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Sechs Schweizer im «Wilden Osten»

Die neue SRF-Dok-Serie «Abenteuer Moskau» zeigt das Leben von Schweizern in Russlands Hauptstadt – zwischen Sittenzwängen und Stau.

800 Schweizerinnen und Schweizer leben in Russland. Sechs von ihnen lernen die Zuschauer ab heute Abend im Verlauf der vierteiligen Serie kennen. Sie seien sechs, die den Mut gehabt hätten, sich im «Wilden Osten» niederzulassen, schreibt SRF. Schafft es die Serie trotzdem, hinter das westliche Klischee zu blicken und den Alltag in einer russischen Normalität zu zeigen?

Die sechs Protagonisten öffnen für die Dok-Serie jedenfalls mehr als nur ihr Urlaubsalbum. Sie zeigen, wo sie wohnen, wie ihr Familienleben aussieht, und nehmen einen zur Arbeit mit.

Die sechs Mutigen

Das ist zum Beispiel Svetlana Guggenbühl. Die studierte Ökonomin will mit ihrem Kaffeebusiness durchstarten. Mit Julie Bächthold fährt man aufs Land, in die Datscha, das Wochenendhaus ihrer russischen Schwiegereltern. Hotelier Dominique Godat poliert im Auftrag eines Oligarchen das Hotel Metropol wieder auf. Nicht so glänzend sieht es bei Bauunternehmer Roland Lei momentan aus. Die unsichere politische Lage schreckt seine Kunden aus dem Westen ab.

Dorothea Kolde hat gerade ihren russischen Ehemann verlassen. Doch zurück in die Schweiz möchte sie nicht. Sie hängt an ihrem Job als Beobachterin für Menschenrechte und ihre Tochter im Teenageralter möchte unbedingt in Moskau bleiben. Sie kennt nichts anderes.

Ob die Kinder von Lorenz Wider auch bald nicht mehr aus Moskau fort wollen, wird sich erst noch zeigen. Der Chef von Julie Bächthold ist neuer Leiter des Swiss Hub. Er berät Schweizer Unternehmen, die auf dem russischen Markt Fuss fassen wollen.

Wie wild ist der Osten in «Abenteuer Moskau»?

Verschiedene Berufe, verschiedene Alltagswelten, und doch sind die sechs verbunden: Sie alle lieben Russland. Aber nicht auf eine verklärte Weise. Die meisten wussten gut, worauf sie sich einliessen. Kolde, Bächthold und Widmer etwa waren bereits vor ihrem jetzigen Aufenthalt im Lande, gar noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Dass das Sowjetreich ein gut für die Zukunft gerüstetes Terrain hinterlassen würde, glaubte so also sicher niemand von ihnen.

Und so verlangt der Alltag den Protagonisten auch immer wieder einiges ab. Bereits die erste Folge der SRF-Serie zeigt, dass im Ausland leben nicht nur heiter ist und sich das Abenteuer auch ungefragt immer wieder mal ergibt. Der Alltag verlangt den Protagonisten auf verschiedenen Ebenen einiges ab. Stau, Rechtsunsicherheit, Sittenzwänge, Trennung von Kindern und Partner, das Geschäft am Laufen halten oder überhaupt erst mal zum Laufen bringen.

Doch Unternehmer Lei scheint nach vielen Jahren im wilden Osten mit allen Wassern gewaschen. Sein Konzept: Kontrolle, aber auch viel Gottvertrauen in die russische Improvisation, eine Kunst, die auch auf Leis Baustelle zum Einsatz kommt.

Der kritische Blick bleibt

Doch alle Gepflogenheiten wollen die Protagonisten trotz ihrer Anziehung zu Russland nicht einfach so übernehmen. Gegen die Einmachgläser ihrer russischen Schwiegermutter wehrt sich Julie Bächthold nicht, gegen blinden Russlandpatriotismus aber schon. An einem Gedenkmarsch für Gefallene des Zweiten Weltkrieges macht sich Bächthold Gedanken über Nationalstolz, die Seele des russischen Volkes, ihre eigene Identität. Sie fühle sich weder als Russin noch als Schweizerin und bewahre den kritischen Blick für die politischen Entwicklungen in Russland.

Auch die anderen Protagonisten haben ihren ganz eigenen Weg gefunden, wie sie die Lebenswelten von Moskau und ihrer Heimat in der Schweiz verbinden. Dorothea Kolbe fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, das hat sie auch in Genf so gemacht. Svetlana Guggenbühl weiss, dass sie jederzeit einen Flug in die Schweiz buchen kann, wenn ihr der Moloch Moskau zu viel wird. Zwar kennt sie die Stadt gut. Sie wuchs die ersten acht Jahre ihres Lebens dort auf und fühlt sich eher als Russin. Trotzdem kann der Alltag anstrengend sein. Viele Menschen, weite Distanzen.

Moskau schläft nie, bleibt trotz Alltag immer ein bisschen wilder, als wir es uns in unseren beschaulichen «Metropolen» gewohnt sind. Ein «Abenteuer Moskau» eben.

Die erste von insgesamt vier Folgen wird heute Freitag, 18.5. ausgestrahlt. 21 Uhr, SRF 1. Die weiteren Folgen werden bis 8. Juni jeweils ebenfalls freitags, 21 Uhr, gezeigt. Mehr Informationen zur Sendung finden Sie hier.

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