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Nachruf auf Alan ParkerEr war der Mann mit dem Musikgehör

In den Achtzigern war er ganz gross: Jetzt ist Filmregisseur Alan Parker ( «Fame», «Pink Floyd – The Wall», «Angel Heart») gestorben.

Madonna gewann für ihre Hauptrolle in Alan Parkers Musical-Film «Evita» einen Golden Globe. Der Regisseur erhielt dafür vom Musikstar einen Kuss auf die Wange und ebenfalls einen Golden Globe – für den besten Film.
Madonna gewann für ihre Hauptrolle in Alan Parkers Musical-Film «Evita» einen Golden Globe. Der Regisseur erhielt dafür vom Musikstar einen Kuss auf die Wange und ebenfalls einen Golden Globe – für den besten Film.
Foto: Reuters

Es fing an mit Jodie Foster in der ausschliesslich von Minderjährigen gespielten Musicalkomödie «Bugsy Malone» (1976), und es hörte auf mit Kate Winslet und Kevin Spacey in der Märtyrergeschichte «The Life of David Gale» (2003). Dazwischen hatte Alan Parker so ziemlich alle Stars vor der Kamera, die man sich denken kann. Anthony Hopkins, Madonna und Antonio Banderas (in «Evita») , den blutjungen Nicolas Cage, Mickey Rourke, Robert De Niro.

Der britische Regisseur selber blieb eher unscheinbar. Geboren 1944 als Einzelkind einer Arbeiterfamilie in einem Vorort von London, arbeitete er lange in einer PR-Agentur und führte Regie bei Werbefilmen. Das sah man seinen Spielfilmen durchaus an, die von Kritikern deswegen oft in Grund und Boden verrissen wurden.

Etwas zu machen, das die Leute unterhält, das sie zum Lachen bringt und sie glücklich das Kino verlassen lässt, das ist nicht einfach.

Regisseur Alan Parker

Aber Parkers Credo lautete: «Etwas zu machen, das die Leute unterhält, das sie zum Lachen bringt und sie glücklich das Kino verlassen lässt, das ist nicht einfach.» Was er als Werber wusste, war, dass ein Film nur gewinnen kann, wenn er über herausragende Musik verfügt. So hat sich Parker, ein bemerkenswert vielseitiger Regisseur, hauptsächlich mit Musikfilmen einen Namen gemacht.

«Bugsy Malone» (1976), sein Debüt, überraschte mit einer Gangstergeschichte ausschliesslich aus Kinderperspektive. In «Fame» (1980) liess er New Yorker Tanzschulanwärter (darunter Irene Cara) schwitzen. In «Pink Floyd – The Wall» (1982), der fiktiven Nachempfindung eines ausgebrannten Superstars, wurden Bob Geldof die Augenbrauen wegrasiert. Und in «The Commitments» (1991) beschrieb er den zähen Aufstieg einer irischen Soulband.

Schwierige Themen, massentauglich inszeniert

Regie nach Noten, könnte man behaupten. Aber damit würde man Parkers breitem Werk, das durchaus Qualitätsschwankungen aufwies, nicht gerecht. Der Name des britischen Regisseurs stand oft auch für schwierige Themen, die er massentauglich zu inszenieren verstand.

Im Post-Vietnam-Kammerspiel «Birdy» (1985, mit Nicolas Cage) über zwei unterschiedlich traumatisierte Soldaten wie auch im oscarnominierten Südstaatendrama «Mississippi Burning» (1989, mit Willem Dafoe) über Rassenkonfikte stehen schicksalshafte Männerbündnisse im Zentrum. Dabei ist die Auseinandersetzung zwischen einem schwächeren Individuum und den zementierten Vorstellungen der Gesellschaft entscheidend.

Zwei Mal für den Oscar nominiert

Die unterschiedlichen Moralvorstellungen seiner Helden waren bei Parker manchmal durch Gitterstäbe getrennt. Manchmal reichte aber schon das Sichtbarmachen der geistigen Kerker, in denen sie sich bewegten und an denen sie letzlich zugrunde gingen, zum Beispiel in «Angel Heart» (1987). Viel verletzlicher und verletzter konnte man Männer nicht zeigen.

Parker, der zweimal für den Oscar nominiert wurde, war Vorsitzender des Britischen Filminstituts, 2002 wurde er von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen. Als er vor einigen Jahren seinen Ruhestand ankündigte, sagte er: «Regisseure verbessern sich nicht im Alter». Jetzt ist Alan Parker im Alter von 76 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Im Februar 2013 erhielt Alan Parker den Ehrenpreis der British Academy of Film and Arts (BAFTA).
Im Februar 2013 erhielt Alan Parker den Ehrenpreis der British Academy of Film and Arts (BAFTA).
REUTERS

Korrigendum: Eine aufmerksame Leserin hat richtigerweise bemerkt, dass im Film «The Life of David Gale» nicht Renée Zellweger, sondern Kate Winslet spielte.