dreierliste selber erstellt hat. Der Jesuit auf dem Stuhl Petri hievt gerne Ordensleute in Spitzenpositionen. Sodass den Benediktinern Urban Federer und Vigeli Monn gute Chancen eingeräumt werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Heilige Stuhl auf Ordensmänner setzt, um das Problembistum Chur zu beruhigen: 1993 hatte er den Jesuiten Peter Henrici und den Marianisten Paul Vollmar zu Weihbischöfen im Bistum Chur ernannt, 1998 den Benediktiner Amédée Grab gar zum Bischof.

6 Kommentare
    Hans Meier

    Ein sogenannter Hirte, ohne Schäfchen, braucht es nicht! Der Hirte würde besser zu seinen Schäfchen schauen, bevor diese alle weg sind, denn sonst schafft er sich selber ab.