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Wer nicht aufpasst, zahlt zu viel für Bücher

Viele Leseratten sind verwirrt: Wieso bietet ein Laden dasselbe Buch im Online- und im Direktverkauf manchmal zu unterschiedlichen Preisen an? Das sei eine Panne, sagen die Buchhändler und bemühen sich um Besserung.

Ein Buch muss her. Etwas, das sich leicht lesen lässt, aber nicht seicht ist. Douglas Adams, der Autor von «Per Anhalter durch die Galaxis», der hat doch noch was geschrieben – wie hiess es gleich? «Die Letzten ihrer Art», sagt die Website des Berner Buchladens Stauffacher. In dem Werk schreibt Adams über aussterbende Tierarten und bringt die Absurdität der Welt mit britischem Humor auf den Punkt. Die englische Version kostet gemäss Website Fr. 16.90. Wer das Buch online bestellt und später in einer Filiale abholt, spart die Liefergebühren. Es kommen also keine zusätzlichen Ausgaben hinzu. Doch Bestellen dauert. Also nichts wie in den Laden und das Buch sofort kaufen. Dort gibt es jedoch eine Überraschung. «Fr. 22.90», steht hinten auf dem Preiskleber. Wie kann das sein?

Wers merkt, profitiert

Bei der Stauffacher-Besitzerin Thalia kennt man das Problem. Da die Bücher über verschiedene Lieferanten in die Filialen kämen, seien die Preise in seltenen Fällen unterschiedlich angeschrieben, sagt Nicolas Schibler, Leiter Multichannel bei Thalia. Dies treffe insbesondere auf fremdsprachige Bücher zu. Doch auch bei deutschsprachigen Werken komme es vor.

Preisveränderungen liessen sich zudem online sofort anpassen, in der realen Welt sei die Reaktionsfrist länger. «Dies ist allerdings keine Strategie – und wir sind auf jeden Fall kulant.» Das heisst, wenn ein Kunde auf der Stauffacher-Website – oder im Laden – einen günstigeren Preis entdeckt, muss er nicht unbedingt mehr zahlen.

«Nicht geschickt»

Andreas Tschöpe von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) findet es «nicht geschickt», dass die Preise differieren können. «Dies ist bei deutschsprachigen Erscheinungen eine Entwicklung wegen des Wegfalls der Buchpreisbindung. Doch der Kunde kann sich hintergangen fühlen, weil er je nachdem mehr berappt.»

Thalia hat aus diesem Grund bereits reagiert: «Wir haben vor einigen Wochen die Preise harmonisiert. Jetzt sind solche Unterschiede weitestgehend eingedämmt», erklärt Schibler.

Schon 2008 die Preise in der virtuellen und der realen Welt harmonisiert hat Orell Füssli. Ob jemand ein Werk online bestelle und dann in einer Filiale abhole oder es gleich im Laden kaufe, sei dasselbe, sagt Geschäftsführer Fabio Amato. «Wenn jemand ein Buch zu sich nach Hause liefern lässt, dann kommt natürlich bei einer Bestellung unter 30 Franken das Porto hinzu, aber sonst gibt es keine Unterschiede», erklärt er.

Explizit andere Preise

Eine ganz andere Strategie fährt die Lüthy-Balmer-Stocker-Gruppe, die unter anderem in Biel und Solothurn Buchhäuser betreibt. So beträgt etwa der Onlinepreis für «Das verlorene Symbol» von Dan Brown Fr. 35.90. Wer den Bestseller direkt im Laden kauft, blättert dagegen Fr. 39.90 hin. Die Verantwortlichen für die Strategie waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Im Web steht aber als Erklärung: «Die Kosten, die bei einer Internetbestellung anfallen, sind tiefer als bei einem Einkauf im Laden. Es sind in erster Linie tiefere Lagerhaltungs- und Mietkosten, die eine straffere Kalkulation ermöglichen. Diesen Vorteil geben wir an Sie weiter.»

Für Thalia und Orell Füssli ist eine solche Politik keine Option. Sie wollen ihren Kunden auf keinen Fall das Gefühl geben, dass sie ungleich behandelt werden. Sie haben andere Ideen, um den Onlineeinkauf zu forcieren. Über die Ostertage wurden diese besonders deutlich: Die Händler verschickten per Newsletter offensiv Gutscheine für Webbestellungen.

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