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Stabübergabe im Berner GemeinderatGummistiefel für die neue «Outdoor-Direktorin» Marieke Kruit

Die abtretende SP-Gemeinderätin Ursula Wyss hat ihre Direktion am Montag symbolisch an ihre Nachfolgerin Marieke Kruit übergeben.

Gut gerüstet fürs neue Amt: Marieke Kruit (links) erhält Gummistiefel von ihrer Vorgängerin Ursula Wyss.
Gut gerüstet fürs neue Amt: Marieke Kruit (links) erhält Gummistiefel von ihrer Vorgängerin Ursula Wyss.
Foto: Nicole Philipp

Da stehen sie nun, draussen im Schnee, vor der Stadtgärtnerei Elfenau: zur Rechten die abtretende Gemeinderätin Ursula Wyss (SP), zur Linken ihre Parteikollegin und Nachfolgerin in der städtischen Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün (TVS) Marieke Kruit. Es ist der Zeitpunkt der offiziellen Stabübergabe – eine Formalität eigentlich, die jedoch stets mit einer gewissen Symbolik inszeniert wird.

Posieren für die Fotografen, kurze wohlwollende Worte, heitere Stimmung – auch am Montagmorgen wird nicht vom gewohnten Drehbuch abgewichen. Wobei, aussergewöhnlicher als sonst ist der Anlass dennoch. Eigentlich hätte der Termin bereits früher über die Bühne gehen sollen, doch weil just am Tag zuvor Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) und Franziska Teuscher (GB) eine Corona-Ansteckung bekannt geben mussten, wurde die Übergabe kurzerhand verschoben. Das Testergebnis von Ursula Wyss war zwar negativ, doch man wollte auf der sicheren Seite sein.

Gummistiefel und Velohelm

Doch Corona ist nicht der einzige Grund, warum Ursula Wyss die Stabübergabe nicht in ihrem Büro im Hirschengraben, sondern bei der Stadtgärtnerei Elfenau durchführen wollte. Viele Mitarbeitende der TVS seien tagtäglich draussen im Einsatz, um dort zu bauen, zu pflanzen oder zu entsorgen, meint die abtretende SP-Gemeinderätin und fügt an: «Die TVS ist eine Outdoor-Direktion.»

Passend dazu fällt auch das Präsent aus, das Marieke Kruit von ihrer Vorgängerin erhält: ein knallgelbes Paar Gummistiefel. Einen Velohelm gibts obendrauf. Auch hier steckt Symbolik dahinter, so ist Ursula Wyss doch reihum für ihre Veloförderung bekannt. Der Helm leuchtet golden, «weil man sich in Sachen Veloförderung mit den Besten messen sollte», erklärt die Frau, welche die städtische Verkehrspolitik in den letzten acht Jahren geprägt hat.

Auch einen goldenen Velohelm gabs von der abtretenden Verkehrsdirektorin.
Auch einen goldenen Velohelm gabs von der abtretenden Verkehrsdirektorin.
Foto: Nicole Philipp/Tamedia AG

«Es fühlt sich sehr gut an, kann ich die Direktion Marieke Kruit übergeben», sagt eine aufgeräumte und gut gelaunte Ursula Wyss nach dem offiziellen Teil des Termins. Noch bis Silvester arbeitet sie – allerdings nur noch im Stand-by-Modus. Am 4. Januar ist Marieke Kruits erster offizieller Arbeitstag. Erste virtuelle Sitzungen mit Mitarbeitenden hätten schon stattgefunden, so Kruit.

Die Hoffnung der Wirtschaft

«Ich trete in grosse Fussstapfen», sagt die Neo-Gemeinderätin, Ursula Wyss habe «unglaublich viel bewirkt in der Stadt». Das hat zum einen mit dem Wesen der Direktion mit 750 Mitarbeitenden zu tun, die viel Raum für Gestaltung bietet. Andererseits auch mit dem anpackenden Naturell von Wyss. Dass sie hie und da mit Verkehrsberuhigungen und Parkplatzreduktionen zu forsch vorging, bemängelten namentlich Wirtschaftsverbände. In jenen Kreisen setzt man Hoffnungen in Kruit. Diese arbeitete bis zur Amtsübernahme als Chef-Psychologin am Spital Oberaargau und soll nun das angespannte Verhältnis zwischen Regierung und Gewerbe verbessern.

Eine erste Gelegenheit bietet sich Kruit etwa bei der Zeughausgasse. Vor knapp drei Jahren gab die Stadt bekannt, den westlichen Teil davon in eine Flanierzone verwandeln zu wollen. Doch die Pläne kamen ins Stocken. Das hat auch mit dem geplanten und ebenso verzögerten Umbau der Migros Marktgasse zu tun. Die Migros Aare schob vor Jahresfrist der Stadt den Schwarzen Peter zu. Sie machte Probleme mit der Anlieferung und den Parkierungsmöglichkeiten geltend. Die Stadt wies die Kritik vehement zurück. Laut Ursula Wyss sind mit der Migros Aare mittlerweile wieder Gespräche aufgenommen worden. Man wolle dem Unternehmen nach wie vor eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Anlieferung ermöglichen.

Klamme Finanzen als Bremse

Bei anderen laufenden Grossprojekten wird Kruit wegen der klammen Finanzsituation nicht umhinkommen, nochmals über die Bücher zu gehen. So etwa bei der Neugestaltung des Helvetiaplatzes, bei der mit Kosten von 20 bis 30 Millionen Franken gerechnet wird. Da vorerst lediglich ein Projektierungskredit vorliegt, ist es laut Wyss ein Vorhaben, «das einigermassen problemlos aufgeschoben werden kann». Gleiches gilt für die angedachte Velobrücke zwischen Lorraine und Länggasse. «Man muss keine Hellseherin sein, um zu erkennen, dass dieses Projekt wegen der Finanzlage in nächster Zeit wohl nicht Priorität hat», so Wyss.

Die beiden SP-Vertreterinnen wollen am Montag ihre Direktion nicht zu einseitig auf Verkehrsthemen reduziert sehen. Wyss betont, dass etwa die definitive Einführung des Farbsack-Trennsystems bei der Abfallentsorgung ihre Nachfolgerin noch beschäftigen werde. Dazu werde zurzeit die Abstimmungsbotschaft erarbeitet. Kruit nimmt den Ball auf und meint: «Das Thema liegt mir sehr am Herzen.» Sie werde es mit Freude vorantreiben.

3 Kommentare
    Neutrale Meinung

    Ich hätte Herrn Bernhard Eicher lieber an Marieke Kruit's Stelle gewünscht, weil Er meine Meinung neben Herrn Reto Nause am besten vertritt.

    Meines Erachtens ist es aber selbstverständlich, dass ich auch Marieke Kruit ganz viel Kraft und Erfolg an ihrer Stelle als Gemeinderätin wünsche :)