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Nachruf auf Udo WalzEr verpasste Merkel ihren Look

Beim verstorbenen Berliner Star-Coiffeur Udo Walz nahmen Berühmtheiten wie Heidi Klum, Marlene Dietrich und die deutsche Bundeskanzlerin Platz. Der 76-Jährige war seine eigene Marke.

Wusste seine Kunden in Szene zu setzen – und sich selbst: Udo Walz in einem seiner Salons in Berlin.
Wusste seine Kunden in Szene zu setzen – und sich selbst: Udo Walz in einem seiner Salons in Berlin.
Foto: Keystone

Er konnte sehr lustig sein, von einer ansteckenden Fröhlichkeit, die ihn auch auf der Berlinale oder bei Festen zum begehrten Gesprächspartner machten: Bei solchen Gelegenheiten warf er sich in Schale, zog die dunklen Augenbrauen nach oben und hatte immer einen guten Spruch auf den Lippen. Eine Figur für den Boulevard, mit besten Beziehungen zu den Berliner Revolverblättern und den privaten Sendern.

Nun ist ein Coiffeur ja nicht in erster Linie eine Plaudertasche, sondern ein Praktiker, der wissen muss, wie man in diesem luftigen Gewerbe verlässlich Geld verdient. Auch ein Geschäftsmann war Udo Walz, zweifellos. Mit 14 hatte der Sohn eines Lastwagenchauffeurs sein Handwerk in Stuttgart gelernt, mit 18 verwöhnten Kunden in St. Moritz die Haare geschnitten und Stars wie Marlene Dietrich oder Romy Schneider raffinierte Hochsteckfrisuren verpasst. 1963 zog er nach West-Berlin und eroberte sich Schnitt für Schnitt eine ganz besondere Stammkundschaft. Walz hatte immer ein Gespür für werbewirksame Auftritte, er frisierte die Models für den Otto-Katalog, später auch die junge Claudia Schiffer oder Heidi Klum.

Coiffeursalon auf Mallorca

Auf dem Kurfürstendamm, der wichtigsten Einkaufsmeile Berlins, machte Udo Walz dann richtig Karriere. Mit einem für die Achtzigerjahre doch sehr glamourösen Salon. Seinen Kundinnen erfüllte er jeden Wunsch; Sitzungen mit Walz waren immer Ereignisse, auch wenn der Meister selbst gerne behauptete, dass sich Coiffeure nicht zu wichtig nehmen sollten. «Bei mir quatscht niemand», war sein Motto. Seine Angestellten durften vieles, wenn sie vor dem Spiegel standen, aber eines auf gar keinen Fall: den Kundinnen peinliche Fragen stellen, sie nach ihrem Beruf und ihren privaten Verhältnissen ausquetschen.

Auch Angela Merkel zählt zur treuen Walz-Fraktion. Mit sichtbaren Resultaten: Die eher etwas saloppe, vorne zu kurze Generalsekretärinnen-Frisur war bald Geschichte, als Walz der Kanzlerin ihren heute noch gültigen Look verpasste. Man muss eben wissen, wie man die Fassung bewahrt. Als Dank für so viel PR trat Walz dann auch prompt in die CDU ein.

Seit den Neunzigerjahren befand er sich auf Expansionskurs. Berlin war die aufsteigende Metropole, und der «regierende Friseurmeister» liess gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Carsten Thamm kaum eine Party aus. Walz betrieb nun fünf Salons gleichzeitig, drei davon in Berlin, einer in Potsdam und einer auf Mallorca, seiner Lieblingsinsel. Als Nebendarsteller – natürlich in der Walz-Rolle – war er in Fernsehserien und Dokusoaps zu sehen. Manchmal wurde selbst ihm das ganze Gedöns etwas peinlich, und nicht immer waren seine Auftritte komplett stilsicher. Wer für Diätmittel wirbt, Talkshows moderiert, Bücher schreibt und dann noch im eigenen Laden präsent sein will, übernimmt sich vielleicht am Ende doch etwas. Oder etwa nicht? Ach, was – Udo Walz hatte genug Charme und Kraft, um trotz seiner vielen Aktivitäten den Laden zusammenzuhalten.

Vergangenen Freitag ist Udo Walz, der an Diabetes litt, im Alter von 76 Jahren gestorben. Er war mehr als ein Friseur, er war eine Marke.