Harijs, der Partykiller

Bis im Frühjahr war Harijs Witolinsch Headcoach des HC Davos. Nun ist er bei Spartak Moskau vom ewigen Assistenten zum Chef aufgestiegen. Unfreiwillig. Und mit unerwartetem Erfolg.

Von Davos nach Moskau und dort plötzlich der wichtige Mann an der Bande: Harijs Witolinsch.

Von Davos nach Moskau und dort plötzlich der wichtige Mann an der Bande: Harijs Witolinsch.

(Bild: Keystone Gian Ehrenzeller)

Es war wieder angerichtet in der Arena KRK Uralez. Awtomobilisk Jekaterinburg empfing Spartak Moskau – was sollte da schon schiefgehen? Schliesslich reiste Spartak als Team in der Krise mit erst sechs Punkten und zuletzt drei Niederlagen in Folge an. Die «Automobilisten» dagegen hatten ihre ersten acht Spiele in der KHL-Saison gewonnen.

Für das Team aus dem Ural war einzig die Höhe des neunten Sieges ein Fragezeichen. Die Prominenz wurde zu einer weiteren Jubelfeier geladen. In der VIP-Box sassen Jewgeni Kujwaschew, Gouverneur der Region Swerdlowsk, und Russlands Sportminister Pawel Kolobkow. Sie beklatschten Pawel Dazjuk, der für das wohl letzte Jahr seiner grossen Karriere zu seinem Stammclub zurückgekehrt war.

Und dann genügten Spartak Moskau 40 Sekunden, um zum Partykiller zu werden.

Immer der gleiche Chef

Jeweils bei 19:59, 20:20 und 20:39 stoppte die Matchuhr wegen eines Spartak-Goals. Bis zum Ende wurde aus dem 1:3 ein 2:4. Die Erfolgsserie Jekaterinburgs war zu Ende. Und Spartak-Headcoach Harijs Witolinsch sagte: «Das war unser bisher bestes Saisonspiel.» Witolinsch als Headcoach? Der 51-jährige Lette hatte als Cheftrainer vom 20. Dezember 2018 bis zum Playout-Final gegen die Rapperswil-Jona Lakers den HC Davos geführt.

Aber weiter im Osten war er seit 2004 nur als Assistent unterwegs. Und sein Chef in den letzten 15 Jahren war immer der gleiche: Oleg Snarok. Das Duo arbeitete in der lettischen oder russischen Nationalmannschaft, bei Dynamo Moskau oder MWD Balaschicha stets in gleicher Rollenverteilung zusammen.

Spartak-Vertreter fanden die Davoser Trophäe in einer staubigenAbstellkammer

Als Snarok nach einem Jahr Pause im Herbst Spartak Moskau übernahm, war für den 56-Jährigen klar, dass er Witolinsch erneut als seinen Assistenten holt. Was damals schon auffiel: Snarok hatte abgenommen. «Während der Pause vermisste ich das Eishockey, als ich wieder mit der Arbeit begann, hätte ich gern wieder eine Pause gehabt», sagte er bald.

Am 14. September, bei der 0:1-Niederlage gegen Sotschi, stand er zum vorläufig letzten Mal an der Spartak-Bande. Snarok fühlte sich schwach. Der 51-jährige Witolinsch stieg zum Chef auf, Snarok liess sich zuerst in Moskau, dann in Wien untersuchen. Eine Immunschwäche wurde diagnostiziert, der impulsive Trainer erhielt den Ratschlag, eine Ruhepause einzu­legen. Witolinsch dürfte nocheinige Wochen die ungewohnte Rolle als Spartaks Hauptverantwortlicher ausüben.

Spengler-Pokal ist zurück

Er führt eine Mannschaft mit bewegter Geschichte. Und noch immer fehlt die neue Heimat. Spartak teilt sich die VTB-Arena mit dem ZSKA Moskau.

Im neuen Stadion richtete Spartak ein Museum ein. Und irgendwie muss es mit der Ankunft von Witolinsch zusammenhängen, dass dort seit diesem Sommer eine Trophäe des Spengler-Cups zu bewundern ist. Spartak gewann das Davoser Turnier 1980, 1981, 1985, 1989 und 1990. Und wer fünfmal siegt, darf den Pokal mit nach Hause nehmen. Doch kaum war Spartak Anfang 1991 wieder zurück in Russland, war das Objekt der Begierde verschwunden.

Der Schuldige hiess Gennadi Krause. Er war Chef des Autokombinats Nr. 1 und Anhänger von Spartak. Von 1993 bis 1999 amtete er gar als Präsident. Und er sorgte dafür, dass die prestigeträchtigsten Pokale und Medaillen in seiner Fabrik standen. Nach Krauses Tod gerieten die wertvollen Stücke in Vergessenheit. Bis sich in diesem Sommer Spartak-Vertreter in den ehemaligen Gebäuden umsehen durfte. Sie wurden in einer staubigen Abstellkammer fündig.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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