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Dem Bösen auf der Spur

Waffenläufer Mischa Ebner ging 2002 als «Berner Mitternachts-Mörder» in die Geschichte ein. Autor Jürg Mosimann erlebte den Fall damals als Polizeisprecher mit. Jetzt rollt er ihn in einem Buch auf.

Null Berührungsängste: Autor und Ex-Polizeisprecher Jürg Mosimann (71) posiert im Berner Lorrainequartier.
Null Berührungsängste: Autor und Ex-Polizeisprecher Jürg Mosimann (71) posiert im Berner Lorrainequartier.
Raphael Moser

In der Nacht auf den 1. August 2002 greift Mischa Ebner in Bern zwei Frauen mit einem Messer an und verletzt sie schwer. Eine stirbt. Der damals 27-Jährige gesteht später den Mord. Und 29 weitere Delikte.

In seinem neuen Buch «Tödlicher Schatten – Wüthrich ermittelt» lässt Autor Jürg Mosimann zum dritten Mal den fiktiven Kommissar Wüthrich einen realen Fall aus dem Kanton Bern ­lösen. Mosimann hat die Taten ­Ebners als damaliger stellver­tretender Informationschef der Kantonspolizei Bern sehr nah miterlebt. Er habe aber die Kriminalgeschichte nicht geschrieben, um das Geschehen zu verarbeiten, sagt der 71-Jährige. «So was brauche ich nicht.» Die Idee für das Buch sei eher zufällig und während eines Gespräches mit ehemaligen Kollegen der Polizei entstanden.

Auftritt als Lockvogel

«Natürlich vergesse ich den Fall nie», sagt Mosimann. «Er ist in mancher Hinsicht aussergewöhnlich.» Ein Serientäter, der erst mit Entreissdiebstählen auf sich aufmerksam macht, immer brutaler agiert, gar jemanden tötet und sich nach der Tat mit einem Brief bei einigen Opfern entschuldigt. Mosimann schüttelt den Kopf. «Nicht nachvollziehbar», sagt er. Als Mediensprecher hat er damals nicht nur die Medien über die Geschehnisse informiert, er wurde aktiv in die Ermittlungen miteinbezogen.

Für die Arbeit an seinem Buch hat Mosimann seine Notizen und Unterlagen von damals wieder studiert, Polizeikollegen getroffen und den Wiener Kriminalpsychologen Thomas Müller kontaktiert, der damals die Berner Fahnder unterstützt hatte. Insider Mosimann gibt in «Tödlicher Schatten» auch bis heute unveröffentlichte Fakten preis. So war bis dato nicht bekannt, dass eine Polizistin über mehrere Tage als Lockvogel eingesetzt wurde. «Leider erfolglos.»

Mosimann, der für diese Zeitung die Kolumne «Tatort Tatort» schreibt, will mit seinen ­Büchern die damalige Ermittlungsarbeit der Polizei so real wie möglich abbilden. «Ich bin kein Fan von unrealistischen Kriminalromanen», sagt er. Das einzig Fiktive in Mosimanns Buch sind die Charaktere der Ermittler und deren Privatleben. «Wobei ich mich an Personen aus meinem damaligen Arbeitsumfeld orientiert habe. Einfach so, dass sie es beim Lesen nicht merken.»

Vor seiner Tätigkeit bei der Polizei war der Autor Journalist beim «Blick», spezialisiert auf Kriminalfälle und Gerichtsberichterstattung. «Mich hat die Ermittlertätigkeit immer gereizt», sagt Mosimann. Kein Wunder also, dass ein Boulevardjournalist, wie Mosimann einer war, auch in «Tödlicher Schatten» mitspielt.

Essen beim Serientäter

Drei Wochen nach dem Mord wurde «Mitternachts-Mörder» Ebner, wie er in den Medien damals auch genannt wird, gefasst. Das war etwa ein Jahr nachdem er seinen ersten Entreissdiebstahl begangen hatte. Mischa Ebner war bei Adoptiveltern im Thurgau aufgewachsen und arbeitete als Koch im Goldenen Schlüssel in Bern.

«Ich bin kein Fan von unrealistischen Kriminalromanen.»

Jürg Mosimann

Mosimanns Frau Manuela ass damals oft mit einer Kollegin in dieser Altstadtbeiz. «Woher hätten die beiden wissen sollen, dass sie vom gesuchten Serientäter bekocht werden?», sagt Mosimann. Er weiss, dass das Umfeld des Täters «dem freundlichen, unauffälligen jungen Mann» diese Verbrechen nie zugetraut hätte. Auch im Thurgau war man schockiert. Dort gewann Ebner 1998 und 2001 den Frauenfelder Waffenlauf.

Dass das Geschehene durch sein Buch aufs Neue ins Gedächtnis der Opfer sowie der Angehörigen des Täters gerückt wird, kommentiert Mosimann so: «Es ist nun mal keine private, sondern eine öffentliche Geschichte.» Kontakt mit den Betroffenen habe er im Vorfeld nicht gesucht. «Ich wollte sie mit der Ankün­digung auf mein Buch nicht verunsichern.»

Dass sich Mischa Ebner einige Wochen nach seiner Verhaftung im Regionalgefängnis Thun erhängt hat, stimmt Mosimann nachdenklich: «Egal, was einer getan hat, so weit sollte es nie kommen.» Warum Ebner die Verbrechen beging, bleibt bis heute ungeklärt.

Ob Wüthrich in einem weiteren realen Fall aus dem Kanton Bern ermitteln wird, weiss sein Erfinder noch nicht. Oder doch? Mosimann sagt nur: «Es gibt da einen Fall, der sich im Jahr 1990 ereignet hat. Ein schreckliches Verbrechen an einer Frau in Bern...»

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