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Berner Zeitreisen in Wort und Ton

Bern rockt und rollt seit 50 Jahren. Eine Doppel-CD und das Buch zur Serie in dieser Zeitung beleuchten Begegnungen mit Pionieren und Verlierern, Stars und Vergessenen. Das berührt, belustigt – und fasziniert.

Sie sind alle da. Die Helden. Von Hazy über Hofer bis zum Hasen. Die Tragischen. Von Chlöisu Friedli bis Sandra Goldner. Die Pioniere. Die Übergangenen. Die Stars. Die Aussenseiter. Sie kotzen sich die Seele aus dem Leib, und sie säuseln verführerisch. Sie schmirgeln und sie bezirzen. Sie belustigen mit «Blöffereien», sie machen betroffen. Und das Wichtigste: Sie faszinieren. Autor Samuel Mumenthaler sagt: «Buch und CD zu 50 Jahren Berner Rock sind Zeitreisen.» Zeitreisen in die Musikszene einer kleinen, grossen Stadt. Angefangen 1959, jedes Jahr eine Geschichte, eine Band, ein Mensch im Zentrum – von Kuno Laueners schlagerndem Vater bis zu den Laptop-Tüftlern Filewile. Zusammengetragen für eine Serie in dieser Zeitung – und jetzt doppelt verewigt: in Wort und Ton.

Das Buch: Menschen & Herz

«Die Berner Szene hatte immer wieder die Nase vorn – vom Swing bis zum Hip-Hop», sagt der 48-jährige Mumenthaler. Warum gerade hier? Diese Frage fasziniere ihn. Aber eine schlüssige Antwort hat er nicht gefunden. Nur so viel: «Es kann nicht nur am Berndeutsch liegen.» Grauzone sangen nicht in Mundart und waren mit «Eisbär» für einen internationalen Hit besorgt.

Mumenthaler ist – etwa als Züri-West-Mitgründer – selber Teil der Szene. Er spricht von einer Gratwanderung, von einem anderen Blick: vertrauter, aber nicht unbedingt weniger kritisch. Emotionaler, «aber hoffentlich nicht sentimentaler». Mumenthaler, Jurist, Journalist und Chronist des Berner Rock, lässt die Protagonisten erzählen, versucht, «die Person hinter der Musik zu erfassen». Sein Konzept – ein Jahr, eine Geschichte – hat zwar Tücken. Nicht immer passt es so punktgenau wie bei Züri West und 1994, als Kuno sein Herz verschenkte und die Herzen der Massen eroberte. Dafür entsteht ein spannender, bunter Bilderbogen, ein liebevoll gestalteter und reich illustrierter Einblick, der nie den Anspruch hat, vollständig zu sein.

Die CD: Hits & Trouvaillen

Sie sind alle da. Die Klassiker von «Eisbär» bis «Alperose». Die Lieder über Bern von Dänu Extrems Liebesgruss voller Zweifel («Bärn») bis «17:0», der Berner-Rock-Parodie von Bubi Rufeners Bishops Daughter. Die Raritäten und Trouvaillen von unveröffentlichtem Tonmaterial aus den 60ern bis zur «Louenesee»-Liveaufnahme. «Ich fand es wichtig, gerade auch der Gründergeneration viel Platz einzuräumen», betont Mumenthaler. CD 2 endet mit Baze, Greis und Endo Anaconda, die Chlöisu Friedlis «Wohäre geisch?» interpretieren. Der Schluss ist bewusst gewählt: «Das zeigt nach vorne, lässt alles offen.»

Zeitreisen, wahrhaftig: Mit Streiflichtern auf die enorme Vielfalt einer pulsierenden Szene, die seit 50 Jahren oft verblüfft und oft nervt, oft behäbig wirkt, aber immer wieder begeistert. Eine Szene, die kaum jemanden kaltlässt. Und eine Szene vor allem, die lebt.

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