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Die rarsten Berner Platten

Am Sonntag ist Schallplattenbörse im Kursaal. Welche Platten aus 50 Jahren Berner Rock sind besonders gesucht?

Was ist das teuerste Stück CH-Musik auf Tonträger? Der «Berner Bär» glaubte es zu wissen: Die Züri-West-Maxi-Single «Splendid», 1985 in einer Kleinauflage von 1000 Stück erschienen, mit Kuno Laueners Vater Willy auf dem Cover. «Wechselt heute bei Liebhabern für mehrere hundert Franken die Hand», munkelte das Gratisblatt.

Doch es gibt Wertvolleres, als Züri Wests Debüt: Aus der gesamtschweizerischen Szene, wo Beat- und Progressivrock-LPs von Bands wie The Sevens (aus Basel) und The Shiver (aus St.Gallen) weit über tausend Franken einbringen können, ziehen wir uns bescheiden ins heimische Gärtli zurück. Bleibt die Frage nach der rarsten Platte aus 50 Jahren Berner Rock.

Debüts von Polo und Kuno

Daniel Binggeli, Inhaber des Oldiesshop an der Effingerstrasse, einer der letzten Berner Oasen für Vinylliebhaber, schätzt den Sammlerwert von Züri Wests «Splendid» auf 150 bis 300 Franken – je nach Zustand und Nachfrage: «Für die Altersvorsorge reicht es also nicht.» Carlo Blötzer aus Grossaffoltern ist einer der führenden Sammler, wenn es um Schweizer Rock geht. In seiner Berner Hitparade taucht «Splendid» gar nicht erst auf. Dafür schwärmt er von einer Rarität, die Kuno Lauener vor seiner Zeit mit Züri West mit der Band Desiree aufgenommen hatte: Auf den Song «Läbeswäg» dürfte Kuno kaum stolz sein, aber die gleichnamige Single, die 1980 in einer Kleinstauflage erschien, gehört in jede Züri-West-Sammlung – und ist mit etwas Glück an einem Flohmarkt zu finden. Daneben verweist Blötzer auf Polo Hofers erste (englisch gesungene) Single, die der Interlakner Soul Shouter 1967 mit der Band Polo’s People einspielte. «Die stolzen Besitzer der wenigen erhaltenen Exemplare kennen sich», sagt Blötzer.

Einen Marktpreis für eine solche Rarität festzulegen, scheint unmöglich, da die Platte nie auftaucht. In der Sammlerbibel des Zürchers Philippe Bachelin mit Tausenden von Schweizer Platten wird sie als «top rar» eingestuft, was so viel wie «saumässig teuer» bedeutet.

«Wie warme Weggli»

«Auch die ‹gewöhnlichen› Polo Hofer- und Span-Singles finden bei uns immer Abnehmer», relativiert Daniel Binggeli, «‹Alperose› und ‹Louene See› könnte ich verkaufen wie warme Weggli.» Diese Berner Klassiker schafften es einst nur auf die B-Seite, und Musikboxenbesitzer sind auf Grund ihrer Seltenheit bereit, auch das Zehnfache des ursprünglichen Ladenpreises zu bezahlen.

So sprang unlängst die Firma Vinylhits in die Marktlücke und presste die alten Songs auf neue Singles. Aus den Anfängen des Berner Rock existieren kaum Schallplatten. Die einzige, 1962 erschienene Platte von Ischi Aschis Band The Pumas ist auch wegen ihres selbst gebastelten Umschlags heiss begehrt. «Kaum ein Sammler hat das Cover schon in Händen gehalten», weiss Carlo Blötzer. Was auch für die «schampar beschränkte Auflage» (200 Exemplare) der Patent Ochsner’schen «Schlachtplatte» mit handgemaltem Cover von Büne Huber gilt – jedes ist ein Unikat.

Ein lumpiger Haufen Geld

Immer, wenn hinter der Musik auch eine Jugendszene steht, interessiert sich eine weltweite Fangemeinde dafür. So werden für die Singles der Berner Punker Glueams von japanischen und amerikanischen Sammlern dreistellige Preise offeriert. Wers exotisch mag, kann nach den deutsch gesungenen LPs von Rumpelstilz oder Polos Schmetterding suchen – die Platten mit Versionen von «Lotti Lotti» («Gitte Gitte») oder «D’Rosmarie und i» («Ich und Rosmarie») sind selten. Mit etwas Glück und einem «lumpigen Haufen Geld» dürfte sich aber auch hier eine Lösung finden. Vielleicht schon an der Sammlerbörse im Kursaal?

Berner CD & Schallplattenbörse: Sonntag, 29.11., 10 bis 17 Uhr, Kursaal.

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