Von Bomben und Würsten

Der letzte «Tatort» war ein Kölner. Man bekam, was zu erwarten war. Nur etwas fehlte. Etwas Wichtiges, ja Essenzielles.

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Linus Schöpfer@L_Schoepfer

Geben wirs zu, so eine Currywurst ist herrlich. Besonders am Ende eines ordentlichen Tages, kombiniert mit tüchtig Fritten, viel Ketchup und letzten Sonnenstrahlen, die sich spiegeln in einem frisch gezapften Bier, das – ist so ein Glück zu fassen?! – nicht allzu sehr perlt. Da wird einem wohl wie siebzehn Säuen.

Die Currywust ist der Talisman des Kölner «Tatorts», und eine gewisse Grundgemütlichkeit hilft einem auch, sich am inhaltlichen Mischmasch und der formalen Schlabbrigkeit der Serie schadlos zu halten.

Ballauf und Schenk, die zwei Kommissare, untersuchten diesmal den Fall respektive das Liegenbleiben einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Erstaunlicherweise fielen damals ein paar Bomben aus riesiger Höhe auf den Boden und platzten trotzdem nicht. Jetzt liegen sie scharf herum.

So wie die englische M57-Bombe in diesem «Tatort». Sie explodierte, obwohl doch angeblich bereits entschärft, und liess den Bombenentschärfer gleich mit hochgehen. Erst ging man von einem Arbeitsunfall aus, dann die Erkenntnis: Es war gar nicht die Fliegerbombe, sondern eine untergejubelte Handgranate.

Stulle im Maul

Dazwischen gabs unwichtige Szenen. Zum Beispiel diese: Ein Beamter knabbert in einem abgedunkelten Büro an einer Stulle, ist ganz und gar gemütlich. Dann wird er von den Kommissaren gestört, sie wollen etwas von ihm – Hilfe, Unterstützung. Der Beamte mümmelt, Stullenstückchen im Maul: «Kümmere ich mich drum, nach meiner Pause.» Sowas zieht die Zeit natürlich ganz schön in die Länge. Und so gemahnte dieser Film mitunter ein wenig an eine gestreckte Mettwurst.

Dann die Suche nach dem Handgranaten-Täter. Es konnte ein Bekannter der Frau des bedauernswerten Hochgewummsten sein. Oder ein anderer Bekannter, der sich betrogen fühlte. Oder der irre Pokerspieler. Oder Selbstmord. «Wer könnte denn ein Interesse daran gehabt haben, dass Peter stirbt?», fragte einer. «Das versuchen wir ja gerade herauszufinden», erklärte Ballauf.

Ja, es war vertrackt. Fast ein wenig wie vorm Wurststand. Mit Darm, oder ohne? Ketchup? Oder doch die Majo? Die Kommissare waren nicht zu beneiden.

Der Immobilienhai und die kleinen Fische

So gings von der Polizeistation zum Spielcasino zum Maklerbüro und wieder zurück. Am Schluss war klar, Blindgänger waren verheimlicht worden wegen eines Bauprojekts. Der Immobilienhai war der böse Boss, und ein paar kleine Fische erledigten Drecksarbeit.

Nichts also, was einem aus dem Sofa hätte aufschrecken können. Zumal ja auch die letzte Bombe sauber entschärft wurde. Schade bloss, dass Ballauf und Schenk ihren traditionellen Besuch des Currywurststands offenbar aufgegeben haben – als schämten sie sich der Wurstigkeit.

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