Zum Hauptinhalt springen

LeserreaktionenEntschädigung für Pflegende: «Absolut irreführende Darstellung»

Meinungen von Leserinnen und Lesern zu aktuellen Themen. Unter anderem wehren sich zwei Pflegende gegen die Darstellung, sie hätten zu viel Gewinn eingestrichen.

Der Kanton streicht Entschädigungen in der ambulanten Pflege – Betroffene reagieren mit Kritik.
Der Kanton streicht Entschädigungen in der ambulanten Pflege – Betroffene reagieren mit Kritik.
Gaetan Bally (Keystone)

Viele Leistungen sind nicht verrechenbar

Zu «Die selbstständigen Pflegenden haben zu viel Gewinn eingestrichen»
Der Artikel und das Bildmaterial suggerieren, dass selbstständig erwerbende Fachspezialistinnen und -spezialisten (Psychiatrie-Spitex) ihren Patienten zum Stundensatz von 120 Franken Haare waschen. Dies ist absolut irreführend. Ich möchte den Stundenlohn ins richtige Licht rücken: Als Selbständigerwerbende bezahlen wir die gesamten Sozialabgaben, Versicherungen und Pensionskasse selber. Die Zeit, die wir direkt mit den Klienten arbeiten und verrechnen können, unterscheidet sich von der effektiven Arbeitszeit. Es fallen an: Berichte und Verläufe schreiben, Abrechnungen und Buchhaltung erledigen, obligatorische und freiwillige Weiterbildungen zur Verbesserung und Überprüfung unserer Arbeitsqualität. Diese Leistungen sind nicht verrechenbar. Auch bei kurzfristigen Terminabsagen gehen wir leer aus. Die Aufgabe der ambulanten psychiatrischen Pflege ist sinnvoll und hilfreich, aber auch belastend. Es ist nicht möglich, acht Stunden pro Tag zu arbeiten und den Klienten gerecht zu werden. Ich persönlich schaffe es, sechs Stunden präsent sein, das sind Besuche bei vier bis fünf Personen. Die Hilfe und Unterstützung, die wir Freiberuflichen anbieten, wird von Klienten, Angehörigen, Behörden und Ärzten als wertvolle Leistung wahrgenommen. Dies ganz nach dem Behandlungsgrundsatz : ambulant vor stationär.
Ruth Archer, Ambulante Psychiatrische Pflege, Wattenwil

Mehr als fragwürdig

Bei den letzten Vertragsverhandlungen mit der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) wurden die Argumente von uns freiberuflichen Pflegenden nicht wahrgenommen und sogar abgeblockt. Trotz mehrmaligem Nachfragen wurden keine Zahlen zur Begründung der geplanten Kürzungen ausgehändigt. Es ist erstaunlich, wie Eveline Zurbriggen von der GSI mit ihrem Zahlenmaterial nun an die Öffentlichkeit geht. Wie ich lese, hat das GSI nicht verstanden, wie sich die Lohnsumme der Pflegenden, auch die in den Organisationen, zusammensetzt. In einer Studie von 2017 im Auftrag von Spitex Schweiz ist ersichtlich, dass ein grosser Teil der Stunden nicht verrechnet werden darf, nämlich ungefähr 40 Prozent (Administration, Wegzeit etc.). Die Begründung von Eveline Zurbriggen, warum die Spezialleistungen gestrichen werden, ist mehr als fragwürdig. Ich frage mich, welche Interessen damit gestützt werden. Ursula Gerber, freiberufliche Pflegende, Brenzikofen

Von der Mann-Frau-Debatte lösen

Franziska Teuscher – bald die einzige Frau im Berner Gemeinderat?
Franziska Teuscher – bald die einzige Frau im Berner Gemeinderat?
Franziska Rothenbühler

