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Entscheid des BundesratesFördergelder für Presse und Onlinemedien werden aufgestockt

Die Schweizer Regierung hat ein Massnahmepaket verabschiedet. Das neue Modell kommt der Branche wie gerufen.

Frohe Botschaft aus Bern für Verlagshäuser: Neu sollen auch Onlinemedien förderberechtigt sein.
Frohe Botschaft aus Bern für Verlagshäuser: Neu sollen auch Onlinemedien förderberechtigt sein.
(Keystone/Gaetan Bally/8. Januar 2019)

Der Bundesrat will Zeitungen, Radio- und TV-Stationen sowie Nachrichtenagenturen künftig stärker unterstützen. Für die indirekte Presseförderung sollen neu 50 statt 30 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Onlinemedien sollen pro Jahr 30 Millionen Franken erhalten.

Der Bundesrat hat am Mittwoch die Botschaft zum Massnahmenpaket zugunsten der Medien verabschiedet. Er will das Radio- und Fernsehgesetz sowie das Postgesetz teilweise revidieren. Zudem soll ein auf zehn Jahre befristetes Mediengesetz geschaffen werden. Das Parlament könnte sich bereits in der Sommersession im Juni zum ersten Mal mit der Vorlage befassen.

Neben der SRG, die aktuell 1,2 und ab 2021 1,25 Milliarden Franken vom Gebührentopf erhält, fliessen bis anhin 111 Millionen Franken pro Jahr an die privaten Medien: 81 Millionen an die lokalen Radio- und Fernsehstationen und 30 Millionen in die Postzustellung der Regional- und Lokalpresse.

Mehr profitieren vom Kuchen

Um die Pressevielfalt zu erhalten, soll nun die indirekte Presseförderung auf alle abonnierten Tages- und Wochenzeitungen ausgeweitet werden. Dazu wird die geltende Auflagenobergrenze von 40'000 Exemplaren aufgehoben, sodass neu auch nationale Zeitungstitel von der Unterstützung profitieren können.

Neu sollen zudem auch Zeitungen von der Förderung profitieren, welche zu einem sogenannten Kopfblattverbund mit einer Gesamtauflage von durchschnittlich mehr als 100'000 Exemplaren pro Ausgabe gehören.

Mit den beiden Massnahmen können laut dem Bundesrat künftig rund 35 Millionen Zeitungsexemplare pro Jahr zusätzlich von der indirekten Presseförderung profitieren. Damit auch die weniger auflagenstarken Titel entlastet werden, wird der Bundesbeitrag von heute 30 auf neu 50 Millionen Franken erhöht. Somit werden alle geförderten Titel von einer höheren Zustellermässigung pro Exemplar profitieren.

Nur leserfinanzierte Onlinemedien

Neu sollen auch Onlinemedien förderberechtigt sein. Dafür will der Bundesrat jährlich 30 Millionen Franken allgemeine Bundesmittel zur Verfügung stellen.

Im vergangenen Sommer hatte Medienministerin Simonetta Sommaruga vorgeschlagen, bloss Onlinemedien zu unterstützen, die ihre Inhalte verkaufen. Dieses Modell hat der Bundesrat nun konkretisiert. Unterstützt werden Onlinemedien, die auf Erträge der Leserschaft zählen können. Angerechnet werden Einnahmen aus Onlineabos, Tagespässen oder Einzelabrufen sowie freiwillige Beiträge der Leserschaft.

Die Unterstützung soll sich am Publikumsumsatz bemessen und degressiv ausgestaltet werden. Damit nimmt der Anteil der Unterstützung mit zunehmender Höhe des Umsatzes ab. Dies führt zu einer stärkeren Unterstützung von Medienangeboten mit einer regionalen Ausrichtung.

Gemeinsame Plattform

Daneben will der Bundesrat die Rahmenbedingungen der elektronischen Medien mit verschiedenen weiteren Massnahmen verbessern. Dazu gehört, dass Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, nationale Nachrichtenagenturen oder Selbstregulierungsorganisationen unterstützt werden sollen.

Zusätzlich sieht der Bundesrat vor, dass IT-Projekte unterstützt werden können, vor allem solche, die der ganzen Branche zur Verfügung stehen. Davon profitieren somit unabhängig vom Geschäftsmodell alle Onlinemedien, also auch Gratisangebote. Denkbar wäre zum Beispiel, den Aufbau einer gemeinsamen Plattform zu unterstützen.

Finanziert werden diese allgemeinen Massnahmen mit maximal 2 Prozent aus dem Ertrag der Radio- und Fernsehabgabe. Der Bundesrat betont, dass bei allen Massnahmen die Unabhängigkeit der Medien gewahrt bleibe.

Medienmarkt in der Krise

Am Ausbau der Medienförderung schieden sich in der Vergangenheit die Geister. Verschiedene Reformen fanden keine Mehrheit – sei es in der Regierung, sei es im Parlament. Auch ein provisorisches Notpaket während der Corona-Krise im Umfang von 78 Millionen Franken scheiterte jüngst.

Nun präsentiert der Bundesrat ein neues Modell. Dieses ist für die Branche wichtig. Der Druck auf die Medien ist derzeit grösser denn je. Schon vor der Corona-Krise sanken die Werbeerlöse rasant. Seit der Jahrtausendwende hat die Schweizer Presse mehr als zwei Drittel ihrer Werbeeinnahmen verloren.

