Zum Hauptinhalt springen

Corona-Krise auf Mallorca«Es ist eine gespenstische Situation»

Fast eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer fliegen im Normalfall jährlich auf die Balearen.
Den Reiseveranstalter Universal Mallorca Ferien trifft der Stillstand hart.

Verlassenes Wanderparadies: Der Parc Natural de la Peninsula de Llevant auf Mallorca.
Verlassenes Wanderparadies: Der Parc Natural de la Peninsula de Llevant auf Mallorca.
Foto: gms

Eigentlich begann das Jahr gut: Reichlicher Regen in den Wintermonaten hatte Reservoirs und Stauseen gefüllt. Wasserknappheit sollte für einmal das Tourismusgeschäft auf Mallorca selbst in den trockenen Sommermonaten nicht stören.

«Auch für uns war das ein erfreulicher Start», sagt Philippe C. Erhart, CEO von Universal Mallorca Ferien in Vaduz (FL). «Wir eröffneten früh drei Hotels. Das Frühlingsgeschäft mit Wanderern, Velofahrern und Golfern wird von Jahr zu Jahr wichtiger.» Nachdem das von Corona besonders betroffene Spanien Mitte März die Wirtschaft lahmgelegt hatte, flog Universal die Gäste umgehend nach Hause.

Das 73 Jahre alte Familienunternehmen ist der bedeutendste Mallorca-Veranstalter auf dem Schweizer Markt. Universal betreibt 14 eigene Hotels auf der grössten Baleareninsel. Ob Don Leon oder Bikini, Aquamarin oder Romantica: Alle Ferienhotels bleiben nicht nur an Ostern, sondern auch für unbestimmte Zeit geschlossen. Die 540 Mitarbeitenden sind auf Kurzarbeit gesetzt. «Nur noch der Direktor und der Haustechniker dürfen sich in den Hotels aufhalten», erzählt Erhart. «Es ist eine gespenstische Situation.»

Rätselraten über die Zukunft

Auch wenn Universal Mallorca Ferien alle Buchungen bis 16. Mai storniert hat, glaubt Philippe Erhart den von seinem Vater Alfred gegründeten Reiseveranstalter nicht existenziell bedroht: «Wir haben in den letzten Jahren haushälterisch gewirtschaftet und ein gewisses Polster angelegt.» Die firmeneigenen Hotels erfreuten sich 2019 über die ganze Saison einer Durchschnittsbelegung von über 90 Prozent.

Die Kundschaft, lobt der gebürtige Basler, gehe mit der ungewissen Situation gefasst um. «Die Kunden haben viel Vertrauen zu uns und buchen teilweise auf spätere Daten um. Das ist schönes Feedback, das Mut macht.»

«Wir haben in den letzten Jahren haushälterisch gewirtschaftet und ein gewisses Polster angelegt»: Philippe C. Erhart, CEO von Universal Mallorca Ferien
«Wir haben in den letzten Jahren haushälterisch gewirtschaftet und ein gewisses Polster angelegt»: Philippe C. Erhart, CEO von Universal Mallorca Ferien
Foto: Daniel Ammann

Der europaweite Shutdown traf Universal und das ökonomisch ganz vom Tourismus abhängige Mallorca im unpassendsten Moment: «Jetzt würden viele Leute die Sommer- und Herbstferien buchen», räumt Erhart ein, «aber niemand kann sagen, wann die ersten Flüge wieder starten werden. Auf jeden Fall werden wir bereit sein, wenn es wieder losgeht.»

Die Balearen gehören seit Jahrzehnten zu den Lieblingsdestinationen der Schweizerinnen und Schweizer: 2010 reisten gemäss Angaben des Spanischen Fremdenverkehrsamtes 470’000 Passagiere aus unserem Land nach Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera. In der sommerlichen Hochsaison heben pro Woche bis zu 95 Flugzeuge von Schweizer Airports in Richtung Palma de Mallorca ab.

www.universaltravel.ch

www.illesbalears.travel

11 Kommentare
    Villiger Erwin

    Den Ferienanbietern ist es gelungen, einer Insel Einnahmen zu bringen, aber auch Ballermann, überhöhe Mietpreise und totalabhängikeit vom Massentourismus. Das wollten die Einwohner so nicht. Sie erleben den rücksichtslosen Ausverkauf ihrer Insel. Deshalb bleibt hoffentlich in Zukunft diese Art von Tourismus der Insel fern. Langfristig wird es ihr dabei besser gehen.