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Ein Denkzettel zur rechten Zeit

Der Doppeladler-Jubel hat keine frappanten Folgen. Die Fifa tut sich damit selbst einen Gefallen.

Shaqiris Siegtor und der Doppeladler-Jubel der Schweizer. Video: SRF

Die Spieler glaubten, nichts Falsches gemacht zu haben. Sie jubelten, zeigten den Doppeladler und zeigten so ihre Gefühle, kaum hatten sie am vergangenen Freitag ihre Tore zum Sieg gegen Serbien erzielt.

Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner, ihr unerwarteter Verbündeter an der Adlerfront, wussten in diesem Moment nicht, was sie damit auslösen würden: die emotionalen Wertungen ihrer Aktion, die Interpretationen ihrer Gesten, die Fragen, wie sie nun zur Schweiz stehen. Dabei ging es immer um Xhaka und Shaqiri, die mit ihren Gefühlen noch immer auch im Kosovo sind.

Nach Xhakas Ausgleich gegen Serbien begann die Doppeladler-Geschichte. Video: SRF

Vor allem ahnten sie eines nicht: dass die Fifa wegen ihres Torjubels ein Disziplinarverfahren einleiten würde. Sie glaubten sich im Recht und konnten sich nicht vorstellen, dafür folgenschwer bestraft zu werden, sie sagten, wir haben doch nichts Unrechtes getan.

Jede Geste, jeder Jubel, jede Handlung hätte überprüft werden müssen

Am Montagabend bekamen sie die beruhigende Nachricht, dass sie vom Weltverband nicht gesperrt werden. Der Entscheid soll nicht weiter überraschen: Er ist der einzig richtige in dieser Angelegenheit.

Wo führt es sonst hin, wenn jede Geste, jeder Jubel, jede Handlung während eines Fussballspiels auf ihre rechtliche Zulässigkeit und emotionale Lauterkeit überprüft wird! Was passiert zum Beispiel, wenn einer mit dem ausgestreckten rechten Zeigefinger jubelt? Gehört er dann zum so genannten Islamischen Staat, nur weil der dieses Zeichen als Symbol für sich verwendet? Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel feiert seine Siege immer auf diese Art. Darum: Die Fifa hätte mit einer schweren Sanktion gegen das Schweizer Trio Tür und Tor geöffnet für eine mögliche Flut an Sperren.

Ein Denkzettel für Xhaka und Co.

Dass eine Strafe der Fifa drohte, ist allerdings ganz gut für Xhaka und Co. Vielleicht sehen sie das als Denkzettel und schaffen es künftig, ihre Emotionen so zu kontrollieren, dass sie nicht gleich eine ganze Expedition gefährden. Ihr Verhalten war jedenfalls ein Bruch mit der vier Jahre alten Zusicherung, auf den Doppeladler zu verzichten, nachdem es damals ähnliche Vorfälle gegeben hatte.

Am Dienstag fliegen die Schweizer zu ihrem letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica. Sie sagen, ihr Zusammenhalt habe wegen des Vorfalls nicht gelitten, im Gegenteil: Er sei sogar noch besser geworden, sie seien noch enger zusammengerückt. Am Mittwoch können sie beweisen, dass das nicht nur Gerede ist.

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