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Sunny side upHaben Sie schon mal von veganem Eiertütschen gehört?

Warum sich unsere Autorin ein Leben als Veganerin nicht vorstellen kann.

Mein liebster Brauch: Eiertütschen.
Mein liebster Brauch: Eiertütschen.
Foto: Getty Images/iStockphoto

An Tagen wie diesen, also wenn sich in der Küche alles um Ostern dreht, um den Zopf am Ostersonntagmorgen, Schoggihasen, Osterflädli und Zuckereili, ja, dann bin ich immer sehr froh, dass ich nicht Veganerin bin. Obwohl ich mir das ja ab und zu überlege, das mit dem Vegansein. Ich stelle mir gerne vor, ganz rein zu sein, im Sinne von: Nie mehr müsste ich ein schlechtes Gewissen gegenüber Tieren haben, nicht mal den Bienen gegenüber, die Honig produzieren für uns gierige Menschen. Nie mehr müsste ich überlegen, wie der Büffel wohl gehalten worden ist, wenn ich Mozzarella di Bufala zupfe für die Insalata caprese. Oder nachprüfen, ob der Käse auch wirklich aus meiner Region kommt, der Schweiz im Mindesten. Und das Klima, vergessen wir das Klima nicht.

Aber eben. In den Wochen vor und vor allem nach Ostern weiss ich jeweils sehr genau, warum ich niemals Veganerin werden kann. Und es sind nicht die gesundheitlichen Bedenken, die ich habe. Es ist wegen dem Eiertütschen. Hauptsächlich. Und natürlich auch ein wenig ob dem Pseudo-Mozzarella, der gar keiner ist, sondern eine Pampe auf Cashewbasis, versetzt mit Flohsamenschalenpulver und irgendwelchen pflanzlichen Säurenund mit dem hochklassigen Bufala nichts gemein hat. Aber dasalso Imitate von tierischen Produktenist ein anderes Thema. Für Eier gibt es keinen Ersatz (nein, das «Rührei» aus Tofu, der mit Kurkuma eingefärbt wird, zählt nicht, ich bitte Sie, das ist ein Witz).

Die Küche ohne Ei: Ein Jammertal

Fleisch esse ich ja schon lange nicht mehr, warum auch. Ich wurde einst Vegetarierin, weil mir die Tiere leidtaten. Die Sorge ums Klima kam später dazu, obwohl ich mit 13 schon wusste, dass Kühe zu viel furzen und das ziemlich schädlich für die Umwelt ist, damals ging es aber mehr ums Waldsterben. Und, darauf will ich hinaus, natürlich kann ich als jemand, dem das Wohl der Tiere so sehr am Herzen liegt, niemals darüber nachdenken, was ein Ei eigentlich ist. Ich habe eine 30-jährige Übung darin, das zu verdrängen.

Denn was wäre meine Küche ohne Ei? Ein Jammertal. Was würde ich auf die Schnelle zubereiten, wenn der Kühlschrank wieder mal leer ist (und das ist er oft)? Wenn nicht ein Spiegelei. Sunny side up am liebsten, also ohne es in der Pfanne zu wenden, das hebt die Laune und sieht schön aus. Womit würde ich die Eier tütschen (und gewinnen, kennen Sie den Trick, den Griff kurz vor dem Zusammenstoss zu lockern?), wenn wir Ostern dann im Juni irgendwann nachholen? Ein Ei geht immer. Zum Zmorge, zum Zmittag, zum Zvieri, Sie wissen schon. In so vielen Variantenals Bärlauchomelette, in Form von russischen Eiern, Zitronenmayonnaise oder, für Karnivoren: als Scotch Eggs, das ist diese so cool ausschauende Picknickvariation, die am einfachsten mit Eier im Hackmantel zu umschreiben ist. Und dann auch pochierte Eier, gefüllte, weich gekochte.

Schweizer Hennen legten 2019 mehr als eine Milliarde Eier, der statistische Verbrauch pro Kopf lag bei 184,4 Stück. Das ist ein halbes Ei pro Tag, das wir durchschnittlich verdrücken, bei mir kommt das ungefähr hin. Und istnach heutigen Erkenntnissencholesterintechnisch absolut kein Problem.

Was ich jedoch nicht wegdenken kann und auch nicht will, ist die Herkunft eines Eis. Dass Legehennen nur etwas mehr als ein Jahr leben, ist bekannt, dass Millionen von männlichen Eintagsküken vergast werden, auch. Und dass die Zustände für Geflügel, abgesehen von solchen auf dem Biohof, schlecht sind, ebenfalls. Ich habe das Glück, Eier von einem kleinen Hof zu beziehen, der Hühner rettet, bevor sie getötet werden. Diese Möglichkeit haben nicht alle, schon klar. Sich Gedanken darüber machen aber schon, und dann auch handeln (zum Beispiel mit Demeter-Eiern, bei denen auch die Hähne leben dürfen, oder einer Patenschaft beim Pilotprojekt meinhuhn-meinei.ch, das mit Hühnern «kurz vor der Pension» arbeitet). Kurz, wie es der österreichische Sänger Marco Michael Wanda einst lapidar ausdrückte: «Lass dir ein paar Eier wachsen! Das ist eine Frage des Willens.»

10 Kommentare
    Joe Steiner

    Ich empfehle die Doku „what the health“ auf Netflix zu schauen - da kriegt man richtig Lust auf Eier zu verzichten.