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«Das war ein Missverständnis!»Erich Hess krebst nach Kritik an seinem Corona-Video zurück

Sein Aufruf zur Umgehung der Corona-Massnahmen löste heftige Reaktionen aus. Nun betont Erich Hess, er habe nur auf die Absurdität der Einschränkungen hinweisen wollen.

Am Freitag erklärte der Berner SVP-Nationalrat Erich Hess, wie man die neusten Corona-Massnahmen des Bundesrats umgehen könne. Nach heftiger Kritik sprach er am Samstag dann von einem Missverständnis.
Video: Webvideo Tamedia

«Ich wollte mit meinem Video aufzeigen, wie absurd die Regelungen des Bundesrats sind.» So relativiert Nationalrat Erich Hess (SVP/BE) am Samstagabend seine Aussagen aus einem Video, das er nur einen Tag zuvor veröffentlicht hatte.

Nicht nur bei den religiösen Gemeinschaften sei das so, findet Hess, sondern auch bei den Ladenöffnungszeiten. Wenn man diese verkürze, gebe es während der verbleibenden Öffnungszeit höhere Frequenzen, was das Ansteckungsrisiko steigere.

Am Schluss der Videobotschaft bittet Hess den Bundesrat, die aus seiner Sicht absurden Regelungen zu korrigieren und anzupassen. Zu einer Entschuldigung für seine Anstachelung zur Umgehung der bundesrätlichen Corona-Massnahmen liess sich Hess allerdings nicht hinreissen.

Twitter löschte das Video

Am Freitag hatte Hess in einer Videobotschaft eine Anleitung geliefert, wie man die Festtage «mit der ganzen Familie und mit allen Freunden traditionell feiern» könne.

Man solle einfach eine religiöse Gemeinschaft bilden, damit sei das Problem gelöst. Das entsprechende Formular mit Statuten und Mitgliedern hatte Hess seinem Tweet beigelegt. Gemäss Bundesrat sind religiöse Feiern bis maximal 50 Personen erlaubt. Ansonsten seien private Treffen weiterhin nur mit maximal 10 Personen möglich.

Das Video löste heftige Reaktionen aus. Auf Social Media wurde es praktisch ausschliesslich negativ kommentiert, die harmloseren Antworten reichen von «Pfui» bis «Niveaulos», viele User forderten den Rücktritt von Erich Hess. Twitter löschte das Video gar mit der Begründung, es verstosse gegen die Richtlinien.

Eine Twitter-Nutzerin erinnerte Hess an den Eid, den er als Nationalrat abgelegt hat: «Ich schwöre vor Gott dem Allmächtigen, die Verfassung und die Gesetze zu beachten und die Pflichten meines Amtes gewissenhaft zu erfüllen.»

Auch Parlamentarier-Kollegen reagierten. So warnte GLP-Nationalrat Beat Flach, dass Hess nicht nur unmoralische Tipps gebe, sondern sein «Trick» gemäss Gesetzbuch auch nicht funktioniere. Denn offenbarer Missbrauch eines Rechts finde keinen Rechtsschutz und könne bestraft werden.

Mit Blick auf die herrschende Situation halte man es für unangebracht, zur unzulässigen Umgehung der Covid-19-Anordnungen aufzurufen, hiess es bei der Kantonspolizei Bern auf Anfrage von «20 Minuten». Falls die Polizei bei Einsätzen entsprechende Feststellungen mache, werde sie diese an die Justiz rapportieren.

chh

128 Kommentare
    Rob Witt

    Nur die SVP hat nichts dazu gesagt! Was sagt uns das?