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Stadtberner Schulen«Kein Kind wird unbetreut bleiben»

Für rund 10’000 Schulkinder und ihre Eltern in der Stadt Bern ändert am Montag der Alltag, weil die Schulen geschlossen sind. Die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher erklärt, was die Umstellung bedeutet.

Es brauche ein paar Tage Organisationszeit, bis der Schulbetrieb auf die Corona-Ausnahmesituation eingestellt ist: Die städtische Schuldirektorin Franziska Teuscher (Grünes Bündnis).
Es brauche ein paar Tage Organisationszeit, bis der Schulbetrieb auf die Corona-Ausnahmesituation eingestellt ist: Die städtische Schuldirektorin Franziska Teuscher (Grünes Bündnis).
Foto: Adrian Moser

Frau Teuscher, schaffen die städtischen Schulen übers Wochenende die Umstellung auf den Corona-bedingten Notbetrieb ohne Präsenzunterricht?

Franziska Teuscher: Es ist natürlich ein immenser Kraftakt. Seit Inkrafttreten des Epidemiengesetzes 2012 bestehen Organisation und Kommunikationskanäle, auf die wir jetzt zurückgreifen können. Aber das ist nun ein Realitätstest, den noch niemand erlebt hat und der viel Flexibilität und Improvisationsbereitschaft erfordert. Ich habe in den letzten Tagen einmal mehr gespürt, dass unsere Schulleitungen und Lehrpersonen auf schwierige Situationen gut vorbereitet sind und improvisieren können. Dafür gebührt ihnen auch in dieser Ausnahmesituation ein grosser Dank. Wie überhaupt allen, die sich engagieren, damit wir diese Krise möglichst gut überstehen.

Rechnen Sie damit, dass am Montag trotzdem viele Kinder von ihren Eltern in die Schule geschickt werden?

Alle Eltern wissen: Die Grundschule ist zu. Nur für Notlagen stellen die Schulen ein Betreuungsangebot zur Verfügung. Vor allem ist es schwer vorauszusehen, wie viele Eltern es gibt, die dauerhaft zu Hause keine Betreuung sicherstellen können, und wie viele vielleicht noch ein, zwei Tage Zeit brauchen und danach die Betreuung ihrer Kinder übernehmen können. Aber wir haben uns auf diese Unklarheit eingestellt.

«Aber das ist nun ein Realitätstest, den noch niemand erlebt hat und der viel Flexibilität und Improvisationsbereitschaft erfordert.»

Was treffen Kinder am Montag an, wenn sie von ihren Eltern doch in die Schule kommen?

In allen Schulhäusern werden Lehrpersonen, die nicht selber zur vulnerablen Gruppe gehören oder eigene Kinder betreuen, anwesend sein. Kein Kind wird unbetreut bleiben, wenn es am Montag trotzdem in die Schule kommt. Jedoch: Das Angebot gilt nur für Schulkinder bis zur 6. Klasse, die nicht privat betreut werden können. Schulkinder der 7. bis 9. Klasse sind genug alt, um – gegebenenfalls auch allein – zu Hause zu bleiben.

Wird die Stadt für diejenigen Eltern, die ihre Kinder nicht selber betreuen können, ein dauerhaftes Angebot sicherstellen?

Ja, für Schulkinder der Unterstufe für die Dauer dieser Ausnahmesituation. Schulen und Tagesschulen sind, wie es der Bundesrat beschlossen hat, geschlossen. Es findet kein Präsenzunterricht statt. Zu Hause sollen sie jedoch auf keinen Fall von Grosseltern betreut werden. Für Schulkinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse, die zu Hause oder in der Nachbarschaft keine Hütelösung finden, werden die Schulen eine Betreuung zur Verfügung stellen. Das ist aber ein Notfall-Angebot. Kinder ab der 7. Klasse bleiben grundsätzlich zu Hause.

Ist sichergestellt, dass alle Eltern und Kinder informiert werden, was an ihrer Schule passiert?

Klassenlehrerinnen und -lehrer verfügen über E-Mail-Adressen und Telefonnummern aller Eltern. Die Lehrpersonen werden die Eltern übers Wochenende kontaktieren, und bis am Sonntagabend sollten wir eine Übersicht darüber haben, wie viele Eltern darauf angewiesen sind, dass ihre Kinder in der Schule betreut werden. Aber klar: Der Elternbrief, den wir an alle Eltern schicken, ist auf Deutsch, und nicht alle Eltern werden alles auf Anhieb verstehen, deshalb wird es Unklarheiten geben. Wir betrachten die ersten Tage der kommenden Woche als Organisationszeit, in der wir alles auf den Ausnahmebetrieb einstellen.

«Im Verlauf der nächsten Woche werden die Eltern informiert, wie es schulisch bis zu den Frühlingsferien konkret weitergeht.»

Wie muss man sich den Fernunterricht vorstellen, der nun für alle Schülerinnen und Schüler aufgebaut wird?

Das kommt, sobald das Organisatorische steht. Im Verlauf der nächsten Woche werden die Eltern informiert, wie es schulisch bis zu den Frühlingsferien konkret weitergeht. Das sind dann drei Wochen, keine unendlich lange Zeit.

Apropos Frühlingsferien. Die Stadt plante wie üblich ein Feriensportlager in Fiesch. Wird es abgesagt?

Der Verein Fiescherlager wird am Dienstag öffentlich kommunizieren.

Kitas und Tagis bleiben wirklich geöffnet?

Vorläufig ja, so wie es der Regierungsrat kommuniziert hat. Selbstverständlich beachten die Betreuenden speziell, dass die Hygieneregeln eingehalten werden und dass die Kinder höchstens in kleinen Gruppen zusammen sein sollen.

Hallenbäder und Eisfelder sind geschlossen. Dürfen Schulturnhallen und Freiluftsportplätze benutzt werden?

Die Turnhallen und Sportanlagen der Schulen sind geschlossen und stehen den Sportvereinen nicht mehr zur Verfügung. Die Eisfelder wurden bereits auf Saisonende geschlossen.

Wie steht es mit den städtischen Spielplätzen?

Die können wir selbstverständlich nicht absperren und dürfen weiter benützt werden. Allerdings ist es wichtig, dass betreuende Personen darauf achten, dass sich Kinder nicht zu grösseren Gruppen zusammentun.

Gemeinschaftszentren in den Quartieren sind wichtige Institutionen, wo sich vor allem fremdsprachige eingewanderte Personen informieren und austauschen können. Bleiben sie geöffnet?

Anlässe mit Gruppen werden logischerweise abgesagt. Aber die Angestellten werden sicher ein Basis-Beratungs- und Informationsangebot aufrechterhalten. Sie haben in den letzten Wochen eine gute Sensibilität dafür entwickelt, welche Dienstleistungen trotz den Corona-Massnahmen sinnvollerweise nicht aufgegeben werden sollten.