«Diesen Moment zu erleben, das ist unglaublich»

Die Schweizer zeigen sich nach dem Brasilien-Spiel glücklich und gelöst. Ganz im Gegensatz zum Trainer der Südamerikaner.

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Thomas Schifferle@tagesanzeiger

Das Spiel ist ein paar Augenblicke erst vorbei, als Steven Zuber kurz nachdenkt, das Gesicht verzieht und sagt: «Ich habe nicht verstanden, warum gemotzt wurde. Es war ein ganz normaler Zweikampf.» Im Strafraum rudere man halt mit den Armen. Der Schweizer Nationalspieler spricht über die Situation vor dem 1:1, vor seinem Kopfball zum 1:1. Der Schiedsrichter wertete ein Stossen des Torschützen in den Rücken von Miranda nicht als Foul, der Referee im Videoraum von Moskau griff auch nicht ein.

Und das alles kann Tite gar nicht verstehen. Der Trainer der Brasilianer ist aufgebracht, als er die Szene bewertet. Er versucht zwar den Anschein zu vermeiden, eine Ausrede für das Resultat zu finden. Aber er ist deutlich in seiner Meinung: «Diese Aktion ist mit nichts zu rechtfertigen. Es ist ein ganz klares Foul.» Ausserdem findet Tite, der Schiedsrichter hätte bei der Szene mit Akanji und Jesus Elfmeter geben können.

Die Szene, die Tite erzürnt: Zuber erzielt das 1:1. Video: SRF

Behrami gibt sich die Note 5

Auf Schweizer Seite sieht es Valon Behrami wie Zuber und will von Foul nichts wissen. «Das Tor war regulär, der Kontakt war nicht stark, und der Gegenspieler stand danach wieder auf seinen Füssen.» Damit ist für ihn die Diskussion beendet. Was sich denn Behrami selbst für eine Note für sein Spiel geben würde, wird er auch gefragt. «Eine 6 nicht gerade», antwortet der Mittelfeldspieler und lacht. Schliesslich habe er in der Offensive ja nicht viel geleistet. Und so einigt sich Behrami mit sich selbst auf die Note 5. Viel wichtiger ist dem Mittelfeldspieler nach dem Match, in dem er Neymar in Schach hielt, aber anderes: dass die Leute in der Schweiz am Montag mit einem Lächeln zur Arbeit gehen.

«Diesen Moment zu erleben, das ist unglaublich», sagt Behrami zum Abend gegen Brasilien. Und er versucht gar nicht erst zu verheimlichen, dass dieser Match einer seiner liebsten sein wird, wenn er später auf seine Karriere in der Nationalmannschaft zurückblickt. Entwarnung gibt er, was seinen Oberschenkel und die Knie angeht. Die Verletzung sei wohl nicht schlimm. Dennoch sei es richtig gewesen, dass Vladimir Petkovic ihn ausgewechselt habe. «Ich war ja auch schon verwarnt.»

Der Spass von Goalie Sommer

Petkovic gefiel, wie die Mannschaft auch nach dem 0:1 und gegnerischen Druckphasen ruhig geblieben ist, wie sie ihren Weg zum Erfolg gefunden hat. Der Trainer sprach von einem «souveränen» Auftritt in der zweiten Halbzeit, gab aber zu: «Wir haben auch etwas Glück gehabt.»

Yann Sommer hielt den Punkt in der Schlussphase mit starken Paraden fest. Brasilien sei eine Weltklasse-Mannschaft, gegen die man konsequent verteidigen müsse. «Es hat Spass gemacht, dem Team zuzuschauen», sagte Sommer. Klingt nach einem gemütlichen Abend. War es aber nicht.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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