«Es ist schwierig, diesen Antihelden zu spielen»

Marcus Signer gewann 2012 den Berner Filmpreis für «Mary & Johnny». Nun spielt er den Titelhelden in Pedro Lenz’ Romanverfilmung «Der Goalie bin ig». Im Interview erzählt er, wie er mit dem Erwartungsdruck umgeht.

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Hans Jürg Zinsli@zasbros

Herr Signer, darf man Sie als filmischen Spätzünder bezeichnen? Marcus Signer: Nicht unbedingt. Ich hatte Anfang der Neunzigerjahre schon Filme gedreht. Aber vielleicht ist das inzwischen etwas verstaubt. In der Schweiz ist es ja auch so, dass man als Schauspieler nur gelegentlich Filme drehen kann – es sei denn, man startet völlig durch.

Sie starteten 2012 mit dem Film «Mary & Johnny» durch. Hätten Sie damals darauf gewettet? Nein, ich war völlig überrascht. Aber ich hatte auch Glück: Dass meine Filmfigur Mischa zum Erzähler der Geschichte und damit zur dritten Hauptfigur wurde, war zu Beginn gar nicht geplant.

Ist der Goalie eine ähnliche Figur wie Mischa? Nein, der Goalie ist kein Choleriker. Er muss viel einstecken. Wenn er austeilt, dann nur verbal. Zudem ist der Goalie keine gefährliche Figur wie Mischa, der seine Umgebung dominiert.

Wie bereiteten Sie sich vor? Ich habe versucht, den Goalie nicht zu weit weg von mir aufzubauen. Ich wollte keine künstliche Figur spielen, sondern mir verwandte Lebenssituationen in den Goalie einfliessen lassen.

Es gibt in der Geschichte einen grossen Zeitsprung – vor und nach Goalies Gefängnisaufenthalt. Mussten Sie zwei verschiedene Figuren erarbeiten? Nein. Es gibt nur einen kleinen Unterschied: Der Goalie in den Rückblenden legt eine Unbekümmertheit an den Tag, die er nach seiner Zeit im Gefängnis nicht mehr im selben Masse hat.

Der «Goalie» von Pedro Lenz war ein Bestseller. Wie gehen Sie mit dem Erwartungsdruck um? Ich versuche, nicht daran zu denken. Wenn ich mir ständig einrede, das muss super werden, würde ich mich verkrampfen. Dabei ist das Gegenteil gefragt: Der Goalie muss weich bleiben. Diese Figur ist wie ein Schwamm, der alles aufsaugt.

Wenn der Film ins Kino kommt, werden Sie im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Machen Sie sich Gedanken über Ihr Image? Nein. Jedenfalls will ich nichts Künstliches herstellen. Um mir die Möglichkeit für künftige Projekte offenzuhalten, möchte ich mich jedoch nicht auf einen Typ reduzieren lassen. Obwohl: Der jugendliche Liebhaber kommt für mich ohnehin nicht mehr infrage (lacht).

Sie erwähnten anfangs Ihre Filme aus den Neunzigerjahren. Warum machten Sie damals nicht weiter? Ich hätte mir in jener Zeit wohl einen Agenten nehmen sollen. Mir erschien das damals jedoch nicht wichtig. Ich war nicht so der verbissene Karrieretyp. Doch dann blieben plötzlich die Angebote aus.

Haben Sie jetzt einen Agenten? Nein. Ich bin nicht sicher, ob dies der richtige Weg für mich wäre. Vielleicht möchte ich lieber alleine die Entscheidungen treffen. Ich werde weiter darüber nachdenken und mich bei Kollegen informieren.

Berner Zeitung

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