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Aus der Dunkelkammer ans Licht

Über die Auffahrtstage findet zum zwanzigsten Mal die Photo Münsingen statt. Mit dem Mitbegründer Niklaus Messer schauen wir zurück und in die Zukunft.

Dominic Nahr, Ressourcen und Konsequenzen, Ringen um Rohstoffe, Schlossweg, Führungen Do und Sa je 14.30 Uhr.
Dominic Nahr, Ressourcen und Konsequenzen, Ringen um Rohstoffe, Schlossweg, Führungen Do und Sa je 14.30 Uhr.
Dominic Nahr
Alex und Felix, Sein und Schein, 13 Queens, Schloss, Do und So, Führungen je 15.30 Uhr.
Alex und Felix, Sein und Schein, 13 Queens, Schloss, Do und So, Führungen je 15.30 Uhr.
Alex und Felix
Niklaus Messer
Niklaus Messer
zvg
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Alles begann mit dem Umzug von Niklaus Messer nach Münsingen, wo, wie es schien, einfach nicht viel los war. Da er seit dem Kauf der ersten Minolta im Jahr 1975 Fotograf ist, nicht im Hauptberuf, aber mit Leidenschaft, lag es für ihn nahe, in Münsingen 1983 einen Fotoclub zu gründen.

Die Mitglieder des Clubs treffen sich seither im Gasthof Ochsen, im grossen Säli mit den Glasvitrinen, den Schützenfahnen und Pokalen darin und den historischen Schwarzweissfotografien an den Wänden. Hier fanden die Clubtreffen statt, hier wurden die Wettbewerbsfotos juriert. Aber alles im geschlossenen Kreis, und das wurde der Fotografie einfach nicht gerecht. «Das konnte es ja nicht sein!», meint Niklaus Messer. Es musste etwas passieren.

Der Fotoclub hat beschlossen, eine Broschüre zu publizieren. «Porträts der Vereine von Münsingen», sagt Messer. Diese erschien Mitte der Achtzigerjahre. Man staunte damals, was es in diesem Münsingen, im Verborgenen alles gab. Es sei einfach darum gegangen, sagt Messer laut, als er die Hand auf den Tisch haut, «für Münsige öppis z risse».

Für den Fotoclub war die Broschüre ein Schritt aus der Dunkelkammer ans Licht, vom reinen Privatvergnügen in eine Öffentlichkeit. Bis es aber zum Entscheid für das Festival kam, vergingen noch ein paar Jahre.

Ein Bier und eine Idee

Es war 1998 geworden. Niklaus Messer und Ueli Wälti vom Fotoclub tranken eines Abends zusammen ein Bier, nur so, und kamen ins Reden. Hier entstand die Idee. Ueli Wälti habe eine Vision entwickelt. Etwas ganz Grosses sollte es werden, ein Fotofestival mit Ausstrahlung in die Welt, mit Ausstellungen, Diashows und Seminaren, ein Ausbau der Piste im Belpmoos wäre nötig, dass die Fotografen und Besucher von überallher problemlos einfliegen könnten.

Tatsächlich startete der Fotoclub Münsingen ein Jahr später einen Versuchsballon, die Fototage Münsingen. Acht Fotoclubs stellten ihre Bilder aus, es gab bereits einen Wettbewerb, einen Sieger, und das Publikum konnte eine Flugreise ab Belp nach Korsika gewinnen. Ein Jahr später war die Photo Münsingen unter ihrem heutigen Namen mit sechzehn Fotoclubs und den prominenten Fotokünstlern Josef von Mentlen und Walter Gaber­thüel fixfertig am Start. Die Vision ist vom Vorstand des Fotoclubs zum Konzept und von allen Mitgliedern und Helfern zum grossen Event gemacht worden. Jedes Jahr kommen viertausend Besucher.