Die Pandemie hat die vorhandenen Probleme noch einmal vergrössert. Die Verlagshäuser sehen sich dadurch gezwungen, immer mehr Kosten auf die Abonnenten abzuwälzen sowie Personal abzubauen.

Hängige Motionen

Ob das Medienpaket im Parlament mehrheitsfähig ist, wird sich in den kommenden Monaten weisen. Klar ist, dass die Kommissionen für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF) die Notlage erkannt haben. Sie haben – teilweise mit grossen Mehrheiten – Motionen eingereicht, die Soforthilfe für die Medien fordern.

Unterstützt werden soll die Nachrichtenagentur Keystone-SDA, zudem soll die Zustellung von Zeitungen verbilligt werden. Schliesslich verlangen sie, dass die regionalen Radio- und Fernsehveranstalter mit zusätzlichen 30 Millionen Franken unterstützt werden.

Diese Vorstösse werden voraussichtlich bereits nächste Woche an der ausserordentlichen Session behandelt. Sie sollen die Zeit überbrücken, bis das nun kommunizierte Medienpaket in Kraft tritt.

Positive Reaktionen auf medienpolitisches Paket

Das Paket des Bundesrates zstösst auf breite Zustimmung. Der Verband Schweizer Medien sieht allerdings zwingenden Optimierungsbedarf beim Einbezug der Frühzustellung.

Die vom Leser sehr geschätzte, aber auch sehr kostenintensive, frühmorgendliche Zeitungszustellung dürfe nicht benachteiligt werden und müsse ebenfalls von der Förderung berücksichtigt werden, fordert der Verband Schweizer Medien. Damit könne auch die für den politischen Diskurs wichtige Sonntagspresse berücksichtigt werden. Zur Finanzierung seien zusätzliche 60 Millionen Franken nötig.

Für eine faire Verteilung der Förderung zwischen klein- und grossauflagigen Titeln müsse eine Abstufung der Förderbeiträge an der Schwelle der bisherigen Auflagenobergrenze von 40'000 Exemplaren vorgenommen werden.

Die Corona-Krise habe den Strukturwandel beschleunigt, die Lage sei äusserst ernst. Eine erste Schätzung des Verlegerverbandes lasse einen zu erwartenden Rückgang der Werbeerträge von rund 400 Millionen Franken für das laufende Jahr befürchten. Einige Verlage beklagten ein Wegbrechen der Werbung von bis zu 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahresvolumen.

Weitere Strukturbereinigung befürchtet

Die Massnahmen zur künftigen Medienförderung werden nach Einschätzung des Journalistenverbandes Impressum zwar wichtige Impulse setzen. Alleine könnten sie die Medienvielfalt aber nicht retten. Impressum befürchtet eine zusätzliche Strukturbereinigung nach der Coronakrise und fordert deshalb weiterhin eine wirksame Nothilfe zur Verhinderung einer zusätzlichen Medienkonzentration.

Die Gewerkschaft Syndicom begrüsst das vom Bundesrat konkretisierte Medien-Förderpaket. Die Unterstützung von lokalen und regionalen Online-Publikationen sei richtig, zumal die Online-Medien in der Schweiz mittlerweile entgegen dem Monopolisierungstrend der vier grossen Unternehmen zu publizistischer Vielfalt beitrügen.

Die Medienförderung sollte gemäss Syndicom aber an konkrete Bedingungen geknüpft sein, um ihren Zweck zu erfüllen. So sei die bedingungslose Ausweitung der heute geltenden Posttaxenverbilligung auf Zeitungen mit hoher Auflage, die jährlich einen Milliardenumsatz und Millionengewinne erwirtschafteten, ein Fehler.

Für das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) ist das Massnahmenpaket zugunsten der Medien «endlich ein Lichtstreifen am Horizont». Es bleibe zu hoffen, dass das Parlament sich der Dringlichkeit bewusst sei und mit einem besonnenen Umgang mit dem Massnahmenpaket dazu beitrage, dass die mediale Vielfalt in der Schweiz trotz Covid-19-Pandemie erhalten bleibe.

Vermisst werden Massnahmen zur Stärkung der Medienschaffenden. Die Förderkriterien müssten im Zusammenhang mit redaktionellen Arbeitsplätzen und hervorragenden Arbeitsbedingungen stehen. Auch ein Verbot von Dividendenausschüttung und eine Verpflichtung zu einer funktionierenden Sozialpartnerschaft sieht der SSM als wichtige Massnahmen, um die journalistische Qualität und die Arbeitsbedingungen zu stärken.

SDA

8 Kommentare
    Hemmi Hans

    Wen wundert‘s? Mit Almosen abhängig gemachte Journalisten und Medien dürften noch mehr als jetzt schon richtig, nicht korrekt, berichten. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Das ist wesentlich eleganter als direkte Intervention über Zensur, aber nur ein kleiner Schritt. Qualitäts Medien und Journalisten brauchen diesen Staatsschutz nicht. Förderung schon gar nicht. Aber jedes Volk hat die Regierung und die Medien die es verdient.