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Cannabis-VersucheGras aus der Apotheke, zweiter Anlauf

Wohl 2022 dürfte in der Stadt Bern der wissenschaftliche Versuch zum Cannabis-Verkauf in Apotheken starten. Die Referendumsfrist gegen den Experimentierartikel läuft ab.

Nach mehrjährigem Umweg dem Ziel, dass Versuche mit Cannabis-Verkauf in der Apotheke möglich werden, einen Schritt näher: Franziska Teuscher.
Nach mehrjährigem Umweg dem Ziel, dass Versuche mit Cannabis-Verkauf in der Apotheke möglich werden, einen Schritt näher: Franziska Teuscher.
Foto: Nicole Philipp

In der Herbstsession 2020 hatten die Eidgenössischen Räte den Experimentierartikel im Betäubungsmittelgesetz genehmigt, am Donnerstag läuft nun auch die Referendumsfrist gegen ihn ab. Das bedeutet, dass wissenschaftlich begleiteten Pilotversuchen zur kontrollierten Abgabe von Cannabisprodukten in Apotheken nun juristisch definitiv nichts mehr im Weg steht – im zweiten Anlauf.

Vor drei Jahren scheiterte die Universität Bern bereits mit einem solchen Versuch, an dem sich neben der Stadt Bern auch Biel, Zürich und Luzern beteiligen wollten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kam als Bewilligungsbehörde zum Schluss, dass dafür die gesetzliche Grundlage fehle.

Die Berner Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB), Vorsteherin der Direktion für Bildung, Soziales und Sport (BSS), blieb stets eine vehemente Befürworterin von städtischen Cannabis-Versuchen als Basis für eine liberalere Drogenpolitik. Nach dem Umweg über den Experimentierartikel scheint nun das Ziel in Griffnähe. Sven Baumann, Generalsekretär der BSS, rechnet damit, dass der Experimentierartikel im Mai oder Juni in Kraft tritt, wie er auf Anfrage sagt. Fachleute der Stadt sowie des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern seien mit intensiven Vorarbeiten beschäftigt, damit man ungefähr im Juli erneut mit einem Gesuch ans BAG gelangen könne.

Baumann geht davon aus, dass sich das Studiendesign eng an dasjenige von 2017 anlehnt, weil das BAG ja nicht den Inhalt des Versuchs, sondern die fehlende Rechtsbasis bemängelt hat. Geplant ist, dass erwachsene, erfahrene Cannabis-Konsumenten, ausgestattet mit einem Ausweis der Universität, in ausgewählten Apotheken Cannabis kaufen können. Die Forscher wollen so herausfinden, wie sich ein geregelter Zugang zu Cannabis auf das Verhalten und die Gesundheit von Konsumenten auswirkt.

1 Kommentar
    Hans Klarer

    Mein Anglerkollege ist Psychiater. Er sagt wenn Cannabis legalisiert wird kauft er sich einen Ferrari.

    Und er muss Personal einstellen. Liberale Drogenpolitik schafft auf einer Seite Arbeitsplätze auf der anderen Seite Leiden.