Frida, komm bald wieder

Soundcheck

Es war ihr erstes Konzert in Europa: Die libanesische Sängerin Frida verzückte mit ihrem arabischen Soul einen vollgestopften, stickigen Berner Altstadtkeller.

Überraschung inklusive: Rapper Greis kommt auf die Bühne.

Überraschung inklusive: Rapper Greis kommt auf die Bühne.

(Bild: Marina Bolzli)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Der Eingang des Kellers ist fast nicht zu finden, denn überall stehen bei diesem lauen Sommerwetter Menschen auf der Gasse herum, reden, trinken Bier. Eine dichte Menschentraube hat sich vor dem Café Marta an der Kramgasse gebildet, darunter auch Rapper Greis. Auf der steilen Treppe sitzen Leute, stehen Leute, schwatzen Leute. Taucht man ein ins Dunkel – wird es noch voller, noch heisser, noch stickiger. Der Ventilator kann da auch nichts mehr ausrichten. Und irgendwie ist die Stimmung trotzdem so warm, so vertraut – als sässe man im eigenen Wohnzimmer.

Noch rücken die Menschen enger zusammen, verteilen Küsschen an Bekannte, da fängt vorne schon die Musik an. Frida singt. Man kann nur erahnen, was ihre Worte heissen könnten, doch sie müssen leidenschaftlich sein, temperamentvoll. Ihre Stimme ist warm, dunkel, ein bisschen rauchig. «Shou fi taht el sou’al» heisst dieses erste Stück, die libanesische Sängerin wird es später auf Englisch erklären. Übersetzt auf Deutsch bedeutet es etwa: «Was willst du mir eigentlich, versteckt hinter den Worten, sagen?» Und vielleicht passt dieses Lied, dieses Motto, ganz gut zu diesem Abend. Zu diesem wundervollen Konzert einer libanesischen Sängerin, die mit ihrem arabischen Soul den Altstadtkeller und die Herzen füllte.

Die libanesische Sängerin Frida bei einem Live-Konzert.
(Quelle: Youtube/Project Revolver)

Dabei muss das eine ziemlich spontane Sache gewesen sein. Frida war zu Gast bei einer Freundin in Bern, die einen Schweizer geheiratet hat. Sie traf die Musiker Marc Rossier (E-Gitarre) und David Stein­acher (Perkussion), man probte einmal zusammen – und nun treten die drei im Café Marta auf, als würden sie schon immer zusammen spielen. Die beiden Musiker begleiten Frida, verstärken die Songs, ohne je zu dominant zu werden. Barfuss sitzt Frida da, feine Schweissperlen kleben an ihrer Stirn, ein breites Lachen erobert ihr Gesicht, immer dann, wenn sie gerade nicht singt.

Adrian Marthaler, Geschäftsführer und Booker des Cafés Marta, hat alle Hände voll zu tun. Er geht mit dem Kollektentopf umher. «Eigentlich wollten wir schon Sommerpause ein­legen, im Sommer will ja niemand im Keller Konzerte hören, da kam diese Anfrage eines Bekannten», erzählt er. Das Café Marta, das etwa alle zwei Wochen ein Konzert veranstaltet, sagte zu. Anscheinend kommen die Leute doch auch bei Hitze in den Keller. Und dürfen sogar noch eine kleine Überraschung erleben. Nach der Pause gibt es plötzlich eine Einlage von Rapper Greis, er singt französisch. Und wieder wirkt es so, als ob sie schon seit Jahren zusammen spielen würden. Und man taucht ein, in Songs wie Märchen, mit Worten, die man nicht versteht – und doch, versteckt hinter den Worten, zu verstehen glaubt. Wunderbar! Frida, komm bald wieder.


Nächster Anlass im Café Marta: 25.6., Pub-Quiz, danach Sommerpause.

Berner Zeitung

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