Der Mann hinter den Coen-Soundtracks

Er arbeitete mit Bob Dylan, Robert Plant und Alison Krauss. Seit Jahren begleitet Oscar- und Grammypreisträger T-Bone Burnett (65) die Coen-Brüder. Für den Soundtrack zu «Inside Llewyn Davis» hat er sich selbst übertroffen.

T-Bone Burnett: «Der Mississippi ist die musikalische Achse der USA.»

T-Bone Burnett: «Der Mississippi ist die musikalische Achse der USA.»

(Bild: zvg)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Mister Burnett, 1975 begleiteten Sie Bob Dylan auf Tournee. In welcher Schaffensphase begegneten Sie ihm?
T-Bone Burnett: Als Meister des Universums. Für mich wars, als arbeitete ich mit John Coltrane und William Butler Yeats zur selben Zeit.

«Inside Llewyn Davis» spielt kurz vor der Zeit, als Dylan zum Folkstar wurde. Wie wählten Sie die Musik aus?
Ich suchte Geschichten, die über die Musik erzählt werden, Songs, die von Tod, Abtreibung, Selbstmord und Trennung handeln. Es ist im Prinzip ein überarbeitetes Repertoire des verstorbenen Dave Van Ronk, das Oscar Isaac zum Leben erweckt.

Oscar Isaac singt die Songs live...
Ja, sonst wird Musik für Filme vorproduziert, der Schauspieler bewegt auf dem Set nur noch die Lippen. Die grossen Studios wollen auf Nummer sicher gehen. Aber Oscar sang diese Songs live, immer im gleichen Tempo und lernte dazu diesen komplizierten Gitarrenstil. Unglaublich!

Sie hatten bereits Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon für «Walk the Line» und Jeff Bridges für «Crazy Heart» zum Singen gebracht. Wie machen Sie das?
Ich muss Schauspieler bis zu jenem Punkt zu bringen, wo ihr Ego verschwindet und eine neue Persönlichkeit erscheint. Das unterscheidet Schauspieler von Sängern. Ein Sänger projiziert sein Ego direkt aufs Publikum. Es kommt selten vor, dass jemand beides gut kann.

Wie bringen Sie einen Schauspieler dazu, das zu tun, was Sie wollen?
Indem ich ihm die Wahrheit sage. Man kann Schauspielern nicht sagen: Das klingt zu flach. Man muss ihnen einen Ort aus der Realität geben, wo sie sich festhalten können. Ich sage also: Singe diesen Song, als ob du einen Hangover hättest. Oder wie ein Gutenachtlied für dein Baby.

Wie wurden Sie Musik- und Soundtrackproduzent?
Als Junge hörte ich Tausende von Platten. Ich könnte heute nicht tun, was ich tue, wenn ich diesen Background nicht hätte. Mit den Jahren bin ich auch beim Recherchieren besser geworden. Das Internet ist hilfreich dabei, Musiker zu finden, die völlig von der Bildfläche verschwunden sind.

Sie gelten sonst nicht als Anhänger des Internets.
Nein. Es hiess einst, dass mit dem Internet alles demokratisiert würde. Doch es kam anders. Ein Musiker kann heute zwei Milliarden Klicks auf Youtube kriegen, aber Geld verdient er keines. Zudem verbrennen diese Datenfarmen Unmengen an Energie.

Ich vermute, Sie halten auch nicht viel von Castingshows.
Mir ist völlig egal, was eine Christina Aguilera über mich denkt. Showtradition hin oder her, aber ein Künstler sollte sich nie einer solchen Beurteilung aussetzen.

Apropos Tradition – gibt es einen gemeinsamen Nenner in der US-Musikgeschichte?
Ja, den Mississippi. Das ist die musikalische Achse der USA. Der Fluss entspringt in Minnesota, wo Bob Dylan herkommt, reicht nach Nashville, Memphis oder Kentucky und endet in New Orleans, wo Louis Armstrong geboren wurde.

Berner Zeitung

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