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Frauenpower am Fumetto

Mit autobiografischen Comics wurde Julie Doucet eine wichtige Stimme in der männerdominierten Welt der Sprechblasen. Fumetto, das Internationale Comix-Festival Luzern, ehrt sie als Stargast mit einer grossen Retrospektive.

Selbstporträt: Julie Doucet.
Selbstporträt: Julie Doucet.
zvg

In ihren autobiografischen Comics zeichnete Julie Doucet sich beim Masturbieren und beim Menstruieren. Und sie hatte Erfolg damit. Durch ihre selbst veröffentlichen Fanzines «Dirty Plotte», was so viel wie dreckige Fotze heisst, wurden Verlage auf sie aufmerksam. So avancierte die Kanadierin in den Neunzigerjahren quasi zum weiblichen Robert Crumb. Wie der amerikanische Undergroundkünstler zeichnete auch Julie Doucet ohne Zensurschere im Kopf und füllte ihre schwarzweissen Panels bis in die hinterste und letzte Ecke mit Details.

Vorbild für andere Autorinnen

«Ich hätte nie gedacht, dass diese Comics eine solche Bedeutung bekommen würden», meint die heute 51-Jährige. «Bewusst war mir nur, dass meine Comics vulgär waren, das war damals sehr ungewöhnlich für eine Frau.» Tatsächlich ermutigte Julie Doucets Beispiel viele andere Frauen dazu, selber Comics zu zeichnen.

Doch dann hatte Doucet vor siebzehn Jahren plötzlich genug: «Ich hatte eine mentale Blockade. Ich konnte einfach nicht mehr zeichnen. Und ich konnte mich selbst als Comicfigur nicht mehr ausstehen.» Letztlich habe es sich wie ein Burn-out angefühlt. Nicht allein das ständige Zeichnen, sondern vor allem auch die männliche Dominanz in der Comicwelt habe sie genervt.

Deshalb begann Julie Doucet, Druckgrafiken und Collagen zu machen. Diese werden nun genauso in ihrer ersten Retrospektive am Fumetto zu sehen sein wie Werke aus all ihren anderen Schaffensphasen. Auch ihre allerneusten Zeichnungen. Denn vor zwei Jahren hat Julie Doucet ­wieder angefangen zu zeichnen. Anders als in den Neunzigern und nicht unbedingt narrativ.

Aus­löser war das Attentat auf die Zeichner von «Charlie Hebdo». «Das machte mich sehr traurig», gestand Doucet dem «Comics Journal». «Am nächsten Tag begann ich wieder zu zeichnen. Es ergab wieder Sinn.» Sie habe sogar Anatomiebücher ausgeliehen, um sich selbst eine neue Art des Zeichnens beizubringen.

Zuschauerschwund droht

Ob ihre Fans ihr dabei folgen werden, ist die eine Frage. Ob es die Fumetto-Gäste tun werden, die andere. Denn die Organisation hat ausgerechnet ihre grosse Ausstellung nach Emmen verbannt. Das sind vom Festivalzentrum in der Luzerner Altstadt rund sechs Kilometer Bus- oder Zugfahrt. Suboptimal. Und ausser Julie Doucet locken keine anderen bekannten Namen ans Festival. Wenn das mal nicht auf die Be­sucherzahlen drückt.

Fumetto: 1. bis 9. April. www.fumetto.ch. Empfang mit Julie Doucet: 2. April, 15.30 Uhr, Akku-Kunstplattform, Emmen. Künstlergespräch mit Signierstunde: 9. April, 14 Uhr, Maskenliebhabersaal Luzern.

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