Dieses Muskelpaket hat Spaniens Taktik schon einmal zerstört

Alles spricht bei Portugal von Cristiano Ronaldo. Dabei gerät ein wichtiger Spieler in Vergessenheit: Raul Meireles, der Mann fürs Grobe im Mittelfeld der Selecção.

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Florian A. Lehmann@tagesanzeiger

Offensiven Schillerfaltern gehört die Aufmerksamkeit. Das ist im Eishockey so, das ist im Fussball so. Wer von Portugals Fussballern an der Euro 2012 spricht, denkt sofort an Cristiano Ronaldo; die menschliche Rakete mit dem Ball und den Beau mit dem Gel im Haar. Doch die Auswahl Lusitaniens stünde kaum im Halbfinal, wenn sie lauter Spielertypen wie Ronaldo im Team hätte. Eine gute, erfolgreiche Mannschaft braucht auch Spieler, die sich um die Drecksarbeit sprich die defensiven Pflichten kümmern. Und die auch furchtlos in die Zweikämpfe steigen. Raul Meireles ist so einer. Der 29-jährige Mittelfeldspieler ist der Mann fürs Grobe bei der Selecção: Er kämpft, rennt, stopft Löcher, erobert den Ball zurück.

Der Mann ist auch kein Schönling wie CR7. Meireles sieht aus wie ein furchteinflössendes Gang-Mitglied: Fast 180 cm gross, kurzer Haarschnitt, zahlreiche Tätowierungen und einen Körper, der an einen gut trainierten Streetfighter erinnert. Der ehemalige Profi des FC Porto verdient nach einem Umweg beim FC Liverpool, wo er bei den Fans an der Anfield Road ungemein populär war, heuer sein tägliches Brot beim FC Chelsea. Die Londoner haben bekanntlich den Champions-League-Titel gewonnen. Meireles, der auch spielerische Qualitäten besitzt und sehr gute Pässe schlagen kann, hat einen grossen Anteil am Erfolg der Blues gehabt, auch wenn er im Final gegen die Bayern wegen einer Sperre fehlte. Der Mittelfeldspieler legt sich nicht nur gerne mit den Gegnern an, sondern auch mit den Schiedsrichtern. Das zieht auch schon mal Konsequenzen nach sich. Oder anders ausgedrückt: Meireles ist mit gelben Karten bestens vertraut.

Die Rolle des Aussenseiters

Vor dem morgigen Halbfinal gegen Titelverteidiger Spanien sagt der robuste Fussballer gegenüber Journalisten: «Ich habe mit Chelsea die Champions League gewonnen. Dabei hatte niemand auf uns gesetzt. Das war wie ein Traum. Diesen Traum werden wir nun auch mit der Nationalmannschaft in Angriff nehmen. Schliesslich hat uns hier an der EM auch niemand auf der Rechnung.» Meireles ist nicht nur psychisch, sondern auch physisch auf der Höhe. Niemand kann Titel gewinnen, wenn er kein Selbstvertrauen hat. «Fussball-Punk» ist er auch schon wegen seinem Äusseren genannt worden, «Bad Boy» wegen seiner harten Spielweise und Diskussionen mit dem Spielleiter.

Meireles’ Aufgabe wird es am Mittwochabend in Donezk sein, das für viele neutrale Fussballanhänger so nervende Tiki Taki des Rivalen zu zerstören, die Kreise der ballsicheren iberischen Mittelfeldspieler einzuengen. Das ist dem Fussballer aus Porto in dieser Saison schon einmal gelungen: mit Chelsea im Halbfinal der Königsklasse gegen den FC Barcelona, der das spielerische und taktische Gerüst für Spaniens Nationalmannschaft darstellt. Die Mannschaft von Coach Vicente del Bosque ist also gewarnt. «Ich bin ein Wettkämpfer. Ich will immer gewinnen. Um im Fussball zu siegen, muss jeder seine Rolle erfüllen», lautet das Arbeitsmotto von Meireles. Ehrgeiz beginnt im Kopf. Und deshalb erklärt er in diesen Tagen voller Überzeugung: «Ich glaube daran, dass wir Europameister werden können.»

Eines ist sicher: Für Spanien wird dieser Halbfinal kein Spaziergang. Einige Experten glauben, dass nicht Deutschland oder Italien, sondern Portugal die einzige Mannschaft sei, welche La Furia Roja auf dem Weg zum Titel stoppen könne. Dank Superstürmer Ronaldo – aber vor allem dank Schwerarbeiter Meireles.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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