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Das beste Buch der Schweiz

Mit Catalin Dorian Florescus Roman «Jacob beschliesst zu lieben» erhält ein Roman voller absurder Verhängnisse den Schweizer Buchpreis. Eine Buchbesprechung.

Keystone

Catalin Dorian Florescus mit dem Schweizer Buchpreis 2011 ausgezeichneter Roman «Jacob beschliesst zu lieben» erzählt vom Leben und Leiden einer rumänischen Familie über drei Jahrhunderte hinweg. Europäische Geschichte und private Schicksale verbinden sich zu einem grandiosen Epos.

Wie eine Naturgewalt bricht der Schwabe Jakob im Jahr 1924 über das rumänische Dorf Triebswetter herein. Niemand weiss seiner Bauernschläue und seiner Willenskraft etwas entgegenzusetzen. «Du brauchst einen Mann für dein Glück, und ich brauche einen Hof», sagt er zur reichen Elsa Obertin. Sie muss nicht lange überlegen und heiratet den Fremden.

Überleben ist alles

Mit diesem fulminanten Auftritt beginnt «Jacob beschliesst zu lieben». Der Zürcher Autor Catalin Dorian Florescu, der in Rumänien geboren wurde, bestimmt damit gleich den Grundtenor seines Romans: Er steckt voller Verhängnisse, die bisweilen fast absurd anmuten.

Aus der Ehe von Jakob und Elsa entspringt die Hauptfigur: Jacob mit «c». Er erzählt in der Ich-Form sein Schicksal und die abenteuerliche Geschichte der Obertins seit dem 30-jährigen Krieg (1618-1648). Ihn und seine Vorfahren verbindet der Hunger, die Armut und die Suche nach einem Platz in dieser unwirtlichen Welt.

Den Obertins ist jedes Mittel recht, um zu überleben. Sie schrecken vor keinem Verrat und keiner Brutalität zurück. Bestes Beispiel ist Jacobs Vater. Nur Jacob findet einen anderen Weg. So begegnet er immer wieder Menschen, die ihm helfen und die er lieben kann.

Dem Schicksal ausgeliefert

«Jacob beschliesst zu lieben» ist aber mehr als eine weit gespannte Familienchronik. Das Buch erzählt europäische Geschichte und zeigt, wie Verfolgungen und Kriege sich auf die Einzelnen auswirkten.

Florescu versteht es dabei, einen üppigen Erzählstil mit Tempo zu verbinden. Dem Buch haftet auch etwas Märchenhaftes an. Oft flunkern die Figuren und versuchen, das Geschehene poetischer darzustellen als es in Wahrheit war.

Doch stärker als alle Mogeleien bleiben die Natur und die historischen Ereignisse, welche die Menschen heimsuchen. Jacob meint dazu: «Es gab keinen Betrug und keine freie Entscheidung, es gab nur Gott oder die Teufel und das Schicksal, mit dem sie einen schlugen.»

Geschichte wiederholt sich

Stets müssen die Figuren von vorne beginnen. Zuerst Jacobs Vorfahre Frederick Obertin aus Lothringen, der im rumänischen Banat das Dorf Triebswetter gründete. Dann Jacob, dem zu guter Letzt nichts Anderes übrig bleibt, als «am Ende der Welt» für sich und seinen Vater ein Haus zu bauen.

Das alles ist wunderbar erzählt; fesselnd von der ersten Seite bis zur letzten. Die düstere Stimmung, der eindringliche Schreibstil und einige Elemente des Plots erinnern an Khaled Hosseinis Bestseller «Drachenläufer». Wen der Roman aus Afghanistan begeistert hat, wird deshalb auch die rumänische Saga mögen.

SDA/ami

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