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Wird Detektiv Vijay erwachsen?

Den im Oberland aufgewachsenen Sunil Mann kennt man als Krimiautor, der heikle Themen aufgreift – diesmal Kindstod in «Gossenblues». Er erzählt im Interview, was ihn am Genre Kinderbücher reizt.

Sunil Mann hat gut lachen. Jetzt kommen bereits sein siebter Krimi und sein zweites Kinderbuch heraus.
Sunil Mann hat gut lachen. Jetzt kommen bereits sein siebter Krimi und sein zweites Kinderbuch heraus.
zvg/Renate Wernli

Sunil Mann, Ihr neuster Krimi «Gossenblues» spielt wieder mal im urbanen Setting von Zürich – mit allen Abgründen der Drogen- und Obdachlosenszene. Nicht einmal eine Verfolgungsjagd ins Oberland haben Sie eingebaut . . .

Sunil Mann: Nachdem ich im letzten Roman nach Indien ausgeschweift war, habe ich mich diesmal bewusst wieder auf Zürich konzentriert – Vijays Heimatstadt. Von der Thematik her hätte eine Reise ins Berner Oberland einfach nicht hineingepasst.

Na ja, war auch nicht so ernst gemeint. Dafür haben Sie sich einen Fall ausgedacht, der Ihren Privatdetektiv Vijay Kumar ganz schön ins Zweifeln und ans Limit bringt. Und Ihre Leser auch: Ein zu verarbeitender Kindstod setzt immer gehörig zu.

Wie immer in meinen Romanen gibt es einen ernsten Hintergrund, auch wenn der Ton locker und oftmals sarkastisch daherkommt. Dass ein Paar mit dem Tod seines Kindes klarzukommen versucht und ich mich in diese Situation hineinfühlen musste, hat mich beim Schreiben stark gefordert. Aber ich stelle mir gerne Aufgaben, für die ich meine Komfortzone verlassen muss.

Sie zeigen im Weiteren eine verzweifelte Mutter, die zum Äussersten geht, und Adoptiveltern, die an diesem Verlust zerbrechen. Happige Kost . . .

Ich weiss. Aber dieser Erzählstrang ist ein wichtiger Teil der ganzen Geschichte. Ohne ihn würde sie nicht funktionieren.

Auch mit dem reuigen Todesfahrer haben Sie kein Erbarmen . . .

Mich interessiert immer auch die Sicht des Täters. Was ein solcher Unfall mit jemandem macht, wie er mit der Schuld umgeht. Das hat mich ähnlich gefordert wie die Beschreibung der Adoptiveltern des Opfers.

Kumar bleibt eine trinkfreudige Detektivgestalt, die jetzt aber ihre Leichtlebigkeit mit dem Tod des Vaters doch spürbar verliert. Dann verreist auch die Mutter nach Indien. Kumar macht eine Entwicklung durch. Was steckt dahinter?

Vijay Kumar altert ja in Echtzeit mit. Er ist jetzt 40 und wird – wie das bei Männern oft der Fall ist – erst jetzt richtig erwachsen. Der Tod seines Vaters ist eine Zäsur und macht ihm schlagartig bewusst, dass auch sein Leben endlich ist und er viel zu viel Zeit mit Unwichtigem verplempert. Dass seine Mutter nach Indien reist und auch die beste Freundin Miranda von Zürich wegzieht, sind bloss weitere Anzeichen, wie sehr seine Welt und auch sein Leben im Wandel sind.

Zum Verlustthema kommt am Ende die Hoffnung: Vijay Kumar ringt um seine ehemalige Freundin Manju, die schwanger wird. Gibts da Parallelen zum Autor?

Nein, mein Beziehungsleben ist nicht annähernd so dramatisch wie Vijays . . .

Auch keine Vaterfreuden in Aussicht?

Nein. Zumindest wüsste ich nichts davon . . .

Ist Kumar im nächsten Krimi als Ermittler mit Vaterverantwortung unterwegs?

Ich weiss es selber noch nicht, könnte es mir aber schon vorstellen. Ich gönne ihm (und mir) jetzt erst einmal eine Pause. Denn es gibt noch so viele andere spannende Möglichkeiten, die ich schreibend ausloten möchte.

Wie zum Beispiel Kinderbücher schreiben.

Genau, das ist eine dieser angesprochenen Möglichkeiten. Ich hatte nie vor, Kinderbücher zu schreiben, doch als ich vom Verlag angefragt wurde, habe ich es halt versucht. Und es hat mir überraschenderweise einen Heidenspass gemacht.

Für Kinder ab 8 Jahren haben Sie schon das zweite Buch über Gabriel, den jüngsten Schüler im Engelsinternat Wolkenschloss, beendet. Am nöchsten Freitag, 13. Oktober, kommt «Neue Freunde für Gabriel» heraus. Sagen Sie doch bitte kurz, um was es da gehen wird.

Der Schutzengel Gabriel ist jetzt im zweiten Schuljahr. Im Rahmen eines Austauschprogramms kommen andere Schüler ins ­Engelsinternat Wolkenschloss. Gabriel muss ausgerechnet auf ein Teufelchen aufpassen, was zu etlichen Spannungen, aber auch zu einem gefährlichen Abenteuer führt, das die beiden gemeinsam bestehen müssen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Warum sind Sie von der Grossstadt ins doch eher beschauliche Aarau umgezogen?

Erstens die Zürcher Mietpreise. Wir zahlen jetzt zwei Drittel der vorherigen Miete und haben dafür die doppelte Wohnfläche. Zudem habe ich mich auf der Stelle in das alte Eisenbahnerhäuschen mit Garten verliebt. Da fiel der Entscheid nicht so schwer.

«Gossenblues» von Sunil Mann: Kriminalroman. Taschenbuch. ­Grafit. 282 Seiten. ISBN 978-3-89425-492-6. «Neue Freunde für Gabriel»:Kinderbuch von Sunil Mann (Text) und Tine Schulz (Bild). Ab 8 Jahren. Orell Füssli. 144 Seiten, gebunden, illus­triert. ISBN 978-3-280-03560-3. Beide Titel sind im Buchhandel ­erhältlich.

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