Organisierte früher der Vorstand des Fotoclubs den Anlass, sind heute zwölf Organisationsbereiche am Werk, um Workshops, den Clubwettbewerb mit sechzig Teilnehmern und die Ausstellungen und alles andere zu managen. Niklaus Messer betont, alles sei Vereinsarbeit. «Die Photo Münsingen, das ist einfach eine grossartige Teamleistung. Es braucht jeden, und alle machen mit.» Sie werde von Begeisterung für die Fotografie getragen. Hundert Helfer sind für die vier Tage nötig, und «sie bekommen einen Kaffee und einen Nussgipfel und die Einladung zu einem Nachtessen am Helferabend. Das ist es dann.»

Profis und Amateure

Was der Wert des Anlasses ist, erklärt sich von selbst. Aber da ist noch mehr. Er bringt Fotografen von überallher zusammen, Clubfotografen und Profis, damit diese sich persönlich begegnen können. «Wer hier ausstellen will, muss persönlich da sein, ansprechbar sein.» Die meisten machen Führungen, Vorträge oder einen Workshop. Jeder kann jeden treffen, mit jedem reden. Zudem gibt es immer den Fotografenapéro, wo schon Beziehungen entstanden sind, zum Beispiel Ausstellungen in China abgemacht wurden. «Aber auch der jährliche Clubwettbewerb ist sehr wichtig, weil er die Leute dazu bringt, etwas zu tun, sich Gedanken zu einem Thema zu machen, dass sie rausgehen und fotografieren.»

Solche Ausstellungen werden auch bleiben, trotz Instagram. Vielleicht gibt es später einen anderen Fokus, eine andere Grösse oder Organisation. «Aber Instagram ist doch eigentlich wie wir», sagt Niklaus Messer und lacht, aber halt einfach grösser, nämlich einfach der grösste Fotoclub der Welt. Neue Formen, wie sich Fotografen dank Instagram real begegnen, zum Beispiel mit Swissinstameet.ch, wo zweihundert Leute, Models und Fotografen sich in einer Stadt treffen, um Bilder zu machen, gibt es ja schon, und einige ihrer Bilder sind selbstverständlich an der Photo Münsingen dabei.

«Fotografie istletztlich etwas sehr Persönliches.»

Niklaus Messer

«Wissen Sie, Fotografie ist letztlich etwas sehr Persönliches. Jeder kocht ein Süppchen nach seinem ganz eigenen Rezept. Jeder ist Individualist», sagt Messer. Ein Foto ist heute nicht mehr nur ein Eindruck, sondern auch Ausdruck. Es ist wichtig, seine Bilder zu zeigen, weil es anspricht und Reaktionen hervorruft, Freude macht.

«Fotograf» ist an der Photo Münsingen keine Berufsbezeichnung, sondern jede Person, die fotografiert. «Wenn es einem Bild gelingt einen Moment festzuhalten, sei er schön, traurig, gut oder schlecht. Das ist es. Dann ist es gut», sagt Messer. Und das kann jedem gelingen. Die Grenze zwischen Profis und Amateuren ist graduell, unsichtbar und fliessend. Das ist Konzept. Dieses Jahr ist der bekannte Reportagefotograf Dominic Nahr da, um die Geschichten zu seinen Bildern zu erzählen. Was einen in die Position bringt, ein gutes Bild zu machen, sagt er, ist recht einfach: «Mit dem Herzen muss man nah sein.»

«Mit dem Herzen muss man nah sein.»

Dominic Nahr

Ohne Zweifel ist es dem Fotoclub gelungen, etwas für Münsingen zu reissen. Wenn man «heute in der Schweiz herumreist», sagt Niklaus Messer am Schluss, «und sagt, man komme von Münsingen, so hört man doch immer seltener den Witz mit ‹Münsige links›, der psychiatrischen Klinik.» Sondern mehr und mehr sagen die Leute dann, dort in Münsingen seien sie schon einmal gewesen, nämlich an der Photo Münsingen.

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