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Berndeutsch für Fortgeschrittene 14«Gaffee»

Unsere Kolumnistin hat manchmal Mühe, sich verständlich zu machen. Sie fragt sich: Liegt es an ihr oder an den anderen? Weder noch.

Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
Berndeutsch lernen – gar nicht so einfach für eine Ostschweizerin!
Logo: Layout Tamedia

Es gibt Tage, an denen fühle ich mich als Ostschweizerin in Bern sprachlich eingeschränkt. Das sind die Tage, an denen mehrmals jemand auf eine Aussage meinerseits mit einem «Hä?» reagiert. Dieser Ausdruck des Unverständnisses ist übrigens im Thurgau tabu. Er gilt als Anzeichen schlechter Kinderstube. Wir orientieren uns an den Deutschen und sagen ganz formell: «Wiä bitte?»

Trotzdem überlege ich nach solchen Reaktionen, ob ich wohl zu leise rede, ob ich nuschele oder ob ich sonstwie an einem Sprachfehler leide. Aber ich glaube, in der Regel liegt es einfach daran, dass meine Sprachmelodie völlig anders ist als diejenige der Bernerinnen und Berner. Dafür spricht, dass manche Leute sagen, sie hätten Probleme, «meinen Akzent» zu verstehen. Kann den Betroffenen bitte mal jemand auf der Landkarte zeigen, dass der Thurgau noch in der Schweiz liegt?

Weil ich um die häufigen Kommunikationsschwierigkeiten weiss, gebe ich mir insbesondere mit älteren Leuten auf dem Land Mühe. Ich bestelle dann in der Beiz meinen Tee übertrieben deutlich und langsam: «E-s M-ü-n-z-e-t-e-e, bitte». Mein Mann flüstert mir in solchen Momenten peinlich berührt zu: «Du musst mit den Leuten nicht reden, als seien sie geistig zurückgeblieben!»

Sie sehen, es ist gar nicht so leicht: Entweder gibt man anderen das Gefühl, man schätze sie als etwas schwer von Begriff ein, oder man ist selbst diejenige, die sich nur im zweiten Anlauf verständlich machen kann. Deshalb geniesse ich es, wenn wir mal ein paar Tage in der Ostschweiz verbringen.

Dann bestelle ich im Restaurant einen «Pfeffermünz-Tee» und mein Mann fragt nach einem «Gaffee». Die Reaktion ist jedes Mal die gleiche: Kopfnicken bei mir, Zögern bei meinem Mann, gefolgt von der Nachfrage: «Sie meinät: än Kafi?» Dann weiss ich: Es kann jeden treffen. Es kommt nur darauf an, wem gerade die Rolle des Exoten zufällt.

Die Kolumne ist Ende 2018 in dieser Zeitung erschienen. Wir veröffentlichen sie hier zum Nachlesen.

1 Kommentar
    Esther Lemcke

    Ihre Erfahrungen trösten mich. Mein St. Galler Dialekt wird in der Stadt Bern auch nicht immer verstanden. Ab und an kommt es sogar vor, dass mein Gegenüber dann Hochdeutsch mit mir spricht, was dann wiederum mich peinlich berührt.