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Susan, verzweifelt gesucht

Die Arien-schmetternde Bus-Chauffeuse aus «Die grössten Schweizer Talente» ist eine bestens ausgebildete Opernsängerin - nicht die einzige Merkwürdigkeit der Sendung.

Gross war das Entzücken von Publikum und Jury bei der neuen SF-Show «Die Grössten Schweizer Talente», als die Basler Bus-Chauffeuse Maya Wirz eine Arie hinschmetterte. Das erinnerte natürlich an das Castingwunder Susan Boyle; wie bei der Schottin sah man bei der Jury zuerst skeptische Blicke, dann Erstaunen und schliesslich Standing Ovation. «Mein grösster Traum war schon als Kind, professionelle Opernsängerin zu werden», so Maya Wirz.

Dass man eine Schweizer Susan Boyle inszeniert, ist nicht gerade originell, aber funktioniert wohl einfach zu gut, um darauf zu verzichten (in der US-Version der Show kam eine ähnliche Figur vor). Nun kam heute heraus, dass Maya Wirz nicht bloss Bus-Chauffeuse, sondern eine bestens ausgebildete Opernsängerin ist. Wie Radio Pilatus heute berichtete, ist Wirz Mitglied des Ensemble Classico.

In einer inzwischen nicht mehr aktivierten Unterseite des Ensembles stand über Wirz offenbar geschrieben: «Von 1981 -1992 besuchte ich diverse Gesangsakademien wie die Musikakademie Basel, Opernstudio Basel mit Diplom, Opernstudio Biel mit Diplomabschluss. Meisterkurse in Deutschland, Italien und Österreich folgten. 1994 erwarb ich das Solistendiplom am Konservatorium in Luzern mit Auszeichnung.»

Schon ist von der «falschen Susan Boyle» die Rede. Gegenüber Redaktion Tamedia betsreitet SF-Sprecher Martin Reichlin dies: «Wir wussten von Frau Wirz’ Gesangsausbildung. Doch was soll daran falsch sein? Auch Susan Boyle hat eine Gesangsausbildung. In der Show geht es um Menschen, die ein Talent haben, das sie einer breiten Öffentlichkeit noch nicht unter Beweis stellen konnten.»

Gagen bezahlt?

Bereits gestern wurden in der Zeitung «Sonntag» die Auswahl der Kandidaten der neuen SF-Show angezweifelt. «Man hatte enorm Mühe, unterschiedliche und charismatische Künstler zu finden. So kontaktierte das Schweizer Fernsehen unüblicherweise Künstler und Agenturen, und bettelte um Anmeldungen», wird ein Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens zitiert. Einigen Teilnehmern habe man Gagen in Form von Spesen angeboten und ihnen garantiert, sie auf keinen Fall vor der Kamera blosszustellen. Dazu Reichlin: «Die Spesen wurden individuell nach Aufwand wie Reise- oder Materialkosten entrichtet. Von Gage kann keine Rede sein.»

Dass man Schwierigkeiten hatte, originelle Talente zu finden, darauf deutet auch die Teilnahme von Kandidatin Natalia Macauley hin. Ihr Beitrag war schon in der RTL-Show «Das Supertalent» zu sehen. Wie Reichlin bestätigt, meldeten sich nach dem Castingaufruf im vergangenen Jahr viele Gesangstalente: «Um eine andere Durchmischung zu erreichen, haben wir auch aktiv nach Kandidaten gesucht.» Die Strategie, per Aufruf und per Aktivsuche Kandidaten zu rekrutieren, sei Teil des Formats.

Was denken Sie: Hätte das SF Wirz' Gesangsausbildung erwähnen sollen - oder spielt der biografische Hintergrund bei einer Show wie «Die Grössten Schweizer Talente» keine Rolle?

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