Wo Sisi ihre Sorgen vergass

Beliebte Sommerfrische und anregendes Künstlerzentrum, ehemalige Hochburg des Salzbergbaus und heutiger Treffpunkt der Narzissenfans. Über das Ausseerland, die geografische Mitte Österreichs, kann man viele Geschichten erzählen.

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«Auf zwei Dinge kann ich um nichts in der Welt verzichten – auf meinen Heimatort Altaussee und auf die Bühne des Wiener Burgtheaters.» Man muss kein Schauspieler wie Klaus Maria Brandauer sein, um seine Begeisterung zu teilen.

Der kleine Ort am gleichnamigen See ist eine echte Idylle, wie man sie heute nur noch sehr selten findet. Alte Häuser mit blühenden Blumen auf den Holzbalkonen, offene Gärten und so gut wie keine Bausünden, die das harmonische Ortsbild stören. Kein Wunder, dass Künstler hier Inspiration fanden. Im Literaturmuseum kann man sich in die reiche Kulturgeschichte vertiefen.

Aber erst einmal wird gewandert. Hinter der alten Kirche endet Altaussee, und der höchst romantische, unverbaute Seerundweg beginnt. Rund 6,5 Kilometer spaziert man ebenerdig am Ufer, meist unter Bäumen, immer die Berge im Blick. Die steile Trisselwand ragt direkt am Seeufer in die Höhe, und gegenüber sorgt der Dachsteingletscher für den Fixpunkt im Landschaftspanorama. Mehrere direkt am See gelegene Gasthäuser sind willkommene Etappenziele.

Im Museum erfährt man dann, wem das schon lange vor einem selbst gut gefallen hat. Erzherzog Johann, über dessen Liebe zu einem Altausseer Mädchen in Wien getuschelt wurde, gab sozusagen den Startschuss. «Das Ganze ein herrlicher mannichfaltiger Garten», frohlockte er.

Ihm folgte nicht nur Kaiserin Elisabeth, ja richtig, die Sisi, sondern auch Schriftsteller, Musiker und Maler. Johannes Brahms und Richard Strauss, Arthur Schnitzler und Adalbert Stifter verlebten in dem Dorf anregende Sommer. Ein Chronist verglich das dunkle Wasser des Sees mit einem Tintenfass, in das die Dichter ihre ­Federkiele tauchten. Und ein anderer schrieb: «Es ist ein Traum, oder besser gesagt, ein Märchen auf dem Boden der Wirklichkeit.» Hugo von Hofmannsthal veröffentlichte im «Simplicissimus» eine Erzählung über Altaussee, was den Bekanntheitsgrad noch steigerte.

Berühmte Sommerfrischler

Auf der Via Artis folgt man den Spuren der berühmten Sommerfrischler. Auch im benachbarten Bad Aussee gibt es einen solchen Künstler-Wanderweg (ebenso am Grundlsee). Er führt aus dem Ort hinaus zum Lenau-Hügel und über die Klaus-Maria-Brandauer-Promenade die Traun entlang zur Hofmannsthal-Linde, beides Plätze mit herrlichem Blick über das Ausseerland, einem abgeschiedenen Winkel des Salzkammerguts, der auch als Heimat der sogenannten Dichternarzisse gilt.

«Die Narcissus poeticus genannte Art wächst bei uns gar nicht, hier gibt es nur die Sternnarzisse.» Anna und Thomas Steiner müssen es wissen, sie sind die Leiter des Alpengartens von Bad Aussee, in dem 2000 verschiedene Pflanzen aus aller Welt zu Hause sind. Der Name Dichternarzisse klinge halt besser.

Im Mai, wenn auf den höher gelegenen, nicht intensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen immer mehr weisse Farbkleckse sichtbar werden, hat die Pflanze ihr Coming-out. «Unsere Narzisse, die zu den gefährdeten Arten zählt, ist mit ihrem schweren Duft schon was Besonderes», so Thomas Steiner.

Grosses Narzissenfest

Das sehen die Einheimischen und viele Urlauber ähnlich, denn zur Blütezeit steigt Jung und Alt zu den Wiesen empor. In gebückter Haltung sieht man sie Narzissen pflücken. «Das schadet den Pflanzen nicht», verrät Anna Steiner. Es dürfe aber nur der Stängel mit der Blüte abgeknickt werden. Viele der Blumen werden weiterverarbeitet zu grossen Figuren. Das österreichweit bekannte Narzissenfest steht vor der Tür.

Auf dem Platz vor dem Kammerhofmuseum in Bad Aussee kann man bei einem Schaustecken zuschauen. Die Blumen werden auf eine Länge gekürzt, zu mehreren zusammengebunden und in die Öffnungen einer Maschendrahtform gesteckt. So entstehen Märchen- und Fantasiewesen oder wie hier auf dem Platz ein Adventskranz aus Narzissen. Am Festsonntag (dieses Jahr am 28. Mai) werden die Kreationen dann mit einem Korso durch die Stadt gefahren und anschliessend auf Plätten, den traditionellen Booten, über den Grundlsee gerudert.

Sisis hymnische Verse

Wer weniger Trubel schätzt, dem bietet das Ausseerland schönste Rückzugsmöglichkeiten. Besonders ruhig ist es «unter Tag», im Salzbergwerk Altaussee. Dort, wo Hitler Raubkunst versteckt hatte und Szenen des Films «Monuments Men» gedreht wurden. Oder man macht einen Rundgang um den Kleinen Ödsee, der seinem Namen keine Ehre macht. Baden erlaubt. Oder man folgt Sisis Spuren. Von der Kaiserin weiss man, dass ihr die Dreiseentour besonders gut gefallen hat. Vom Grundl- über den Toplitz- zum Kammersee: ein Weg in die Berg- und Waldeinsamkeit.

Sisi übernachtete nach ihrer Dreiseentour in einem Hotel, das ­eigens für die Kaiserin eine Rosshaarmatratze angeschafft hatte. Danach war sie so fit, dass sie den Ausseer Hausberg, den Loser, zum dritten Mal bestieg und sich dann zu hymnischen Versen hinreissen liess: «O fraget nicht nach morgen, das Heut ist ja so schön! Verstreut ins Thal die Sorgen, lasst sie vom Wind verweh’n!» Dick aufgetragen? Mitnichten, schön ist es tatsächlich im Aus­seerland.

Tipps & Infos Infos: Tourismusverband Aus­seerland-Salzkammergut, www.ausseerland.at
Hoteltipps: «Die Wasnerin»: 5-Stern-Hotel mit attraktiven Pauschalen, bei Bad Aussee. Wellnessbereich, hervorragende Küche und viele Kulturangebote, www.diewasnerin.at «Hotel am See»: 4-Stern-Haus in Altaussee, direkt am See, mit Badestrand, www.hotelamsee.at
Narzissenfest: 25. bis 28. Mai Der Bootskorso findet dieses Jahr auf dem Grundlsee statt.ut (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 13:07 Uhr

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