«Es ist ein guter Moment, aufzuhören»

SRF stellt die erfolgreiche Krimiserie «Der Bestatter» im nächsten Jahr ein. Der Berner Schauspieler Reto Stalder alias Fabio Testi hat noch keine Zeit zum Trauern.

<b>Auf Abschiedstour:</b> Fabio Testi (Reto Stalder, links) und Luc Conrad (Mike Müller) in der TV-Serie «Der Bestatter». Das Format wird im nächsten Jahr eingestellt.

Auf Abschiedstour: Fabio Testi (Reto Stalder, links) und Luc Conrad (Mike Müller) in der TV-Serie «Der Bestatter». Das Format wird im nächsten Jahr eingestellt.

(Bild: zvg/SRF)

Eine Todesanzeige, ein gutes halbes Jahr bevor der Betrauerte überhaupt gestorben ist. Ja, auch das gibts. SRF publizierte die nicht frohe Botschaft am Montag. «In tiefer Dankbarkeit und Erfüllung nehmen wir Abschied von der erfolgreichsten Schweizer Krimiserie», steht darin, der Text ist umrahmt von Trauerbalken. Anfang 2019, und das ist die Kernaussage des Leidzirkulars, wird «Der Bestatter» eingestellt. Die siebte Staffel der Serie ist auch die letzte.

Damit geht eine Erfolgsgeschichte zu Ende. Die Serie mit Mike Müller als fahndendem Totengräber Luc Conrad ist über Jahre hinweg ein Publikumsmagnet. «Der Bestatter» erreicht zwischen 2013 und 2017 immer um die 40 Prozent Marktanteil. Das ist ein starker Wert. Die anderen auf dem gleichen Sendeplatz am Dienstagabend ausgestrahlten Krimis kommen jeweils auf um die 25 Prozent.

Grosser Steigerungslauf

Als alles beginnt, deutet allerdings wenig darauf hin, dass es wirklich eine gute Idee ist, in einem TV-Krimi einen Bestattungsunternehmer Ermittlungsarbeit verrichten zu lassen. Am 8. Januar 2013, als die 57 Minuten und 21 Sekunden lange, erste «Bestatter»-Folge «Schweres Erbe» zu Ende ist, muss man gar das Schlimmste befürchten.

Die Episode ist einigermassen spannend, Müller einigermassen überzeugend und Aarau als Schauplatz eines Mordes auf einer Hühnerfarm einigermassen glaubwürdig. Richtig schlecht aber sind die Dialoge, die zweitklassigen Nebendarsteller. Und die allgegenwärtigen Bünzlisprüche.

Stellenweise wähnt man sich an einer Laientheatervorstellung. Ein User von Bernerzeitung.ch schreibt: «Auch wir Schweizer schlafen beim Sprechen nicht beinahe ein!»

Dann aber folgt der ganz grosse Steigerungslauf. Mit jeder Folge werden die Geschichten – und mit ihnen die Darsteller – besser. Rasch ist die Frage nicht mehr, ob es mit dem «Bestatter» nach der vierteiligen ersten Staffel weitergehen wird, sondern nur noch, wann. 2014 folgt die zweite Saison, 2015 die dritte.

Es geht weiter, immer weiter, bis heute. Ende dieser Woche nehmen Müller und Co. die Dreharbeiten für die siebte Staffel in Angriff. Die Serie wurde fürs Westschweizer Fernsehen synchronisiert und ins Ausland verkauft. «Der Bestatter» lief unter anderem in den USA, in Kanada und in Deutschland.

Und jetzt also: das Ende, das Begräbnis, die letzte Reise des «Bestatters». Man müsse aufhören, wenn man könne, nicht wenn man müsse, lässt Hauptdarsteller Müller verlauten. Und SRF-Direktor Ruedi Matter schreibt in einem Würdigungstext von der «guten Grundidee», den «starken Storys» und vom «Herzblut von Cast und Crew».

Gemeinsamer Entscheid

Der Sender und die Darsteller hätten gemeinsam entschieden, die Serie nicht weiter zu produzieren, teilt SRF mit. Das stimme, sagt der Berner Schauspieler Reto Stalder, der im «Bestatter» seit Anbeginn als Fabio Testi zu sehen ist. «Alle waren sich einig, dass es ein guter Moment ist, aufzuhören.»

Mike Müller zum Serienende von «Der Bestatter». Video: SRF

Positiv wertet der 32-Jährige auch, dass der Entscheid früh kommunziert worden ist: «So können wir den letzten Sommer geniessen und uns voll auf unsere Arbeit konzentrieren.»

Zeit zum Trauern habe er noch nicht, sagt Stalder, dessen Figur sich im Laufe der Jahre vom Grufti-Praktikanten zum Teil­haber von Conrads Bestattungsunternehmen hochgearbeitet hat. «Aber», sagt er, «wenn ich dann zum letzten Mal das Fabio-Kostüm anziehe, wird das ein einschneidender Moment.»

In den vergangenen Jahren habe er diverse Anfragen für die Sommermonate abgelehnt, weil jeweils die «Bestatter»-Dreharbeiten auf dem Programm standen. Er freue sich nun auf neue Herausforderungen, sagt Stalder, habe keine Angst um seine Zukunft als Schauspieler. «Ich glaube nicht, dass ich stempeln gehen muss.»

Raum für Neues will auch SRF nach der «Bestatter»-Beerdigung schaffen. Es ist möglich, dass der öffentlich-rechtliche Sender eine neue Serie aus dem Boden stampft, womöglich gar mit Mike Müller, wie Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion bei SRF, dem «Blick» sagt: «Wir haben Ideen für weitere Projekte, aber noch kein verabschiedetes Konzept für ein Nachfolgeformat mit ihm in der Hauptrolle.» Bereits fest steht, dass es von «Wilder» und «Seitentriebe» zweite Staffeln geben wird, die 2019 auf Sendung gehen.

Fest steht auch, dass der «Bestatter» eine Feuerbestattung erhält, zumindest im übertragenen Sinn. In der Abschiedsstaffel werde es für Luc Conrad nochmals «richtig heiss», schreibt SRF. «Feuer vernichtet Existenzen, und es steht im Zentrum eines spektakulären Falls, dessen Lösung dem Ermittlergenie alles abfordert.»

Alle bisherigen Folgen online: www.srf.ch/play.

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