Vom Teufel geholt

Als Nachfolger des legendären US-Talkmasters Larry King ist der britische Krawalljournalist Piers Morgan gescheitert. Seine Zukunft ist ungewiss, doch Sorgen muss man sich nicht um ihn machen.

"Reporter des Satans": Piers Morgan hat sich in seiner Karriere zahlreiche Feinde gemacht.

"Reporter des Satans": Piers Morgan hat sich in seiner Karriere zahlreiche Feinde gemacht.

(Bild: Keystone)

Das Mitleid hielt sich in Grenzen. Nachdem am Montag bekannt geworden war, dass der US-Kabelsender CNN die Talkshow «Piers Morgan Live» absetzt, gossen vor allem die Briten Kübel voll Häme über dem Mann aus, der dem Sendeformat den Namen gab: Piers Morgan, 48, Engländer, bei CNN seit drei Jahren als Nachfolger des langjährigen Aushängeschilds Larry King aktiv, ist in Amerika gescheitert. «Ich habe gehört, dass das nigerianische Fernsehen einen Talkmaster sucht», liess sich Morgans Landsmann und langjähriger Intimfeind Jeremy Clarkson auf Twitter vernehmen, während der Kolumnist James Delingpole nüchtern feststellte, seit General Robert Ross, der 1814 das Weisse Haus niederbrennen liess, habe niemand den anglo-amerikanischen Beziehungen eklatanteren Schaden zugefügt als Morgan.

Die härteste Schule

Dass die Entlassung den Briten nachhaltig erschüttern wird, steht trotz des polemischen Donnerwetters kaum zu befürchten. Denn bevor Morgan nach Amerika auswanderte, durchlief er die denkbar härteste Schule, auf die ein Journalist in der westlichen Welt gehen kann: In England, wo sich mehr als ein Dutzend seriöse und weniger seriöse Zeitungen Tag für Tag um die Käufer am Kiosk balgen, arbeitete sich der Sohn irischer Eltern bei der «Sun» hoch, wurde mit 29 Chef­redaktor der «News of the World», um ein Jahr später zum Boss des «Daily Mirror» aufzusteigen.

Besonders zimperlich operierte der «Reporter des Satans» («Weltwoche») dabei nie, vor allem nicht, wenn es darum ging, bis tief ins Privatleben der Reichen, Schönen und Mächtigen vorzustossen: In den Buckingham-Palast liess Morgan einst einen Reporter einschleusen, der dort der Queen als Butler den Tee servierte und ihrem Gast, dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush, ein Bettmümpfeli aufs Kopfkissen legte.

2004 wurde Morgan als Chefredaktor des «Daily Mirror» gefeuert. Der unehrenhaften Entlassung vorausgegangen war die Publikation gefälschter Fotografien, die angeblich britische Soldaten beim Urinieren auf einen irakischen Gefangenen zeigten. Es war der sprichwörtliche Tropfen zu viel, nachdem der Chefredaktor vier Jahre zuvor seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen konnte: Damals hatte er für 20000 Pfund Aktien gekauft, die einen Tag später in der Finanzkolumne seines Blattes zum Kauf empfohlen wurden.

Ein unerwünschter Ausländer?

Mit der Abfindung von 1,7 Millionen Pfund, die ihm der «Mirror» zahlte, hätte sich Morgan beinahe schon zur Ruhe setzen können. Statt­dessen startete der «Mann ohne moralischen Kompass», als den ihn Cherie Blair, die Ehefrau des früheren Premierministers, bezeichnete, eine zweite Laufbahn in den USA. Auch dort eckte er an, aufgrund seiner konfrontativen Fragetechnik, aber auch wegen seines Eintretens für strenge Waffengesetze.

Letzteres führte dazu, dass konservative Kreise forderten, Morgan als unerwünschten Ausländer auszuweisen. Zum Verhängnis wurde ihm nun jedoch etwas ganz anderes: seine anhaltende Erfolglosigkeit. Gerade einmal 600000 Zuschauer mochten am Ende durchschnittlich noch einschalten. Was Morgan nun anfangen wird, weiss er wohl selbst noch nicht. Dass er der Öffentlichkeit erhalten bleibt, ist jedoch anzunehmen.

Basler Zeitung

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