Joana Hählen: Zwischen Schmerz und Genuss

Joana Hählens WM-Premiere erfolgt unter suboptimalen Umständen – die Lenkerin spürt nach wie vor die Folgen ihres Sturzes in Lake Louise.

Joana Hählen beim Ski Weltcup in Italien.

Joana Hählen beim Ski Weltcup in Italien. Bild: Keystone

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Hier die Freude, dort der Frust – was überwiegt, weiss Joana Hählen nicht so genau. «Ich bin froh, ist es trotzdem noch aufgegangen», sagt die Berner Oberländerin, welche heute in St. Moritz das erste WM-Rennen in ihrer Karriere bestreiten wird. «Aber klar, in der Abfahrt wäre ich extrem gerne dabei gewesen.»

Ende November hatte sich die Ausgangslage erfreulich präsentiert. Hählen sprach vom guten Gefühl, ohne erwähnenswerte Panne durch die Vorbereitung gekommen zu sein, von regelmäs­sigen Top-15-Klassierungen, die ihr das WM-Ticket bescheren sollten. Der Abschied von den schönen Gedanken erfolgte abrupt, im Höchsttempo, notabene gleich im ersten Rennen.

Die 25-Jährige Lenkerin kam in der Abfahrt von Lake Louise zu Fall, prallte auf die eisige Piste, landete in den Fangnetzen, zum wiederholten Mal. Vor zwei Jahren beispielsweise, als die WM in ­Beaver Creek stattgefunden hatte, war sie mit gerissenem Kreuzband zu Hause vor dem Fernseher gesessen. Hählen misst lediglich 1,57 Meter, ist kräftig gebaut, überaus hart im Nehmen. Ansonsten hätte sie es kaum bis nach St. Moritz geschafft.

Auf der Kippe

Sie erlitt Prellungen, biss auf die Zähne, stand zwei Wochen später wieder am Start, belegte im Super-G von Val d’Isère überraschend Rang 8. An der WM-Norm fuhr sie um fünf Hundertstel vorbei, klassiert war sie dennoch besser als je zuvor. Es schien, als habe sie den Sturz weggesteckt, als würde die Qualifikation für den Saisonhöhepunkt zur Formsache. Der Schmerz jedoch nahm eher zu als ab, insbesondere im Nackenbereich. «Das Ganze hat mich mehr belastet, als ich zuerst wahrhaben wollte. Ich musste pausieren, die Trainingsumfänge reduzieren», hält Hählen fest.

In der Abfahrt von Zauchensee reihte sich die Simmentalerin auf Position 14 ein, in Garmisch-Partenkirchen und Cortina d’Ampezzo kam sie nicht auf Touren. Worauf die WM-Teilnahme auf der Kippe stand, zumal in der Königsdisziplin gleich fünf Kolleginnen die Richtwerte erreicht hatten. Letztlich profitierte Hählen von der Schwäche des Kol­lektivs im Super-G – mit Jasmine Flury steht eine zweite Schweizerin am Start, welche die Kriterien nur zur Hälfte erfüllt hat.

Die Frauenpiste Engiadina ist steiler als die meisten Weltcupstrecken, was Hählen behagt. Illusionen macht sich die Draufgängerin trotzdem keine. «Geniessen, viele Eindrücke aufsaugen, so schnell wie möglich hinunter­fahren», erwidert sie auf die Frage, wie sie ihre WM-Premiere zu gestalten gedenke. Vom Gelingen dieses Unterfangens dürfte auch die Dimension jenes Frustes abhängig sein, welcher aufkommen wird, wenn ihre Kolleginnen am Mittwoch das erste Abfahrtstraining bestreiten.

St. Moritz aktuell

Heute Super-G Frauen (12 Uhr)
Olympiasiegerin 2014: Anna Fenninger
Weltmeisterin 2015: Anna Fenninger
Favoritinnen:
*** Lara Gut, Tina Weirather
** Sofia Goggia, Ilka Stuhec
* Nicole Schmidhofer, Lindsey Vonn
Startliste: 1 Elena Curtoni 2 Francesca Marsaglia 3 Stephanie Venier 4 Sofia Goggia 5 Tina Weirather 6 Corinne Suter 7 Lara Gut 8 Nicole Schmidhofer 9 Ilka Stuhec 10 Tamara Tippler 11 Lindsey Vonn 12 Romane Miradoli 13 Viktoria Rebensburg 14 Laurenne Ross 15 Kajsa Kling 16 Ragnhild Mowinckel 17 Anna Veith 18 Tessa Worley 19 Federica Brignone 20 Joana Hählen 31 Jasmine Flury (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2017, 07:19 Uhr

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