Konsequent. Für die 99 Prozent

Jedes Jahr fliessen Milliarden von Franken leistungsfreier Kapitaleinkommen direkt in die ­Taschen des reichsten Prozent.

UBS-Chef Sergio Ermotti hat im letzten Jahr 14 Millionen Franken Lohn erhalten. Um gleich viel Geld zu verdienen, wie der UBS-Chef im Jahr 2018 eingestrichen hat, müsste eine Altenpflegerin ihr ganzes Leben arbeiten und anschliessend noch dreimal wiedergeboren werden.

Die Lohnexzesse in der Schweiz haben ein ­extremes Niveau erreicht. Ein Niveau, das nicht mehr schöngeredet werden kann durch angeblich gute Leistungen und grosse Verantwortung. Denn seien wir ehrlich: Niemand arbeitet in einer Stunde mehr als 200-mal so viel wie eine andere Person. Und auch Sie würden wahrscheinlich ­lieber in einer Welt leben, in der nicht mehr mit Aktien spekuliert wird, als in einer Welt, in der sich niemand um alte und kranke Menschen kümmert.

«Belohnt wird nicht harte Arbeit, sondern ­bereits ­vorhandener Reichtum.»

Zu behaupten, es sei gerecht, wenn sich gewisse Menschen mehr als 200-mal so viel vom Kuchen abschneiden wie ihre Mitmenschen, ist ein Skandal. Doch der noch grössere Skandal ist dies: Mehr als ein Drittel des Kuchens wird in der Debatte gar nicht berücksichtigt. Mehr als ein Drittel des Geldes, das jedes Jahr erwirtschaftet wird, wird stillschweigend aus dem Verkehr gezogen, bevor die Debatte um eine gerechte Aufteilung der Lohnsumme überhaupt beginnt. Jedes Jahr fliessen Milliarden von Franken leistungsfreier Kapitaleinkommen direkt in die ­Taschen des reichsten Prozent. Dazu gehören Gewinne aus Aktien, Dividenden und Zinsen in Milliardenhöhe. Das reichste Prozent muss dafür keinen Finger krümmen. Denn belohnt wird damit nicht harte Arbeit, sondern alleine bereits vorhandener Reichtum.

Es ist die schwindelerregende Höhe dieser Kapitaleinkommen, die die soziale Ungleichheit jedes Jahr massiv verschärft. Kapitaleinkommen sind dafür verantwortlich, dass wir heute in der Schweiz an einem Punkt angelangt sind, an dem zwei Prozent der Menschen so viel Geld besitzen wie die restlichen 98 Prozent zusammen. Gleichzeitig wissen alleinerziehende Mütter nicht mehr, wie sie die Zahnarztrechnung ihrer Kinder bezahlen sollen und Rentner*innen können ihre Miete nicht mehr bezahlen. So kann es nicht weitergehen. 1 Million Menschen in der Schweiz ist von Armut gefährdet.

Um diese massive Ungerechtigkeit endlich zu stoppen, haben wir die 99%-Initiative lanciert.

Wir leben in Zuständen, die eher an ein feudales Königreich erinnern als an eine moderne Demokratie. Denn Kapitaleinkommen funktionieren wie eine ständig laufende Maschine der ­Umverteilung, die erbarmungslos Geld von unten nach oben schaufelt. Ein Limit gibt es nicht. ­Belohnt wird die richtige Familienzugehörigkeit oder bereits vorhandenes Vermögen.

Unser Steuersystem macht die Situation leider nicht besser. Im Gegenteil. Es verschärft die enorme Zunahme der sozialen Ungleichheit noch zusätzlich. Denn die Kapitaleinkommen des reichsten Prozents werden heute sogar tiefer ­besteuert als die Löhne der arbeitenden Bevölkerung.

Um diese massive Ungerechtigkeit endlich zu stoppen, haben wir die 99%-Initiative lanciert. Wir brauchen eine Rückverteilung des Wohlstands an die Menschen, die ihn tatsächlich produziert haben: Die Leute, die jeden Tag für ihr Einkommen arbeiten müssen.

Tamara Funiciello ist Präsidentin der Juso und eine der Vizepräsidentinnen der SP Schweiz.

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