«Ich hatte ein gutes Gefühl vor dem Penalty»

Spanien steht erneut in einem grossen Final. Nicht nach einer grossen Leistung, aber dank den besseren Nerven im Penaltyschiessen. Die Reaktionen von Siegern und Verlierern.

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Florian A. Lehmann@tagesanzeiger

Cesc Fabregas, der überraschend erst in der 54. Minute für den wirkungslosen Alvaro Negredo zum Einsatz gekommen war, verwandelte den entscheidenden Versuch im Penaltykrimi zum 4:2 – mit Hilfe des Torpfostens. Seine Einwechslung zahlte sich also für das Team von Trainer Vicente del Bosque doch noch aus. Der Offensivmann des FC Barcelona, der schon des öfterns gute Nerven beim Penaltyschiessen bewiesen hatte, vergass nicht, dass die Finalqualifikation an der Euro 2012 alles andere denn einfach gewesen war. «Es war schwierig gegen die Portugiesen, ein hartes Stück Arbeit. Ich habe nicht gut gespielt, dafür aber die Mannschaft. Dennoch hatte ich vor dem Penalty das Gefühl, das ich ihn verwerten würde.» Mit diesem guten und positiven Gefühl traf der Spanier schliesslich glücklich zum 4:2, nachdem der Portugiese Bruno Alves davor nur die Latte getroffen hatte.

Glückspilz Fabregas dachte bereits an den nächsten Einsatz. «Dass wir zum dritten Mal in Folge einen grossen Final erreichen, ist schon ganz grosse Klasse.» Wünscht er sich nun Italien oder Deutschland als Gegner? Das sei ihm eigentlich egal. «Wir werden sehen», erklärte der Offensivspieler gegenüber den TV-Kameras.

Das Lob für den Gegner

Spanien steht also zum dritten Mal in Folge in einem grossen Endspiel. Gerade die Profis von Real Madrid lobten die Vorstellung der Nachbarn aus Lusitanien. Torhüter Iker Casillas, der den Penalty von Joao Moutinho abgewehrt hatte, gab unumwunden zu, «dass es kompliziert gegen diese Portugiesen gewesen ist. Sie haben es uns nicht einfach gemacht. Ich muss es so sagen: Der Gegner hat toll gespielt.» Für Casillas kam neben dem Finaleinzug ein weiteres schönes Erlebnis dazu: Als erster Fussballer überhaupt feierte er den 100. Sieg im Nationaltrikot.

Ein weiterer Arbeitnehmer von Real Madrid, Sergio Ramos, anerkannte die Leistung der Portugiesen, meinte aber dennoch: «Wir haben verdient gewonnen und stehen auch zu recht im Final. Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir es nicht schaffen würden. Ich bin glücklich über unsere Leistung und stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Denn unser Kollektiv ist die grösste Stärke.»

Vicente del Bosque gab sich diplomatisch. Spaniens Nationalcoach fand, «dass wir in der Verlängerung die frischere, bessere Mannschaft waren. Penaltyschiessen ist immer auch eine Glückssache. Und wir waren eben die Glücklicheren.» Dass Del Bosques Ansicht über die Überzeit durchaus der Realität entsprach, hatte die Szene in der 104. Minute bewiesen, als Portugals Schlussmann Rui Patricio eine dicke Chance von Andres Iniesta zunichte gemacht hatte.

Die Möglichkeit von Ronaldo

Allerdings hatten auch die Portugiesen einen Matchball: Kurz vor Ende der regulären Spielzeit vergab Cristiano Ronaldo eine sehr gute Chance. Aber der Pass von Schwerarbeiter und Bad Boy Raul Meireles war etwas zu ungenau gewesen, der Abschluss von Ronaldo landete im Nachthimmel von Donezk. Im Penaltyschiessen kam Portugals Superstar mit der Nummer 7, der mit seinen fünf Freistössen im Spiel glücklos geblieben war, gar nicht mehr zum Zug. Er war als Nummer 5 für den Penaltykrimi vorgesehen.

Joker Nelson Oliveira von Benfica Lissabon war enttäuscht und erklärte stelltvertretend für seine Mannschaftskollegen: «Wir sind alle sehr traurig. Wir wollten unbedingt den Final erreichen. Wir sind für unsere gute Leistung nicht belohnt wordne. Aber wir können erhobenen Hauptes nach Hause zurückkehren. Wir haben gegen Spanien auf gleicher Höhe gespielt und ein grosses Spiel gezeigt.» Überaus sportlich verhielt sich Nani, der sein Lohn bei Manchester United bezieht: «Es war ein schwieriges Spiel. Wir hatten unsere Möglichkeiten, aber diese nicht genutzt. Aber alles in allem gesehen hat Spanien verdient gewonnen. Auch wenn im Penaltyschiessen auch das Glück mitentscheidet.»

Erneut geht Portugal bei einem grossen Turnier leer aus. Aber letztlich darf man festhalten: Portugal war nahe dran, dem Titelverteidiger und Turnierfavoriten ein Bein zu stellen. Denn überzeugend war der Auftritt von La Roja nicht. Ob die vor allem offensiv uninspirierte Leistung der Spanier im Final gegen Deutschland oder Italien genügt, wird sich zeigen. Nochmals Del Bosque: «Vielleicht spielen wir gegen Deutschland? Ach was, wir werden es morgen Abend erfahren.» Wie wahr, Señor.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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