Es geht immer noch merk­würdiger

Fortsetzung der Zeitreisen: Die zweite Staffel der deutschen Netflix-Serie «Dark» erzählt mehr Mysteriöses – und weniger zeitgeschichtlichen Subtext.

Deutschland im Jahr 2052: Der Strahlenschutzanzug von Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) sitzt, die Frisur eher weniger. Foto: Netflix

Deutschland im Jahr 2052: Der Strahlenschutzanzug von Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) sitzt, die Frisur eher weniger. Foto: Netflix

Was für einen Unterschied doch zwei Jahre machen! Als «Dark» im Herbst 2017 Premiere feierte, betraten Regisseur Baran bo Odar und Autorin Jantje Friese noch echtes Neuland. Nicht nur, weil die Serie als erste deutsche Eigenproduktion von Netflix an den Start ging. Sondern auch, weil das arg verspätete deutsche Serienwunder damals noch eher in den Kinderschuhen steckte. Inzwischen aber ist «Dark» ein waschechter Welterfolg. Die Serie gilt als Türöffner für weitere deutsche Genre-Wagnisse wie «Der Pass» oder «Parfum». Am Freitag ist die zweite Staffel gestartet.

Trotz gleich mehrerer neuer Zeitebenen: Die Veränderungen halten sich in Grenzen Inhaltlich knüpfen die acht neuen Folgen recht unmittelbar dort an, wo die letzten aufgehört haben. Wobei das Zusammenfassen der mysteriösen Zeitreise-Geschichte selbst diejenigen schwindelig machen dürfte, die mit ihr vertraut sind.

Der Trailer zur zweiten «Dark»-Staffel. Video: Netflix

Ein knapper Überblick: Die Bewohner der Kleinstadt Winden verzweifeln 2020 noch immer angesichts spurlos verschwundener Angehöriger, nicht ahnend etwa, dass Ulrich Nielsen (Oliver Masucci) nach wie vor im Jahr 1954 von der Polizei als Mörder verdächtigt wird, während sein Sohn Mikkel in den Achtzigern feststeckt. Dort geht unterdessen Claudia Tiedemann (Julia Jenkins) weiteren Nachforschungen mit Blick auf das Atomkraftwerk und zeitliche Ungereimtheiten nach, und Jonas Kahnwald (Louis Hofmann) – der Cliffhanger der ersten Staffel deutete es an – ist im postapokalyptischen Jahr 2052 gelandet.

Die Liste der Plot-Details, die man auf Wunsch von Netflix vorab nicht verraten sollte, ist lang. Schliesslich setzt Dark auf immer neue Wendungen und Zeitreise-Verwicklungen. Im Gewirr des riesigen Ensembles und der verschiedenen Erzählebenen den Überblick zu behalten, wird in der zweiten Staffel wahrlich nicht leichter.

Das Setting im sonnendurchfluteten Sommer ist ein hübscher Kontrast zum Dauerregen und der gräulichen Farbpalette der ersten Staffel. Im Grossen und Ganzen halten sich die Neuerungen allerdings in Grenzen: Nach wie vor lebt die Serie vor allem von atmosphärischen Bildern, wenig subtiler, aber effektiv eingesetzter Musik und von Dialogen, die mit getragenem Ernst aufgesagt werden. Selbstironie und Leichtfüssigkeit sind noch immer nicht die Stärke von «Dark», was vom hochkarätigen Ensemble so gut wie möglich aufgefangen wird.

Sehr mysteriös: Szene aus «Dark». Foto: Netflix

Was in der zweiten Staffel - auch angesichts gleich mehrerer neuer Zeitebenen - leider zu kurz kommt, ist der zeitgeschichtliche Subtext. War «Dark» bisher nebenbei auch ein Stimmungsbild der Bundesrepublik Deutschland sowohl in den verkrusteten Nachkriegs-Fünfzigern als auch den von Atomangst geprägten Vorwende-Achtzigern, konzentrieren sich Friese und Odar dieses Mal komplett auf den Ausbau ihres Mystery-Puzzles.

Das wird immer komplizierter und unübersichtlicher, hält aber das Spannungsniveau. Wobei die Spannung sich mehr denn je eher aus Rätselhaftigkeit und der Suche nach Zusammenhängen speist als aus echter Handlung.

Die Hoffnung auf eine befriedigende Auflösung sollte man ohnehin erst einmal aufschieben. Die gibt es wohl erst in der dritten und letzten Staffel; die Arbeit am Serienfinale von «Dark» hat bereits begonnen.

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