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«Das nächste Opfer der Verbotskultur ist der Alkohol»

Peter Richter hat ein süffiges Buch «Über das Trinken» geschrieben. Der Autor über den Ideal-Rausch, beschwipste Politiker und alkoholisierte Autofahrer.

Herr Richter, haben Sie eine Flasche Alkohol in der Schublade Ihres Schreibtischs versteckt? Keinen Tropfen, noch nicht einmal Zigaretten. Ich predige zwar den Wein, trinke selber aber Wasser. Generationen von Journalisten vor mir haben es umgekehrt gehalten.

Früher gingen Journalisten am Nachmittag zum Apéro und hatten eine Whiskyflasche in der Schublade. Heute schreiben sie nüchtern unter Zeitdruck. Ist Ihrer Ansicht nach dadurch auch der Stil nüchtern geworden? Im Gegenteil, würde ich sagen: Je betrunkener die früher vom Lunch in die Redaktion zurückkamen, desto mehr haben die sich an so scheinseriösen Formulierungskrücken festgehalten wie «indes», «freilich» oder «... bleibt abzuwarten» – eben wie Betrunkene an der Laterne. Es ist ja dann eben leider doch nicht jeder ein Hemingway. Bei uns in der Redaktion lautet die Parole: Der Text ist die Party. Das Schreiben – und idealerweise dann auch das Lesen – sollte ein berauschendes Erlebnis sein. Wenn das gut gelingt, ist das allerdings schon ein Anlass, eine Flasche aufzumachen. Oder zwei.

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