Zum Hauptinhalt springen

Kolumne NachspielIch habe Marisa Tomei zugewinkt – und war dann sprachlos

Aussetzer bei einem Interview sind peinlich. Besonders, wenn auf Zoom alle zuschauen.

Marisa Tomei erhielt schon 1993 einen Oscar für «My Cousin Vinny». Jetzt brilliert sie als Mama in der traurigen Komödie «The King of Staten Island».
Marisa Tomei erhielt schon 1993 einen Oscar für «My Cousin Vinny». Jetzt brilliert sie als Mama in der traurigen Komödie «The King of Staten Island».
Foto: Mark Sagliocco (WireImage)

Die Sekunden verstreichen, eine, zwei, drei, zehn, zwölf. Alle schauen mich an, auch Marisa Tomei, die Schauspielerin, die einst einen Oscar gewann für ihren fulminanten Auftritt in «My Cousin Vinny». Ich sollte ihr eine Frage stellen, aber es fällt mir nichts ein, ich bin verwirrt. Fünfzehn, siebzehn, zwanzig …

Normalerweise finden solche Gruppeninterviews mit Hollywoodstars in einem Hotel in London oder Berlin statt. Man sitzt mit Journalisten aus aller Welt am Tisch, muss sich durchsetzen, wenn man etwas wissen will, zur Not die andern niederschreien. Aber in diesen Corona-Zeiten sind auch diese Interviews auf Zoom verlegt, jeder sitzt zu Hause, vor dem Computer. Und ein Moderator schaut, dass alle ihre Fragen stellen können. «Winkt einfach, wenn ihr das Wort ergreifen wollt», hat er gesagt.

Fernsehen mit dem Filmsohn Pete Davidson: Marisa Tomei in einer Szene aus «The King of Staten Island».
Fernsehen mit dem Filmsohn Pete Davidson: Marisa Tomei in einer Szene aus «The King of Staten Island».
Foto: PD

Die Interviews mit den Protagonisten des Films «The King of Staten Island» sind schon fast vorbei, aber – das passiert auch in den Hotels – der Star hat sich verspätet. «Marisa ist in einer Stunde so weit», heisst es, und dann: «Ganz sicher in 90 Minuten.» Und weil Frau Tomei wirklich wunderbar spielt, warten wir alle brav in unseren Stuben vor dem Computer, obwohl es wegen der Zeitverschiebung bereits lange nach ein Uhr nachts ist.

Ich will mich nicht blamieren, bin aber in Gedanken beim Sohn. Mir fällt nichts ein.

Dann endlich, Marisa Tomei ist da, grüsst aus Los Angeles. Die Fragerei beginnt. Da öffnet sich plötzlich die Tür unserer Wohnung, der Sohn kommt heim. «Was, der ist so spät noch unterwegs, frage ich mich und winke ihm zur Begrüssung zu. Sofort tönt es aus dem Computer: «Matthias, next question!» Aber ich bin abgelenkt, weiss nicht einmal, was die Person vor mir gefragt hat. Ich will mich nicht blamieren, bin aber in Gedanken beim Sohn, mir fällt nichts ein. Grosse Leere. Und die Sekunden verstreichen.

Nach einer Ewigkeit kann ich mich sammeln. Und auf einen Vorteil dieser Zoom-Konferenzen zurückgreifen. «Sorry, ich hatte ein technisches Problem», murmle ich, bevor ich die Frage stelle. Später schaue ich auf der Tonbandaufnahme nach, wie lange die Ewigkeit dauerte. Es waren 23 Sekunden, die längsten in meinem Leben.

Mehr zu Marisa Tomei und dem ausgezeichneten Film «The King of Staten Island» gibt es hier.

2 Kommentare
    Heinz Fahrer

    Matthias, ich fühle mit dir!