«Ich brauche zuerst einmal Abstand»

Jogi Löw gönnt sich nach dem Halbfinal-Aus zuerst eine Auszeit. Wann der Bundestrainer mit der Aufarbeitung der EM beginnen wird, weiss er noch nicht.

Improvisierte Medienkonferenz: Jogi Löw gibt im Flug von Warschau nach Frankfurt a. M. bereitwillig Auskunft.

Improvisierte Medienkonferenz: Jogi Löw gibt im Flug von Warschau nach Frankfurt a. M. bereitwillig Auskunft.

(Bild: Keystone)

Florian A. Lehmann@tagesanzeiger

Die Enttäuschung nach der 1:2-Niederlage gegen Italien ist in Deutschland immer noch gross, vor allem beim Bundestrainer. Jogi Löw erklärte gegenüber deutschen Medien, dass er «zuerst einmal Abstand» brauche. Und beschrieb das Gefühl auf seine typische Weise: «Das muss man erst einmal alles sacken lassen.»

Der 52-Jährige wird sich nun in den Breisgau zurückziehen und ein berufliches Timeout nehmen. Wann er mit der Aufarbeitung der Geschehnisse der EM beginnen wird, weiss er noch nicht. Die Analyse, warum es erneut nicht mit einem Titel gereicht hat, muss noch warten. «Die Enttäuschung sitzt sehr tief. Es ist nicht so leicht, abzuschütteln. Das braucht Zeit», bittet der Coach um Verständnis.

«Diese Frage ist unpassend»

Der Bundestrainer war aber doch schon so weit, Fehler einzugestehen. «Es wurde ja schon viel über die Aufstellung gesprochen. Diese Verantwortung übernehme ich auch», erklärte er gegenüber Journalisten noch während des Rückflugs von Warschau nach Franfurt am Main. Löw wurde natürlich auch zu seiner Zukunft gefragt, obwohl sein Vertrag bis zur WM 2014 in Brasilien weiterläuft. Auf die Frage, ob er zurücktrete, entgegnete er: «So eine Frage zu stellen…Das ist unpassend. Die stellt man vielleicht, wenn man in der Vorrunde ausgeschieden ist», hielt Welt Online fest.

Nicht alles infrage stellen

«Bild» beobachtete die Szene und die Aussage differenzierter. «Generell habe ich einen Vertrag. Solche Dinge sind mir nicht durch den Kopf gegangen. Unser Weg war schon sehr, sehr gut. Aber jetzt muss man mal ein bisschen Abstand gewinnen, um zu sehen, was für neue Reize da sind.» Für die Boulevardzeitung ist längst noch nicht so sicher, ob Löw weitermacht oder den Bettel hinschmeisst. Für die «Rheinische Post» ist ein solches Szenario undenkbar. «Der Bundestrainer ist zu ehrgeizig – und zu sehr wurmt ihn deshalb auch, sich ausgerechnet im Halbfinale verzockt zu haben.»

Der Bundestrainer hielt bei aller Enttäuschung aber auch fest, dass grundsätzliche Dinge nicht infrage gestellt werden sollen. «Wir waren vor einigen Jahren nicht in der Lage, einigen Nationen fussballerisch Paroli zu bieten. Inzwischen haben wir die eingeholt.» Nun sei es das Ziel, «den einen oder anderen zu überholen».

thunertagblatt.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt