Rebell im eigenen Haus

Ueli Schmezer möchte SRF-Direktor werden. Darf er aber nicht. Jetzt ist der Berner hässig.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Der «Kassensturz»-Mann hat das Prozedere geprüft und für ungenügend befunden. «Dass ergebnisoffen in alle Richtungen gesucht wird – was, wie es heute scheint, nicht geschehen ist.» Und: «Da muss man nicht überkritisch sein, um das so zu sehen.» Und auch: «Das hat mich dann skeptisch gemacht.»

So Ueli Schmezer diese Woche im Magazin «Medienwoche». Schmezer sprach nicht über die Herstellung von Zahnpasta oder die Montage eines Velos. Sondern über die Art und Weise, wie sein Arbeitgeber gerade die Nachfolge für Direktor Ruedi Matter bestimmt.

Rächer des kleinen Mannes

Er stehe für Service public, sagt Schmezer, der 1983 an den Leutschenbach kam und blieb. Er wurde stellvertretender Leiter sowie Moderator des «Kassensturz». Schmezer ist der Rächer des kleinen, vom Kapitalismus geprellten Mannes. Seine Verhöre im Studio – Berner Nonchalance kombiniert mit humorlosem Nachhaken – treiben zuverlässig Schweiss auf Unternehmer-Stirnen.

Für Schmezer ist das Leistungsausweis genug, um sich als TV-Direktor zu bewerben. Er sieht sich als Garant des Qualitätsjournalismus und als Kitt der bröckelnden Zuschauerbindung. «Wir haben die Leute jeden Tag am Telefon.»

Die nächste Watsche folgt

Die SRG-Spitze jedoch, sie ist wenig beeindruckt. Auf sein Bewerbungsschreiben hin wurde Schmezer beschieden, er habe keine Chance. Auf eine Anhörung verzichtete man gleich ganz. Schmezer schrieb ein Wiedererwägungsgesuch. Worauf ein weiteres «Nein» folgte.

Man hätte ihn auf Herz und Nieren prüfen können, sagt Schmezer, «mit einem Assessment oder mit einem Psychotest. Wenn man danach zum Schluss kommt, dass ich mich nicht eigne, dann akzeptiere ich das.» Es ist nicht Schmezers erste öffentliche Konfrontation mit seinem Arbeitgeber in jüngster Zeit. Als Pedro Lenz sich über den Umzug des Radiostudios nach Zürich empörte, bedankte sich Schmezer auf Twitter beim Schriftsteller.

Das grosse Manko von Schmezers Bewerbung ist offensichtlich: Als Direktor wäre er Chef von 2200 Angestellten, ohne vorher je ein grosses Unternehmen geführt zu haben. Zudem ist sein Lebenslauf das Gegenteil einer zielgerichteten Funktionärskarriere.

Ueli Schmezer alias Jules

Nach einer Ausbildung zum Lehrer wollte der Sohn von Schriftsteller Guido Schmezer lieber was anderes machen, schrieb sich an der Uni ein, brach das Wirtschaftsstudium dann aber wieder ab. In den 80ern verwandelte sich Ueli Schmezer in den Disco-Sänger Jules. Die soften Electro-Stücke finden bis heute Hörer, erst letzte Woche schrieb ein russischer Youtube-User unter einen Schmezer-Song: «Grossartige Komposition!» Später nahm Schmezer Kinderlieder auf, coverte Mani Matter, versuchte sich als Mundartrocker. Beruflich wechselte er von Jugendthemen zum Sport zum Konsumentenschutz.

Dass Schmezer sich auch mal einen Chefposten zutraut, verwundert da nicht. Dass die SRG die Sache etwas anders sieht, allerdings auch nicht. Nächste Woche entscheidet das Unternehmen, wen es Ueli Schmezer vorzieht, wer auf Ruedi Matter folgt. Und man nehme Schmezers Kritik «zur Kenntnis» und werde «in angemessenem Rahmen darauf reagieren», so ein Sprecher.

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