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Kelten im ChallnechwaldGoldener Ohrring bei Grabungen gefunden

In Kallnach haben Archäologen ein 2570 Jahre altes Schmuckstück entdeckt. Es gehörte einer Person, die 550 vor Christus dort bestattet worden ist.

Dieser Ohrring wurde bei Grabungen im Challnechwald gefunden. Er gehörte einer vornehmen Person, die um 550 v. Chr. gelebt hat.
Dieser Ohrring wurde bei Grabungen im Challnechwald gefunden. Er gehörte einer vornehmen Person, die um 550 v. Chr. gelebt hat.
Foto: Kanton Bern/zvg

Die Archäologen des Kantons Bern staunten nicht schlecht an diesem Tag kurz vor Weihnachten 2019: Als sie einen Grabhügel im Challnechwald untersuchten, fanden sie plötzlich einen goldenen Ohrring. Während dieser bestens intakt ist, existiert das Skelett der Person, zu welcher das Schmuckstück gehörte, nicht mehr. Der saure Boden habe dieses aufgelöst, sagte Adriano Boschetti, Leiter des archäologischen Dienstes des Kantons Bern, am Freitag bei der Präsentation des Fundstücks.

Der Ohrring war Bestandteil einer Tracht und zeige, dass die dort begrabene Person sehr wohlhabend und hoch angesehen gewesen sei. Das Grab entstand um 550 vor Christus. Zwar seien bereits mehrere goldene Ohrringe aus dieser Zeit gefunden worden. «Der jetzige Ring ist aber das weitaus kunstvollste bekannte Exemplar aus der Schweiz», so Boschetti.

Weitere Grabungen stehen bevor

Der Fund stammt aus einer gross angelegten Rettungsgrabung bei Kallnach. Bevor hier Kies abgebaut werden kann, muss der archäologische Dienst einen keltischen Fürstenfriedhof aus der frühen Eisenzeit bergen. Denn sechs Grabhügel der national bedeutenden Fundstelle würden durch den Kiesabbau komplett zerstört. Der Grosse Rat hat 2016 deshalb 15 Millionen Franken für eine Rettungsgrabung bewilligt. Diese dauert voraussichtlich bis 2028.

Die Archäologen habe im letzten Frühling mit ihrer Arbeit begonnen. Der Grabhügel, der momentan erforscht wird, hat gemäss Adriano Boschetti einen Durchmesser von 27 Metern und ist beinahe 3 Meter hoch. «Bisher konnten wir drei Nachbestattungen identifizieren, ausgraben und dokumentieren», sagt der Kantonsarchäologe. Es sei früher üblich gewesen, im Nachhinein andere Personen im Grabhügel sowie der näheren Umgebung zu bestatten. Der nun gefundene goldene Ohrring stammt aus einer solchen Nachbestattung. «Die Grabung der Hauptgrabkammer steht erst noch bevor», so Boschetti.

Ob dort noch spektakulärere Dinge zum Vorschein kommen, weiss er allerdings nicht. Es sei möglich, dass ein Gelehrter mit dem Namen Edmund von Fellenberg bereits 1874 an diesem Grabhügel tätig war. Dokumente aus dieser Zeit würden darauf hinweisen. «Wir sind also gespannt, was wir noch finden werden.»

Rettungsgrabung im Challnechwald: Der Archäologische Dienst untersucht keltische Grabhügel, die durch den Kiesabbau zerstört würden.
Rettungsgrabung im Challnechwald: Der Archäologische Dienst untersucht keltische Grabhügel, die durch den Kiesabbau zerstört würden.
Foto: Kanton Bern/zvg

Wanderausstellung zum Jubiläum

Der goldene Fund passt zeitlich perfekt zum 50-Jahr-Jubiläum, das der archäologische Dienst des Kantons Bern 2020 feiert. «Das ist aber reiner Zufall», beteuert Boschetti. Der Dienst nahm seine Arbeit Anfang März 1970 in einer Baracke hinter dem Bernischen Historischen Museum auf. Seither wurde er ausgebaut und befindet sich heute in Bern-Bümpliz. Damals wie heute sei es seine gesetzliche Aufgabe, Fundstellen und Funde zu schützen, zu pflegen, zu dokumentieren und öffentlich zu machen.

Das «stabilste Archiv» sei aber, wenn archäologische Funde unberührt im Boden blieben. Wenn der Schutz einer Fundstelle nicht möglich sei, müsse diese – wie im Challnechwald – mit einer Rettungsgrabung wissenschaftlich untersucht sowie die Funde geborgen und konserviert werden.

Zum Jubiläum findet von März bis Oktober eine Wanderausstellung unter dem Titel «Archäologie macht Geschichte: Funde aus dem Kanton Bern» statt. Dabei werden 16 Fundobjekte aus Stein, Keramik, Eisen, Glas oder Holz abgebildet, die aus allen Regionen des Kantons stammen.

Zu sehen sind etwa eine 2000-jährige römische Bronzeaxt aus Allmendingen bei Thun, der bronzezeitliche Lederschuh vom Schnidejoch oder reich bemalte Verputzreste aus einem frühmittelalterlichen Grab in der Kirche von St. Imier.