20 Minuten für Lust auf mehr

Thun

Das erste «Speeddating» im Rahmen des Literaturfestivals Literaare am Samstagabend im Hotel Rathaus Thun bot eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich literarisch zu verlieben.

Autor Jens Nielsen las als einer von zehn Schriftstellern beim Literaare-«Speeddating» vor interessierten Zuhörern.

Autor Jens Nielsen las als einer von zehn Schriftstellern beim Literaare-«Speeddating» vor interessierten Zuhörern.

(Bild: Markus Hubacher)

Um die grossen Tische im Velschensaal im Dachstock des Hotels Rathaus Thun drängen sich rund neunzig Literaturfreunde und diskutieren bereits vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung angeregt. Oben an jedem Tisch sitzt eine Autorin oder ein Autor, ausgerüstet mit Lesebrille, Wasserglas oder Beruhigungsbier. Sie gehen nochmals ihre Notizen durch, manche diskutieren mit.

Die Atmosphäre ist locker und familiär. Entlang der Treppe ist ein langer Büchertisch aufgebaut, damit Frischverliebte nicht lange auf ihr neues Objekt der Begierde verzichten müssen. In der Mitte steht ein Buffet mit mediterranen Häppchen, dahinter eine Weinbar.

Zweimal zehn Minuten

Bei seiner zehnten Ausgabe hat das Festival Literaare zum ersten Mal zu einem alternativen – literarischen – «Speeddating» eingeladen. «Alle zwanzig Minuten erklingt ein Horn, dann starten unsere Autorinnen und Autoren ihre Lesung. Nach zehn Minuten zeigt ein Glöckchen das Ende der Lesezeit an. Es bleiben dann zehn weitere Minuten, um Fragen zu stellen, sich am Buffet und an der Bar zu bedienen und den Platz zu wechseln, bevor die nächste Runde beginnt», erklärt Tabea Steiner, Co-Geschäftsführerin und Mitglied der Programmkommission des Festivals, die Spielregeln des Abends.

Wie ein herkömmliches Speeddating solle es die Veranstaltung ermöglichen, in kurzer Zeit verschiedene Personen (hier Schriftsteller und nicht potenzielle Lebenspartner) zu treffen, mit dem Vorteil, dass man sich nicht für einen einzigen entscheiden und die Sympathie nicht auf Gegenseitigkeit basieren müsse. «Ich kenne das Konzept von der Leipziger Buchmesse», so Steiner gegenüber dieser Zeitung.

Bei der Auswahl der Autoren habe es keine thematischen Kriterien gegeben. «Wir haben einfach Leute angefragt, von denen wir das Gefühl hatten, dass sie für eine solche Form von Lesung geeignet wären und dass sie sich darauf einlassen würden.» Von den zehn anwesenden Autorinnen und Autoren sind alle zumindest teilweise in der Schweiz wohnhaft, drei unter 30, zwei über 65, vier Frauen, vier haben 2015 einen eidgenössischen Literaturpreis erhalten, zwei lesen (auch) auf Schweizerdeutsch.

Eine Herausforderung

Für die Schriftsteller ist es eine neue, aber vorwiegend positive Erfahrung, eine oder einer unter vielen Lesenden im Raum zu sein. «Der Kontakt zu den Zuhörern ist natürlich ein ganz anderer, wenn sie dir quasi ins Buch schielen können», sagt der aus München stammende und in Biel wohnhafte Heinz Helle, welcher aus seinem Romandebüt «Der beruhigende Klang von explodierendem Kerosin» liest.

Der 36-Jährige schätzt die ungewohnte Nähe zum Publikum vor allem, weil sie einen ungezwungenen Austausch ermögliche. Simone Lappert, ebenfalls mit ihrem gefeierten Erstlingsroman in Thun, pflichtet ihm bei. Allerdings seien die ungewohnten Rahmenbedingungen auch eine Herausforderung für sie. «Wurfschatten» sei ein feines Buch und normalerweise würde sie eher leise lesen, dies müsse sie jetzt anpassen, so die 29-jährige Baslerin.

Thuner Tagblatt

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