Es Burebüebli an der Wolga

«Wo sind die schönen Olgas von der Wolga?»: Ein Schweizer Sportjournalist beklagt sich über Russland und dessen Frauen.

René Weber ist enttäuscht: Der Journalist der «Südostschweiz» im Jahr 2014. Foto Peter Klaunzer (Keystone)

René Weber ist enttäuscht: Der Journalist der «Südostschweiz» im Jahr 2014. Foto Peter Klaunzer (Keystone)

Salome Müller@SalomeMller

Wie gehts Herrn Weber? Man muss annehmen: nicht so gut. René Weber, Leiter Sport der «Südostschweiz», befindet sich zurzeit für die WM in Russland. Bevor er abreiste, wirkte er freudig. Weber hatte eifrig Paninibilder gesammelt und schon im April alle 680 Stück zusammen. Er träumte Sätze lang davon, dass die Schweiz vielleicht die WM gewinnen könnte. Er prophezeite überfüllte Public Viewings und dem SRF «Rekordeinschaltquoten», wenn die Schweiz spielt.

Und er kehrte mit einem sportlichen Gedanken taumelnd zurück in die Realität: «Für ein kleines Land, wie wir es sind, ist es fantastisch und grandios, mit dabei zu sein – am wichtigsten, bedeutendsten und viel beachtetsten Sportanlass überhaupt.» Dabeisein ist alles.

Jetzt ist Weber dabei, aber nichts ist wie erwartet. Seine WM-Kolumne und der Liveticker sind Protokoll einer einzigen Enttäuschung. Eintrag 11. Juni: «Seit 2014 hat der Rubel etwa 60 Prozent seines Aussenwertes verloren. Nichtsdestotrotz hält man in Russland daran fest, will man weder Euro noch Franken akzeptieren.»

Auch das Weib ist nicht verlässlich

14. Juni: «Die aus 33 kyrillischen Buchstaben zusammengesetzte russische Sprache ist ein einziges Fragezeichen. Nicht einmal die Rechnung im Restaurant versteht man. Ob man als WM-Tourist da nicht ‹beschissen› wird?»

Ebenfalls 14. Juni: «Toljattis Einwohner gelten allgemein als wohlhabend. In den Plattenbauten ist davon allerdings nicht viel zu sehen. Der Wasserablauf aus den Mehrfamilienhäusern verläuft zum Beispiel direkt auf die Quartierstrasse. Nennt man das in Russland Luxus?»

Auch das Weib ist nicht verlässlich, wie Weber gleichentags in der Kolumne festhält: «Jeder (Mann) hat schon von der Schönheit der russischen Frauen gehört und bestimmt schon einzelne perfekte Exemplare gesehen. Weltweit gelten Russinnen als das Mass aller Dinge. Entsprechend hoch waren die Erwartungen.» Es kommt, wie es kommen muss – Weber findet die schönen Frauen nicht. «Wo sind die schönen Olgas von der Wolga?», fragt er ernsthaft.

Vielleicht wird das Schweizer Burebüebli ja bald merken, dass es sich nicht an einer Viehschau befindet, und sich wieder auf die «sportlich hohen Erwartungen» konzentrieren. Obwohl da die nächste Enttäuschung auch nicht auszuschliessen ist.

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