«Es ist der Wahnsinn»

Der ehemalige GC-Junior Tiago Ribeiro sucht das Abenteuer in Indiens neuer Liga.

Wagt den Schritt in die neue indische Liga: Der ehemalige GC-Junior Tiago Ribeiro (22). Foto: freshfocus

Wagt den Schritt in die neue indische Liga: Der ehemalige GC-Junior Tiago Ribeiro (22). Foto: freshfocus

Einst fuhr ihn Ángel di María ins ­Training. Teilte er mit Javi García das Zimmer. Bestritt er mit Benfica Lissabon vor 30 000 Zuschauern ein Testspiel. Dann kehrte Tiago Ribeiro zurück in die Schweiz, GC, sein Ausbildungsclub, sollte der nächste Schritt sein auf dem Weg zur Karriere. Doch es war eine Rückkehr voller Irrtümer: Statt in der Super League spielte er mit der U-21 in der 1. Liga, statt ordentlich verdiente er 800 Franken im Monat, und was er einst als Vorzeigeclub wahrgenommen hatte, war ein einziges Chaos. Nach einer ­Saison dachte er: bloss weg von GC!

Nun geht der ehemalige Schweizer ­Juniorennationalspieler gleich ganz weit weg: nach Indien. Der 22-jährige Stadtzürcher wechselt zum Mumbai City FC in die Indian Super League – sein Berater pflegt seit Jahren enge Kontakte nach Indien. Seit Wochen rüsten die Clubs der neuen Profiliga mit Altstars en masse auf, die dem Fussball im Land des Cricket Schwung verleihen sollen. So werden Ribeiros Teamkollegen in Mumbai Nicolas Anelka, Manuel Friedrich oder Fredrik Ljungberg heissen.

Was wissen Sie von Indien?
Bis vor kurzem nicht viel. Ich habe mich aber informiert. Mumbai ist eine riesige Stadt, sie allein hat ja viel mehr Einwohner als die kleine Schweiz. Viel wird über den Verkehr gesprochen, das wird spannend sein. Mumbai liegt zudem in der Nähe von Goa, das einmal portugiesisch war. Da ich Portugiese bin, nimmt es mich wunder, ob man davon noch ­etwas sieht.

Sind Sie besonders abenteuerlustig?
Vor allem bin ich nicht kompliziert und passe mich gut an. Als ich mit 16 von GC nach Portugal ging, war das auch nicht einfach, trotzdem habe ich es geschafft. Mich interessiert das Neue.

Was wissen Sie vom Stellenwert des Fussballs in Indien?
Die Nationalmannschaft liegt auf dem 150. Platz der Weltrangliste, und hinter Cricket ist der Fussball die Nummer 2.

Ist Ihnen Cricket vertraut?
Überhaupt nicht, es hat zu viele Regeln. Ich werde in Indien wohl einmal ein Spiel besuchen müssen. Bei Cricket­spielen sind die grössten Stadien voll. Hoffentlich beim Fussball bald auch.

Wie lange mussten Sie überlegen, bis Sie zu einem Wechsel ins Fussballentwicklungsland bereit waren?
Nicht lange. Nach dem Jahr bei GC brauchte ich einen Wechsel, sonst hätte ich meine Karriere beendet. Als das ­Angebot kam, habe ich schnell zugesagt. Ich freue mich riesig, am liebsten wäre ich sofort gegangen. Probleme mit dem Visum haben die Abreise aber verzögert.

Welchen Einfluss hatten die ­prominenten Teamkollegen auf Ihre Entscheidung?
Das hat keine grosse Rolle gespielt. ­Natürlich ist es der Wahnsinn, bald mit Anelka im selben Team zu spielen.

Anelka, Friedrich und Ljungberg lassen in Indien ihre Karriere ­ausklingen. Sie sind 22. Was ­bedeutet der Wechsel für Sie?
Es ist ein Schritt vorwärts, ganz klar. Aber was in drei Monaten ist? Das ist nicht wichtig. Ich konzentriere mich jetzt auf meine Aufgabe und will alles ­dafür tun, zu Einsätzen zu kommen. Ich will wieder Freude am Fussball haben.

Lassen Sie sich das Abenteuer vergolden wie die grossen Stars?
Mein Vertrag ist in Ordnung, aber reich werde ich nicht. Das ist aber auch nicht wichtig.

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