Glücklich sein mit Arno Camenisch

Ein Filmteam hat den in Biel lebenden Bündner Autor Arno Camenisch ein Jahr lang begleitet. Entstanden ist ein ebenso stilles wie präzises Porträt eines Getriebenen.

Arno Camenisch: Vielleicht der unkonventionellste Autor der Gegenwart.

Arno Camenisch: Vielleicht der unkonventionellste Autor der Gegenwart.

Arno Camenisch sitzt auf dem Fensterbrett seiner Wohnung in der Bieler Altstadt. Er isst ein Stück Schwarzwäldertorte und kommt ins Sinnieren – wie oft, wenn er Schwarzwäldertorte auf dem Tellerchen hat. «Fast so etwas wie Glück», sagt er dann. Es ist einer von vielen stillen Augenblicken, die Christina Pollina und Gian Rupf in ihrem Dokumentarfilm über den vielleicht unkonventionellsten jungen Schweizer Autor der Gegenwart eingefangen haben.

Für «Schreiben auf der Kante» haben die Filmemacher den Träger des Schweizer (2012) und des Berner Literaturpreises (2011) ein Jahr lang begleitet. In scheinbar banalen Momenten lässt Camenisch den Zuschauer an seiner Getriebenheit teilhaben, am Entstehen seiner literarischen Mikrokosmen, die er in Deutsch und Rätoromanisch aufs Papier bringt: Der 37-Jährige sitzt in seiner Schreibstube in Biel und raucht. Er fährt mit dem Taxi in New York an eine Lesung und fragt, ob er rauchen darf. Er spaziert mit seinem Vater einen Bach in seiner Bündner Heimat entlang und raucht. Er besucht die Alp, auf der sein Bestseller «Sez Ner» spielt, und raucht.

Und immer spürt man, wie er dabei kleine Geschichten aufsaugt, wie offen seine Sensoren sind, wie stark seine Faszination für Randfiguren ist. Er habe gelernt, dass eine Frau, die hinke, ihn viel stärker interessiere als ein Model auf dem Laufsteg, sagt Camenisch. Und so liegt gerade in der Einfachheit die Faszination von «Schreiben auf der Kante». Das 50-minütige Werk ist ein stilles, langsames Porträt voller präziser Momentaufnahmen, die die Eigenartigkeiten des Autors in aller Sanftheit rüberbringen. Für Zuschauer ist das im Zeitalter von Mike-Shiva-Dokusoaps und den grössten Schweizer Talenten: fast so etwas wie Glück.

Berner Zeitung

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