Erfrischend einzigartig

Liebe und Hass, Tod und Auferstehung: «Die Brautprinzessin» von William Goldman ist ein Werk voller Kitsch und Ironie, das genau dadurch besticht – und berührt.

Augen so sanft wie die See: Cary Elwes als Westley. Foto: Shutterstock

Augen so sanft wie die See: Cary Elwes als Westley. Foto: Shutterstock

Mirjam Comtesse

Wer dieses Buch gelesen hat, wird jeden anderen Abenteuerroman daran messen – und nur die allerwenigsten werden daneben bestehen können. Genauso ist es mit der Hauptfigur Westley. Kein anderer Held ist gleichzeitig so schlau, stark und mit Ironie beschlagen. Westley hat Augen «wie die See vor einem Sturm». Und das sagt eigentlich schon alles über ihn aus: Er ist sanft, kann aber jederzeit gefährlich werden, wenn es die Situation erfordert.

«Die Brautprinzessin»des US-Autors William Goldman ist ein Meisterwerk. Das Buch handelt von Zweikämpfen, Folter, wahrer Liebe, Hass, wunderschönen Frauen, Schmerzen, Tod, Auferstehung, tapferen Männern, feigen Männern, Verfolgungsjagden, Wundern.

Kurz: Dieses Buch ist für unverbesserliche Romantikerinnen und Romantiker. Aber weil man so viel Kitsch dann doch nicht aushalten würde, trieft die Geschichte von Ironie. Dazu gehören auch die bissigen Einschübe, die der Erzähler gerne anbringt.

Dieser Erzähler ist einzigartig, wie sich schon ganz am Anfang des Buchs zeigt. Er braucht zig Einleitungen und Anläufe, um endlich in die Handlung hineinzufinden. Immer wieder verliert er sich in Details, berichtet von der schwierigen Beziehung zu seinem Sohn und seiner Ex-Frau. «Fang endlich an!», möchte man ihm als Leserin zurufen. Aber natürlich ist das alles gewollt. Und – ganz ehrlich – ohne den nervigen Erzähler wäre die Geschichte nur halb so witzig.

In den USA ist «Die Brautprinzessin» ein Klassiker. Auch eine Verfilmung gibt es, die Rolle des Erzählers übernimmt darin der Columbo-Darsteller Peter Falk, die Westley-Rolle Cary Elwes. Aber wer wirklich berührt werden will, muss das Buch lesen. Denn die Kombination aus kitschiger Übertreibung, wahnwitzigen Einfällen und ironischer Brechung ist erfrischender als jeder Aare­schwumm.

Aare, Wasser, Tränen: In dieser Rubrik schreiben wir, wie Kultur und Kleinigkeiten uns nachhaltig zu bewegen vermögen.

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