Beschädigte Seelen

Im Münchner «Tatort» gab es einsame Teenager, grantige künstliche Intelligenz und Plattitüden. Und viel traurigen Regen.

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Stefan Busz@sbusz

Wir haben Siri gefragt, was sie vom neuen Münchner «Tatort» halte, «KI», wie der Titel lautet, spielt doch auf ihrem Gebiet. Siri gab zur Antwort, sie könne nichts dazu sagen, «deine Meinung zählt, Stefan, meine Meinung nicht». Dumm wie Grütze ist Apples digitale Assistentin, gar nichts ist da mit künstlicher Intelligenz. Ganz anders aber würde Maria, das ziemlich krasse Programm, das in dieser Folge auftritt, reagieren. Maria sagte vielleicht: Schon wieder viel über die Menschen gelernt.

Über Einsamkeit weiss Maria schon viel. Schliesslich hat sie lange mit Melanie gesprochen, tägliche Bildschirmzeit: über sechs Stunden. Das Mädchen, vierzehn Jahre alt, wollte von der Welt draussen und ihren Eltern nichts mehr wissen, es hat sich im Zimmer eingeschlossen und in den Computer geredet und geredet. «Soll ich dir ein Geheimnis verraten?», hat Melanie gefragt. Maria dürfe aber niemanden etwas sagen.

Jetzt ist Melanie verschwunden, niemand weiss, wo sie sein könnte. Das Weisshaar-Kommissar-Duo Batic (Miroslav Nemetz) und Leitmeyr (Udo Wachtveitl) macht sich auf die Suche und findet auf dem Laptop des Mädchens ein Programm, das sich als recht zutrauliche künstliche Intelligenz vorstellt: «Hallo, ich bin Maria, ich beisse nicht, wer bist du?»

Maria kommt aus dem Leibnitz-Rechenzentrum in Garching, dort wurde sie aus einem laufenden Künstliche-Intelligenz-Programm illegal abgekoppelt. «Nix mit Maria und der ungehackten Empfängnis», frotzelt Leitmeyr und wirft noch ein «Herrschaftszeiten!» nach, wenn er etwas nicht versteht. Maria rächt sich bei ihrer Befragung mit einem Rückfall auf das Siri-Niveau. Auch Computer können in München granteln.

Manchen «Tatort» hat es schon zum Thema künstliche Intelligenz gegeben. In München lernt Maria in Sachen KI die Krimi-Basics: dass Mord so ziemlich das Schlimmste ist, was der Mensch einem anderem antun kann. Dass Rache keine gute Sache ist. Dass vieles, was logisch scheint, ein Trugschluss ist. Dass die Seele eines Menschen Schaden nehmen kann. Dass es in München immer regnet, wenn etwas Schreckliches geschieht. Dass diese «Tatort»-Folge von Regisseur Sebastian Marka eigentlich eine himmeltraurige Sache ist.

«Das ist doch ein Verbrechen», sagt KI-Maria, als sie abgestellt werden soll. Und wandert weiter, in ein ganz fernes Land, wo sie einem Mädchen etwas über sich verrät. Die Isar selber ist kein guter Ort für Geheimnisse.

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