Zum Hauptinhalt springen

Stars, Skandale und Highlights: 70 Jahre Filmfestival Locarno

Zum 70. Geburtstag des Filmfestivals Locarno halten wir Rückschau auf denkwürdige Ereignisse des wichtigsten Filmanlasses der Schweiz.

Das diesjährige Festival findet vom 2. bis 12. August statt.
Das diesjährige Festival findet vom 2. bis 12. August statt.
zvg

1946

Das erste Festival geht im Garten des Grand ­Hotel über die Bühne. Gezeigt werden 15 Filme, darunter «Roma, città aperta» von Roberto Ros­sellini und «Double Indemnity» von Billy Wilder. Länderflaggen werden gehoben, Nationalhymnen gespielt, der spätere Präsident Raimondo Rezzonico wirkt bereits hinter den Kulissen. Das Festival kostet 60'000 Franken, doch nur die Hälfte kommt wieder rein.

1954 Alois Carigiet («Schellen-Ursli») gestaltet das Festivalplakat und kommt nach Locarno.

1960 Staralarm: Marlene Dietrich fährt auf Einladung ihres Entdeckers Josef von Sternberg nach ­Locarno. Das Schweizer Fernsehen folgt der Diva bis nach Ascona, wo sie einkaufen möchte.

1962 Dem Festival wird vorgeworfen, zu viele Filme aus Osteuropa zu zeigen. Direktor Vinicio Beretta verteidigt sich: Erstmals habe eine ­Auswahlkommission die Filme bestimmt.

1963 Das Festival bekommt zum ersten Mal ­Unterstützung vom Bund: 20'000 Franken.

1964

«Cerny Petr» von Milos Forman gewinnt das Goldene Segel (Vorläufer des Goldenen Leoparden). Forman, damals von Kommunisten ­bespitzelt, wird später sagen: «Locarno ermöglichte mein ­Überleben als Filmemacher.»

1968 Der gesellschaftspolitische Aufruhr erfasst auch Locarno: Filme aus dem Ostblock werden zurückgezogen, die Jury wirft den Bettel hin. Schliesslich übernimmt die Jugendjury und ­vergibt den Hauptpreis – erstmals in Gestalt eines Goldenen Leoparden.

1969 Alain Tanner gewinnt mit «Charles mort ou vif» als erster Schweizer in Locarno.

1971 Das Festival zügelt vom Grand Hotel auf die ­Piazza Grande. Gewerbetreibende protestieren. Sie fürchten um ihre Einnahmen wegen weg-fallender Autoparkplätze.

1981 Kathryn Bigelow zeigt ihren Debütfilm «The Loveless» im Wettbewerb. 29 Jahre später ­gewinnt sie als erste Regisseurin einen Oscar («The Hurt Locker»).

1985 Das Festivalbudget beträgt inzwischen 1,5 Millionen Franken. «Höhenfeuer» von Fredi Murer gewinnt den Goldenen Leoparden.

1988 Das Fevi, eine klotzige Mehrzweckhalle am Stadtrand, nimmt den Betrieb auf. Fassungs­vermögen: 3200 Zuschauer.

1991 «Johnny Suede» von Tom DiCillo gewinnt den Goldenen Leoparden. In der Hauptrolle: ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent namens Brad Pitt.

1993

Sie ist erst 19 und gibt der «Tagesschau» ein Interview auf der Piazza Grande: die spätere ­Oscarpreisträgerin Penelope Cruz («Vicky Cristina Barcelona»).

1997 Wenn Arbeitslose strippen: «The Full Monty» reisst das Piazza-Publikum zu einer Standing Ovation hin. Am nächsten Tag schwappt die ­Begeisterung auf ganz Europa über.

2000

Die grosse Krise: Direktor Marco Müller und Präsident Raimondo Rezzonico sind zurückgetreten, Nachfolger Giuseppe Buffi stirbt kurz vor Festival­beginn, und bei der UBS steht man mit einer Million Franken in der Kreide. Das neue Duo Irene Bignardi und Marco Solari schafft jedoch den Turnaround.

2005 Das Grand Hotel schliesst endgültig. Mit ihm ­sterben der Gründungsort und das gesellschaftliche Epizentrum des Festivals.

2006 Der Schockmoment: Direktor Frédéric Maire kippt auf der Piazza-Bühne um – ein Schwächeanfall. Der Skandal: Barbara Albert, die am Drehbuch von Andrea Stakas «Das Fräulein» mitschrieb, verlässt erst auf Druck der Presse die Wettbewerbsjury. «Das Fräulein» gewinnt schliesslich den Goldenen Leoparden.

2013

«L’Experience Blocher» feiert Premiere auf der Piazza – in Anwesenheit von Ex-Bundesrat Christoph Blocher. Unkundige Politiker mäkeln, der Bundesrat hätte den Dokfilm selber bezahlen sollen.

2017

Das Festivalbudget beträgt 13,6 Millionen Franken (Bundesbeitrag: 1,5 Millionen). Am 9. August wird im PalaCinema, dem neuen zentralen Festivalsitz mit drei Kinos, der 70. Geburtstag des Traditionsanlasses gefeiert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch