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Neue Temperatur-RekordeHitze-Brände in der Arktis

Mit Temperaturen von bis zu 30 Grad Celsius ist es in Sibirien viel zu warm, der Permafrostboden taut. Auch die Umweltkatastrophe bei Norilsk könnte damit zutun haben.

Tauender Boden dürfte auch zur Umweltkatastrophe in der Nähe der Stadt Norilsk beigetragen haben, wo ein Dieseltank zusammenbrach und 21’000 Tonnen Treibstoff in die Natur entliess.
Tauender Boden dürfte auch zur Umweltkatastrophe in der Nähe der Stadt Norilsk beigetragen haben, wo ein Dieseltank zusammenbrach und 21’000 Tonnen Treibstoff in die Natur entliess.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Schaut man auf die weltweiten Temperaturkarten der Nasa, ist Sibirien seit Monaten auch für Menschen mit lückenhaften Geografiekenntnissen leicht zu finden. Es ist meist tiefrot eingefärbt – das steht für «viel zu warm». Für Nischnjaja Pjoscha etwa, im Nordwesten Sibiriens nahe der Barentssee-Küste gelegen, meldete der Wetterdienst der BBC kürzlich eine Temperatur von 30 Grad Celsius – dabei liegt der Ort innerhalb des Polarkreises. Sibirien ist von einer Hitzewelle erfasst, die überhaupt nicht mehr aufhören will.

Es gibt immer wieder enorme Temperaturschwankungen in der Arktis; Ausreisser nach oben oder unten gab es in Sibirien auch früher schon. Ungewöhnlich ist aber, dass das warme Wetter so lange andauert. Seit Januar ist es in der Region immer wieder ungewöhnlich mild, wie der EU-Klimadienst Copernicus berichtet. Im vergangenen Monat, auch weltweit der wärmste je gemessene Mai, stach Sibirien noch einmal besonders heraus.

Klimakrise verändert Landschaft

In einzelnen Gegenden war es bis zu zehn Grad Celsius wärmer als üblich, über ganz Westsibirien war es laut den Copernicus-Daten rund fünf Grad zu warm. Das sind auch deshalb schlechte Nachrichten, weil es dazu führt, dass der Permafrostboden taut. Langfristig könnten so grosse Mengen des starken Klimagases Methan frei werden. Der tauende Boden dürfte auch zur Umweltkatastrophe in der Nähe der Stadt Norilsk beigetragen haben, wo ein Dieseltank zusammenbrach und 21'000 Tonnen Treibstoff in die Natur entliess.

Die Erwärmung durch die Klimakrise, die in der Arktis besonders schnell abläuft, verändert die Landschaft. So breitet sich der Sibirische Arvenspinner durch die Wärme offenbar bedrohlich nach Norden aus, ein Schädling, der Nadelwälder befällt. Und auch Wald- und Tundrabrände nehmen zu. Schon im vergangenen Jahr hat es innerhalb des Polarkreises so viel und heftig gebrannt, wie es nie zuvor erfasst wurde.

«Es sind noch einige Wochen bis zum erwarteten Maximum der Feueraktivität.»

Mark Parrington, Wissenschaftler im Copernicus-Programm

In diesem Jahr scheint sich das Muster zu wiederholen: Erneut ging die von Satelliten gemessene Feueraktivität innerhalb des Polarkreises schon Anfang Juni steil nach oben, auch wenn sie bislang noch hinter den Rekorden von 2019 zurückbleibt. «Man sollte aber beachten, dass es noch früh im Sommer ist, es sind noch einige Wochen bis zum erwarteten Maximum der Feueraktivität», sagt Mark Parrington, Wissenschaftler im Copernicus-Programm beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF). Einige der Brände könnten Relikte des vergangenen Jahres sein: überwinternde Feuer, auch «Zombie-Brände» genannt, die im Torfboden unterirdisch schwelen, um neu auszubrechen, sobald Schnee und Frost verschwunden sind.

«Dass Feuer im Boden überwintern, ist ein normaler Vorgang», sagt Brandexperte Alexander Held vom European Forest Institute. «Aber solche Brände sind sehr unangenehm: Sie sind schwer zu löschen und setzen viele Schadstoffe frei.» Besorgniserregend sei aber vor allem, dass es inzwischen sowohl in Sibirien als auch in Teilen Alaskas und Kanadas in Landschaften Feuer gibt, die früher so gut wie nicht brennbar waren. «Dabei wird jahrhunderte-, vielleicht jahrtausendealter Kohlenstoff freigesetzt, der nur sehr langsam wieder gebunden werden kann», sagt Held.

40 Kommentare
    H. Thaler

    @Thomas Jobs

    Zitat: ". . . welche ja sowieso Forschung und Entwicklung betreiben . . .". Unter "normalen" Umständen, also ohne den massiv gepushten Klimahype, wären es natürlich sehr viel weniger. Sie hätten bei Studienbeginn andere Fächer gewählt und später der Menschheit wahrscheinlich einen grösseren Dienst erwiesen. Aber nach dem Corona-Desaster werden ja sowieso weniger Gelder zur Klimaforschung fliessen, zum Glück.