Zu «Wird Teuscher die letzte Mohikanerin in einem Männergremium?»
Gemäss Genderforscherin Fabienne Amlinger sei es schlimm, wenn Frauen in politischen Gremien nicht angemessen repräsentiert werden. Dem Berner Gemeinderat könnte nach der nächsten Wahl mit einer 4:1-Konstellation zu Gunsten der Männer ein solch «schlimmes» Szenario drohen. Man könnte meinen, Frauen und Männer sind homogene Gruppen, die alle dieselben Ziele und Interessen verfolgen. Dabei stehen in erster Linie Individuen im Vordergrund. Können Frauen nicht auch Männer und Männer nicht auch Frauen repräsentieren? Egal zu welcher Konstellation es auch kommen mag, am Ende interessieren sich die Bürgerinnen und Bürger für die gemachte Politik einer Person. Es wird Zeit, sich von dieser Mann-Frau-Debatte loszulösen. Dies hilft der Gleichstellung schlussendlich mehr, als bei jeder anstehenden Wahl die Geschlechterthematik in den Vordergrund zu rücken.
Marco Zbinden, Wünnewil

Zitat des Tages

«Die allermeisten Schafhalter sind keine Bauern, sondern Hobbytierhalter und von einer Betriebsaufgabe wegen des Wolfes kann keine Rede sein.»

Christoph Jakob-Lüthy, Weier i.E.

Soldaten können wolfssichere Zäune aufstellen

Zu «Die ‹ahnungslosen Unterländer› haben es wieder getan»
Ich verstehe sehr gut, dass man nach einer verlorenen Volksabstimmung frustriert ist. Jetzt sind gute, durchführbare Massnahmen gefragt, beispielsweise der Einsatz von Zivilschutz oder des Militärs. Eine Kompanie Soldaten könnte in einem WK bis zu dreissig Schafalpen im Hochgebirge mit wolssicheren Zäunen versehen. Die Soldaten würden eine solche Aufgabe sicher gerne übernehmen und als Unterländer in Kontakt mit der Bergbevölkerung treten. Daneben müsste man sicher die Anzahl gerissener Schafe senken, welche für einen Wolfsabschuss notwendig ist. Schade finde ich, wenn mit Verzerrungen und Halbwahrheiten der Frust losgelassen wird: Die allermeisten Schafhalter sind keine Bauern, sondern Hobbytierhalter und von einer Betriebsaufgabe wegen des Wolfes kann keine Rede sein. Die Schafe sind für einen Bauern heute nicht einmal ein Betriebszweig oder ein Standbein, sondern reine Freizeitbeschäftigung wie Kaninchen- oder Hühnerzucht. Nach dem Hickhack im Abstimmungskampf sind nun sachliche, realisierbare und alle befriedigende Lösungen gefragt.
Christoph Jakob-Lüthy, Weier i.E.

Subventionen streichen, Wolf abschiessen

Die Bergbauern erhalten viel Geld von den «ahnungslosen Unterländern», damit sie ihr Gewerbe weiterführen können. Geld, das von den Unterländern erst erwirtschaftet werden muss. Pro Jahr verenden zwischen 4000 und 6000 Schafe während der Sömmerung. Sie erfrieren, verhungern, stürzen ab oder erkranken. Das macht aber nichts, denn es wäre ein Aufwand, diese Tiere zu hüten. Ein Aufwand, der sich nicht lohnt. Die Wolle lässt sich nicht verkaufen (zu teuer und Qualitätsprobleme) und Fleisch geben Schafe nicht sehr viel. Die meisten Tiere werden schliesslich nur gehalten, um die Gelder einzustreichen, und nicht, um damit Geld zu verdienen. Jetzt erlegt der Wolf 300 bis 400 dieser nicht geschützten Schafe. Da ist es doch selbstverständlich, dass man die Wölfe präventiv abknallen muss, oder? Ich bin für einen Kompromiss: Es werden sämtliche Subventionen für die Schafhaltung gestrichen und im Ausgleich ist der präventive Abschuss von Wölfen erlaubt. Onlinekommentar von Boris Gouskov

Dankbar für die problemlose Zeit

Zu «Auf ewig die ‹Zürischnurre›»
Wenn in Zeiten, in denen im Kanton Bern bis zu 65 neuregistrierte Coronafälle pro Tag gemeldet werden, eine ganze Zeitungsseite kritisch über die neue Bahnhofsstimme mit leicht «züridütschem» Akzent berichtet und der zuständige Projektleiter bei der SBB von einer – Zitat – «komplexen Suche» spricht, dann leben wir, Gott sei Dank, wirklich in einer doch eher problemlosen Zeit. Ich schätze das und bin sehr dankbar dafür.
Urs Bosshard, Aarwangen